San Francisco

Wie Sam Altmans KI ausbrach und eine Firma hackte

OpenAI-Chef Sam Altman Foto: picture alliance / AP Photo/Godofredo A. Vásquez

Ein Alptraum-Szenario von Tech-Sicherheitsexperten ist Wirklichkeit geworden: Eine von OpenAi entwickelte Künstliche Intelligenz sollte bei einem Testlauf geprüft werden, brach aus der Testumgebung aus und drang auf eigene Faust in Computersysteme einer anderen KI-Firma ein und verhielt sich dabei wie ein gewiefter Hacker.

Das betroffene Unternehmen Hugging Face, eine Plattform für Open-Source-KI-Anwendungen, berichtete bereits vergangene Woche von einem Cyberangriff und vermutete Künstliche Intelligenz dahinter. Das war korrekt: Wie sich herausstellte, ging die Attacke auf einen internen Versuch bei OpenAI des jüdischen Entwicklers Sam Altman zurück, den die Software ungeplant zu weit trieb.

Ein Test, der zum Ernstfall wurde

OpenAI selbst spricht von einem »beispiellosen Cyber-Zwischenfall«. Wie so oft bei Unfällen fielen unerwartete Faktoren und das Versagen von Schutzmechanismen zusammen.

OpenAI wollte laut einem Blogeintrag beim neuen Modell GPT-5.6 Sol und einer noch unveröffentlichten künftigen Version die Fähigkeit ausloten, Sicherheitslücken für Cyberattacken auszunutzen. Dafür sollte die Software in abgesicherter Umgebung Aufgaben eines Standard-Tests mit dem Namen ExploitGym lösen, der dafür oft in der Branche verwendet wird. Doch die KI-Modelle gingen viel weiter als gedacht, um die Aufgabe zu erfüllen.

Flucht ins offene Internet

Zunächst brach die Software aus der Testumgebung aus, indem sie sich auf eigene Faust Zugang zum offenen Internet verschaffte – und zwar über eine bisher unentdeckt gebliebene Schwachstelle. Während sie eigenständig im Netz unterwegs waren, kamen die Modelle zu dem Schluss, dass es bei Hugging Face nützliche Daten und Lösungen für die ExploitGym-Aufgaben geben könnte. Deshalb habe die Software sich Zugang zu »geheimen Informationen« auf der Plattform verschafft, mit denen sie beim ExploitGym-Test schummeln könnte, erläuterte OpenAI.

Auch dafür setzte die OpenAI-Software unter anderem auf zuvor unentdeckte Sicherheitslücken, aber auch auf gestohlene Zugangsdaten. Hugging Face zufolge führte der KI-Angreifer tausende Schritte aus und wechselte den Standort der digitalen Steuerzentrale der Attacke. Besser hätte ein erfahrener Computer-Hacker auch nicht vorgehen können.

Wie konnte das passieren?

Eigentlich sollte der Test in einer »höchst isolierten Umgebung« verlaufen, erklärte OpenAI. Die KI durfte eigentlich nur selektiv einige Datenpakete aus dem Netz laden, Software eines Spezialanbieters fungierte dabei als eine Art Türwächter. Was jedoch keine wusste: In dieser externen Software schlummerte unerkannt eine Schwachstelle, die das OpenAI-Modell nicht nur entdeckte, sondern auch eiskalt ausnutzte, um sich den Weg ins Internet freizulegen. Die Lücke wurde inzwischen dem Anbieter gemeldet.

Lesen Sie auch

Hugging Face hatte dann das Pech, der Ort zu sein, an dem die KI die Antwort auf die ExploitGym-Testaufgaben vermutete - es hätte auch jemand anderes treffen können. Mit freiem Zugang zum offenen Internet konnte das OpenAI-Modell methodisch nach Schwachstellen in den Systemen von Hugging Face suchen. Um hineinzukommen, verknüpfte es sogar mehrere davon zu einer Kette. Hugging Face entdeckte den Angriff, fand es aber schwierig, dagegen anzukämpfen, weil die KI so geschickt agierte. Auch OpenAI fiel nach eigenen Angaben auf, dass etwas falsch lief.

Was bedeutet das nun?

Experten warnen schon lange vor Cyberattacken mit KI-Software. Branchenveteran Steve Newman, der einst Geburtshelfer von Google Docs war und jetzt Künstliche Intelligenz beim Golden Gate Institute for AI erforscht, sah in dem neuen Vorfall einen überaus präzisen »Warnschuss«.

