Hass-Literatur

Jüdische Studenten stellen Strafanzeige gegen Hugendubel

Eine Hugendubel-Filiale in Berlin-Charlottenburg Foto: picture alliance / SZ Photo

Der Verband Jüdischer Studierender Hessen (VJSH) stellt Strafanzeige gegen Hugendubel. Der Vorwurf: Die Buchhandelskette verbreite antisemitische und volksverhetzende Schriften.

Einer Mitteilung der Organisation zufolge wurde eines ihrer Vorstandsmitglieder im Juni 2023 auf ein Buch mit dem Titel »Juden verstehen. Antisemitismus verstehen« aufmerksam, das auf der Hugendubel-Webseite angeboten wurde.

»Bei genauerer Untersuchung stellte sich schnell heraus, dass der tatsächliche Inhalt des Buches bewusst hinter einem scheinbar aufklärerischen Titel verborgen ist«, heißt es in einer Erklärung des VJSH. Es habe sich als Zusammenstellung aller von Hervé Ryssen veröffentlichten Schriften über »die Juden« entpuppt.

Der Autor leugnet den Holocaust

»Eine kurze Recherche offenbarte, dass Ryssen in Frankreich wegen bereits wiederholter Verbreitung volksverhetzender, antisemitischer und Holocaust-leugnender Aussagen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden ist und auch öffentlich zu seinen antisemitischen und rassistischen Ansichten steht«, so die Erklärung weiter.

Zu Überprüfungszwecken erwarb der Verband Jüdischer Studierender sowohl sein Buch »Juden verstehen. Antisemitismus verstehen« als auch seine weiteren antisemitischen Werke »The Jewish Fanaticism« und »The Jewish Mafia«. In »Juden verstehen. Antisemitismus verstehen« erläutere Ryssen, warum seiner Meinung nach die Juden für sämtliche Missstände in der Welt verantwortlich gemacht werden sollten und Antisemitismus daher gerechtfertigt sei.

Er leugne dabei unter anderem die Existenz von Vernichtungslagern und den Massenmord an den Juden während des Nationalsozialismus. Zudem unterstelle er den Juden eine Weltverschwörung, bei der alle anderen
Völker vernichtet werden sollten. Das Buch kommt zu dem Schluss, dass das Judentum ein »Verbrechen gegen die Menschheit« sei.

Antisemitische Werke stehen weiter zum Verkauf

»Der VJSH ist entsetzt darüber, dass Hugendubel, eines der größten und
einflussreichsten Buchhandlungen mit Sitz in Deutschland, die Verbreitung volksverhetzender und antisemitischer Schriften zulässt«, schreibt der Verband.

»Angesichts der gegenwärtigen Lage für jüdische Menschen in Deutschland und Europa ist der Vertrieb und der Zugang zu solchen Schriften mehr als problematisch und fördert das feindselige Klima erheblich.« Aufgrund dessen sei eine Strafanzeige gegen Hugendubel, die Druckerei und den Herausgeber Books on Demand GmbH sowie gegen Ryssen persönlich eingereicht worden.

Zwar sei das Buch »Juden verstehen. Antisemitismus verstehen« bereits von der Website genommen worden. Ryssens anderen antisemitischen Schriften wie »The Jewish Fanaticism« oder »The Jewish Mafia« stünden jedoch weiterhin zum Verkauf. Dies belegt auch eine aktuelle Suche auf der Webseite von Hugendubel.

Studierende fordern klare Stellungnahme

»Wir fordern die Staatsanwaltschaft eindringlich zur schnellen Aufarbeitung des Falls auf und verlangen von Hugendubel und Books on Demand eine unverzügliche und klare Stellungnahme, welche eine umfassende Aufklärung über die Zuständigkeiten und die Benennung der Verantwortlichen beinhaltet«, sagte der VJSH. ja

Wilko Möller (AfD), Landtagsabgeordneter in Brandenburg, guckt nachdenklich

Rechtsextremismus

Urteil gegen AfD-Politiker wegen Wahlplakats rechtskräftig

Hat der AfD-Abgeordnete Wilko Möller mit einem »Hitlergruß« auf Plakaten Wahlkampf gemacht? Das Landgericht Frankfurt (Oder) hatte ihn zu einer Geldstrafe verurteilt. Dagegen legte der Politiker Revision ein – vergeblich

 26.10.2026

Leerer Klassenraum (Symbolbild)

Hessen

Strafverfahren gegen Lehrer wegen israelfeindlicher Posts eingestellt

Wegen Instagram-Beiträgen, die als »antisemitisch und israelfeindlich« eingestuft wurden, ist ein Gymnasiallehrer seit einem Jahr vom Dienst suspendiert. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung wurde nun eingestellt

 26.10.2026

Krieg

Selenskyj: Warten fast einen Monat auf Hegseth-Unterschrift

Der Ukraine mangelt es nach eigenen Angaben an Raketen zur Abwehr russischer Angriffe. Nun äußert Präsident Selenskyj Kritik am US-Verteidigungsminister Hegseth

 26.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026

Regierungsbildung

Berliner SPD plant Mitgliederbefragung über Koalition

Die Basis soll über eine Koalition mit Linken und Grünen mitentscheiden. Das haben die Sozialdemokraten vor.

 26.10.2026

Debatte

Zentralrat der Juden warnt vor AfD in Sachsen-Anhalt und nimmt Linke in Berlin Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Präsident Josef Schuster blickt sorgenvoll auf zwei deutsche Bundesländer

 26.10.2026

Berlin

Linke-Kandidat für Neukölln: Recherchen dokumentieren Nähe zu PFLP-Sympathisanten

Ein Dossier der Monitoringgruppe Amit, über das die »Welt« berichtet, dokumentiert mehrere Berührungspunkte des 45-jährigen Rechtsanwalts mit Personen und Veranstaltungen, bei denen Sympathien für die Organisation erkennbar waren.

 26.10.2026

Berlin

Schuster: Nehme der Linken Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Der Kampf gegen Judenhass erschwert die Gespräche über Rot-Grün-Rot in Berlin. Eine Erklärung der Linken reicht dem Präsidenten des Zentralrats der Juden nicht

 26.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 25.10.2026