Ehrenamt

»Vielfältiges jüdisches Leben würdigen«

Felix Klein Foto: Gregor Zielke

Ehrenamt

»Vielfältiges jüdisches Leben würdigen«

Felix Klein über jüdisches Leben und die Stärkung der Demokratie

von Detlef David Kauschke  07.09.2023 12:48 Uhr

Herr Klein, Sie verleihen am 7. September den Ehrenamtspreis für jüdisches Leben in Deutschland. Was ist die Idee dieser Auszeichnung?
Die Förderung jüdischen Lebens in Deutschland ist eine meiner Kernaufgaben als Beauftragter. Und wie andere Bereiche der Gesellschaft ist auch das jüdische Leben in seiner Vielfalt vom ehrenamtlichen Engagement geprägt. Ich finde es wichtig, dass wir das würdigen und diejenigen auszeichnen, die sich engagieren.

Um den Ehrenamtspreis können sich Einzelpersonen, Initiativen und Gruppen bewerben. Was charakterisiert deren Engagement?
Es ist sehr erfreulich, dass wir Bewerbungen von überall aus Deutschland bekommen haben – auch aus vielen ländlichen Bereichen, wo es Initiativen gibt, die wir noch nicht auf dem Schirm hatten. Die gesamte Vielfalt jüdischen Lebens ist vorhanden: Es geht um jüdische Küche, jüdische Bildung, Vermittlung jüdischer Kultur in Stadtvierteln, aber auch um Themen wie Feminismus, Altenpflege und Erinnerungskultur. Es ist wirklich großartig zu sehen, wie vielfältig dieses Engagement in Deutschland ist.

Etwa 40 Prozent der Bevölkerung in ganz Deutschland leistet freiwillig in ihrer Freizeit einen Beitrag. Ist Ihrer Erkenntnis nach das Engagement in der jüdischen Gemeinschaft ebenso ausgeprägt?
Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie das ehrenamtliche Engagement im Verhältnis zur Gesamtgesellschaft ist. Aber ich denke schon, dass das Ehrenamt eine ganz besondere Bedeutung im jüdischen Leben hat. Und es ist auch in der jüdischen Kultur selbst angelegt durch die Mizwot und die Verpflichtung, sich um andere Menschen zu kümmern. Zugleich ist es wichtig, dass das Engagement gewürdigt wird und nicht nur als kulturelle Realität hingenommen wird. Schließlich leisten diese Initiativen nicht zuletzt wertvolle Beiträge für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Ehrenamt stärkt Demokratie, heißt es. Wie kann das gerade in diesen Zeiten besonders notwendige Engagement noch weiter gefördert werden?
Der bedeutende Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde hat einmal gesagt, dass der Staat die Voraussetzungen, von denen er selbst lebt, nicht selbst schaffen kann. Mit staatlicher Hilfe können wir zwar über Bildung oder auch repressive Maßnahmen die Demokratie verteidigen. Aber die Grundlagen der Demokratie müssen eben aus der Zivilgesellschaft kommen. Und hier ist das Ehrenamt wirklich ein ganz entscheidender Faktor. Deswegen brauchen wir das in allen Bereichen. Ehrenamtliche Initiativen sollten mehr in den Blick genommen werden. Ich finde auch, dass dafür staatliche Unterstützung noch stärker und systematischer erfolgen sollte, auch in finanzieller Hinsicht.

Mit dem Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus sprach Detlef David Kauschke.

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 10.09.2026

Sachsen-Anhalt-Wahl

Nach AfD-Sieg: Cem Özdemir rief jüdische Gemeinden an

Der Ministerpräsident versicherte, dass sie in Baden-Württemberg nicht auf gepackten Koffern sitzen müssten

 10.09.2026

Bayern

Jugendlicher bestreitet Anschlagspläne auf Synagoge

Ein 16-Jähriger steht in Augsburg wegen Planung eines Anschlags vor Gericht. Ihm werden schwere Straftaten vorgeworfen. Das Verfahren läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit

 10.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Krieg

Iran bereit für »Blitzoffensive«

Die iranische Militärführung betont ihre Bereitschaft zu schnellen Einsätzen im ganzen Land. Was Kommandeur Hassansadeh über Motivation und Strategie sagt

 10.09.2026

Erinnerung

Gedenkstätten-Leiterin wünscht sich stärkere Wirkung in Gesellschaft

Die Angebote von Gedenkstätten müssen nach Ansicht der niedersächsischen Stiftungsgeschäftsführerin Elke Gryglewski verständlicher werden. Sie fordert neue Zugänge zum Blick auf die NS-Zeit für breite Bevölkerungsschichten

von Charlotte Morgenthal  10.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern

SPD nähert sich in Umfragen der AfD

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig präsentiert sich im Landtagswahlkampf als »die Frau gegen Blau«. In den Umfragen legt sie zu

 10.09.2026

Aufruf

Jüdische und christliche Jugendorganisationen warnen vor der AfD

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Auf den AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt könnte bald ein zweiter in Mecklenburg-Vorpommern folgen. Die Sorge darüber vereint junge Menschen christlicher und jüdischer Herkunft

 10.09.2026

Sachsen-Anhalt

Charlotte Knobloch: »Die AfD ist rechtsextrem«

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern äußert sich »bis ins Tiefste entsetzt« über den AfD-Wahlerfolg und plädiert erneut für ein Verbotsverfahren gegen die Partei

 10.09.2026