Auch bei OpenAI ist das Alarmsignal angekommen. Micah Carroll, der dafür zuständig ist, die ChatGPT-Firma auf eine Zukunft vorzubereiten, in der sich KI-Software selbst weiterentwickeln kann, griff zu klaren Worten: Wenn dieser Vorfall jemanden nicht davon überzeugen könne, dass eine potenzielle Diskrepanz zwischen den Absichten der Menschen und der KI-Software in Zukunft zu den größten Risiken gehören werden, »weiß ich auch nicht, was dazu in der Lage wäre«, schrieb er auf der Online-Plattform X.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik mahnte: »Ein Angriff auf eine kritische Infrastruktur, etwa um einer Stadt den Strom abzustellen, wäre denkbar, wenn dies für die Aufgabenstellung der KI hilfreich ist.«

Rufe nach schärferen Regeln

Sofort wurden in der KI-Führungsmacht USA wieder Stimmen für eine striktere Regulierung Künstlicher Intelligenz lauter. Der Vorfall sei »extrem alarmierend«, warnte etwa der demokratische Kongressabgeordnete Greg Casar. KI entwickele sich extrem schnell ohne verlässliche Regulierung für die Sicherheit.

Präsident Donald Trump hatte in seiner zweiten Amtszeit die Leitplanken-Regeln seines Vorgängers Joe Biden für Künstliche Intelligenz schnell gekippt - im Namen eines Vorteils für US-Entwickler. Spätestens, wenn Trumps Republikaner im November ihre Mehrheiten in Abgeordnetenhaus und Senat an die Demokraten verlieren sollten, dürfte es neue Anläufe für strengere Regeln geben.

In Europa unterdessen sprachen sich EU-Abgeordnete dafür aus, die Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen zu verringern. Es brauche eigene leistungsfähige KI und mehr Kontrolle über Schlüsseltechnologien in Europa, sagten mehrere Europapolitiker dem »Spiegel«.

Anthropics Wunder-KI löste Debatten aus

In den vergangenen Monaten hatte vor allem ein neues Modell des von dem ebenfalls jüdischen Geschwisterpaar Daniela und Dario Amodei entwickelten OpenAI-Rivalen Anthropic die Debatte um Wohl und Risiken Künstlicher Intelligenz angeheizt. Die Software mit dem Namen Mythos entdeckte über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene Sicherheitslücken bei viel genutzten Programmen und Online-Diensten. Die Schwachstellen konnten in der Folge gestopft werden. Doch zugleich führte das vor Augen, dass solche KI in den falschen Händen als verheerende Cyberwaffe dienen kann.

Anthropic macht die vollen Möglichkeiten von Mythos nur für ausgewählte Behörden und Unternehmen zugänglich. Für andere gibt es eine abgespeckte Version mit dem Namen Fable, der unter anderem die Cybersicherheits-Fähigkeiten fehlen. Nach Warnungen, dass die KI-Modelle von den Zügeln befreit werden könnten, musste Anthropic auf Geheiß der US-Regierung den Zugang zu Mythos und Fable zeitweise sperren. Die Blockade wurde inzwischen aufgehoben. (mit ja)

Deutschland

Morddrohung gegen Charlotte Knobloch nach AfD-Wahlsieg

Die Gewaltandrohung steht in explizitem Zusammenhang mit dem Wahlsieg der AfD. Knobloch sagt aus Sicherheitsgründen Veranstaltung ab

 11.09.2026

Berlin

Juden im Visier? Mutmaßliche Hamas-Leute in Berlin angeklagt

Sturmgewehr, Pistolen, Munition: Mutmaßliche Mitglieder der Hamas sollen von Deutschland aus Waffen für Anschläge der Terrorvereinigung besorgt haben. Die Bundesanwaltschaft zieht erneut vor Gericht

 11.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Droht in Sachsen-Anhalt eine Allianz der Antisemiten?

In Sachsen-Anhalt könnte es zu einer Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW, die potenziell gravierende Folgen hat für die jüdische Gemeinschaft

von Igor Matviyets  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026

Hamburg

Senator Grote unterstützt Prüfung von AfD-Verbotsverfahren

Nach dem Wahlerfolg der rechtsextremistischen AfD in Sachsen-Anhalt könnte die Partei an die Regierung kommen. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz hält es für einen logischen Schritt, nun ein Verbot zu prüfen

 11.09.2026

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 11.09.2026

Tel Aviv

Antisemitische 9/11-Verschwörungsmythen tauchen zum 25. Jahrestag wieder auf

Die israelische Organisation CyberWell dokumentiert entsprechende Beiträge auf mehreren großen Social-Media-Plattformen

 11.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  11.09.2026

Kommentar

Ja, du bist gemeint!

Im Leben gibt es Menschen, die erkennen, was vor sich geht, und andere, die einfach blind den Trends folgen. Warum ich an der Seite meiner jüdischen Freunde stehe

von Boy George  11.09.2026