Berlin

»Weil ich eine Zeugin bin«

Verbrechen an der Menschheit verjähren nicht.» Angela Merkel war als einzige Vertreterin der aktuellen Regierung geladen, um bei der Feierstunde des Internationalen Auschwitz Komitees in Berlin zu sprechen und der Befreiung des Vernichtungslagers vor 70 Jahren durch die Rote Armee zu gedenken.

Vor der Bundeskanzlerin hatten drei Jugendliche – aus Polen, Israel und Deutschland – davon berichtet, was ihnen Auschwitz bedeutet, wie wichtig auch für ihre Generation das Gedenken an die Schoa ist.

zeugen Zum Auftakt der Veranstaltung in der Berliner Bildungsinstitution Urania hatte das Internationale Auschwitz Komitee zwei Überlebende des Vernichtungslagers gebeten, als Zeugen zu berichten.

Marian Turski aus Polen verglich die Menschheitsgeschichte mit einer steten Staffelübergabe von Generation zu Generation. «Es bedeutet, dass wir Überlebenden euch unser Erbe, unseren Schatz an Erfahrungen übergeben. Gute und schlechte.»

Eva Pusztai-Fahidi aus Ungarn sprach über die Schuldgefühle, die Überlebende haben, wenn sie an die Millionen Ermordeten denken. «Warum ich? Warum bin ich am Leben geblieben?» Fahidi sagte, nach 70 Jahren habe sie endlich eine Antwort auf diese quälende Frage gefunden: «Weil ich eine Zeugin bin.» Ihre Aufgabe sei es, die jüngeren Generationen davon zu informieren, was in Auschwitz passiert sei. «Wir Überlebeben von Auschwitz sprechen über unser Leben und über das Leben unserer Toten», betonte die 89-Jährige.

dank Erst zum Schluss bat Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee die Kanzlerin auf die Bühne. Angela Merkel gedachte allen Menschen, «die von Deutschland im Nationalsozialismus verfolgt, misshandelt, gequält und ermordet wurden». Sie dankte auch den Überlebenden, namentlich Marian Turski und Eva Pusztai-Fahidi, für ihre unermessliche geschichtliche Leistung, dafür zu sorgen, dass die Erinnerung an den Zivilisationsbruch Schoa wach bleibt.

Die Kanzlerin sprach auch über die aktuelle Situation: Noch heute müssten in Deutschland viele Juden fürchten, beschimpft zu werden, wenn sie sich als Juden zu erkennen geben oder für den Staat Israel Partei ergreifen. «Es ist eine Schande, dass Menschen in Deutschland angepöbelt werden», so Merkel. Antisemitismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit müssten bekämpft werden. Das sei Aufgabe der Gesellschaft und des Staates.

Zur Berliner Gedenkveranstaltung hatte das Internationale Auschwitz Komitee neben Schoa-Überlebenden auch Jugendliche und Politiker aus 60 Ländern eingeladen.

www.auschwitz.info

Rechtsterrorismus

NSU-Unterstützerin Susann E. zu zwei Jahren Haft verurteilt

Im Prozess gegen Susann E. in Dresden ist das Urteil gesprochen. Weil sie der NSU-Terroristin Beate Zschäpe mit ihrem Ausweis und ihrer Krankenkassenkarte aushalf, wurde sie verurteilt. In Haft muss sich nicht.

 17.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  17.07.2026

Frankfurt am Main

»Widerstand ist Völkerrecht«-Demo darf stattfinden

Laut Staatsanwaltschaft liegt trotz des Demo-Mottos »Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und mit Gewehren« keine Volksverhetzung vor

 17.07.2026

Mainz

»Mutlos«: »Anstalt« reagiert auf Ausladung von Danger Dan

Die Macher der Satiresendung kritisieren die Entscheidung des ZDF deutlich. Auch der Musiker selbst meldet sich nochmal zu Wort - es geht auch um das Thema Gewalt

 17.07.2026

Berlin

SPD-Arbeitskreis fordert Ende deutscher Blockade gegen EU-Kurs zu Israel

»Es ist nicht glaubwürdig, wenn deutsche Waffen dazu dienen, die humanitäre Katastrophe zu verlängern«, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner

 17.07.2026

Washington D.C.

Trump-Nachfolge: Juden wenden sich von Vance ab, setzen auf Rubio

Zu den Gründen für den Vertrauensverlust gehören Vorstöße Vances gegen israelische Regierungsvertreter. Rubio hingegen hat schon immer Unterstützung für Israel gezeigt

 17.07.2026

Reform

Die Rente ist sicher

Trotz Stimmungstief in Deutschland: Die Vorschläge der Alterssicherungskommission weisen in die richtige Richtung

von Ayala Goldmann  17.07.2026

TV

Danger Dan contra ZDF: Ein Songtext und seine Folgen

Die Satiresendung »Die Anstalt« beschäftigt sich mit Radikalisierung. Der Rapper Danger Dan, der sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, sollte auftreten. Doch das ZDF lädt ihn aus

 17.07.2026

Budva

Israelis in Montenegro attackiert: Opfer berichtet von gebrochenem Kiefer

Einer der betroffenen Touristen: »Sie beschimpften uns, traten uns und warfen Stühle nach uns.«

 17.07.2026