Krieg

USA und Iran ohne Einigung: Geht der Krieg jetzt weiter?

Präsident Donald Trump am Sonntagabend (Ortszeit) in Washington D.C. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nach wochenlangem Krieg wurden große Hoffnungen in die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran gesetzt. 21 Stunden dauerten die Gespräche in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad an, die an sich schon historisch waren. Sie endeten ohne Ergebnis - und US-Präsident Donald Trump hat umgehend eine neue Drohung parat.

Der US-Präsident kündigte an, die Straße von Hormus aus der Kontrolle des Iran zu reißen und zu blockieren. Die US-Marine werde alle Schiffe daran hindern, in die Meerenge einzufahren oder diese zu verlassen, teilte Trump am Vormittag (US-Ortszeit) auf der Plattform Truth Social mit. »Die Blockade wird in Kürze beginnen.« Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht - er sagte aber dem TV-Sender Fox News, dass die Verhängung der Blockade noch ein bisschen Zeit brauche.

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Trump will einerseits verhindern, dass der Iran Gebühren von Reedereien für eine Durchfahrt durch die Meerenge verlangt. Die US-Streitkräfte wurden demnach auch angewiesen, alle Schiffe abzufangen, die Geld an den Iran gezahlt hätten. Niemand, der eine »illegale Maut« entrichte, werde auf hoher See sichere Passage haben, schrieb Trump. Zudem kündigte er an, vom Iran gelegte Seeminen in der für die Weltwirtschaft wichtigen Meerenge zerstören zu lassen. Andere Länder würden helfen. Trump sagte Fox News, soweit er wisse, entsenden Großbritannien und andere Länder Minenräumboote.

Der Iran beansprucht die Kontrolle der für den weltweiten Energiehandel wichtigen Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman und plant die Einführung eines Mautsystems. Die USA hingegen fordern eine freie und sichere Durchfahrt von Schiffen ohne Gebühr - wie es auch vor dem Krieg der Fall war. Trump will die globalen Märkte beruhigen, weil die Preise seit Kriegsbeginn und der Blockade nach oben schossen.

Die Blockade tut zudem dem Iran weh - das Land ist selbst einer der größten Ölproduzenten der Welt, und dementsprechend ist die Straße von Hormus auch für Teheran enorm wichtig, um seine Ölexporte an die internationalen Märkte zu bringen. Der Iran hat auch nach Kriegsbeginn weiterhin Öl über die Straße von Hormus exportiert und konnte Medienberichten zufolge seine Exporte sogar steigern - demnach von 1,5 auf mehr als 2,5 Millionen Barrel pro Tag.

»Der Iran wird wahrscheinlich nicht nachgeben«, schreibt der Danny Citrinowicz, einer der führenden Iran-Experten, auf X. Es könnte nun zum Beispiel Teile der US-Marine in Visier nehmen, um die Entschlossenheit der Amerikaner zu testen. Neben Citrinowicz befürchtet ein weiterer Iran-Forscher, Hamidreza Azizi, dass der Iran künftig auch die mit ihm verbündete Huthi-Miliz im Jemen ermutigen wird, die Meerenge Bab al-Mandab und damit die Einfahrt zum Roten Meer und zum weiter nördlich gelegenen Suezkanal unter Beschuss zu nehmen.

Damit würde ein weiterer entscheidender Seeweg zum Transport von Öl ebenfalls zum Risikofaktor, was zu einem erneuten Preisanstieg führen könnte. »Wenn ihm der Verkauf seines Öls untersagt wird, ist es durchaus wahrscheinlich, dass der Iran versuchen wird, es anderen Akteuren wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unmöglich zu machen, ihr Öl durch Umgehung der Straße von Hormus zu verkaufen«, schreibt Azizi auf X.

Das ist unklar. Zur Wochenmitte hatten sich Teheran und Washington auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt, die bislang weitestgehend hielt. Seitdem bekannt ist, dass die diplomatischen Verhandlungen in Pakistan kein Ergebnis brachten, gab es zunächst keine neuen Äußerungen von US-Seite speziell zur laufenden Waffenruhe. Vermittler Pakistan appellierte an die USA und den Iran, die Waffenruhe einzuhalten. Umstritten war von Anfang an, ob diese auch für den Libanon gilt, wo Israel und die proiranische Hisbollah-Miliz gegeneinander kämpfen.

Die USA betonen, dass der Knackpunkt das fehlende Bekenntnis des Irans gewesen sei, langfristig keine Atomwaffen anzustreben. US-Vizepräsident JD Vance, der die Verhandlungen für die USA führte, sagte, man habe bislang nicht gesehen, dass sich der Iran grundlegend dazu verpflichte, langfristig keine Atomwaffen zu entwickeln - eine Kernforderung der USA.

Aus iranischer Sicht verhinderten zwei zentrale Punkte die Einigung. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, sagte, die Positionen hätten dabei zu weit auseinander gelegen, benannte die kritischen Themen aber nicht. Iranischen Medienberichten zufolge soll es den größten Streit bei Fragen rund um die Straße von Hormus gegeben haben.

Beide Seiten schlugen die Tür nicht ganz zu. Vance sagte, man habe einen Vorschlag an den Iran mit einem Angebot zurückgelassen - was dieses beinhaltet, war jedoch unklar. Irans Außenamtssprecher Baghai schloss weitere Verhandlungen nicht aus und betonte, die Diplomatie ende nie. 

Der Politikwissenschaftler Nico Lange schrieb auf X: »Ein «Deal» beim ersten Treffen zwischen USA und Iran war nicht erwartbar, im besten Fall ist der Einstieg in einen längeren zähen Verhandlungsprozess gelungen.« 

Auch Sicherheitsexperte Peter Neumann sieht die Verhandlungen nicht endgültig gescheitert. Es reiche aber nicht, der anderen Seite die Bedingungen diktieren zu wollen, schrieb er auf X. Wenn die Amerikaner die Öffnung der Straße von Hormus und eine dauerhafte Lösung für das Atomprogramm erreichen wollten, müssten sie den Iranern bei dem ein oder anderen Thema entgegenkommen. »Fest steht: Die USA haben sich mit ihrem Krieg in eine ungünstige strategische Lage manövriert.« Verlierer seien zudem die iranischen Demokratinnen und Demokraten. 

Der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija sieht ein Spiel auf Zeit. Sowohl die USA als auch der Iran wollten jetzt Zeit gewinnen, um ihre »strategischen und taktischen Fehler zu korrigieren und sich militärisch und politisch neu zu positionieren«, analysierte der regierungsnahe saudische Sender. »Beide brauchen eine Verschnaufpause und eine Kampfpause.«

Wie aus Webkarten von Schiffsbeobachtungsdiensten wie Vesselfinder, die Positionsdaten auswerten, hervorgeht, ist der Verkehr in der Straße von Hormus weiter eingeschränkt. Der Verband Deutscher Reeder teilte am Sonntag mit, dass es zutreffend sei, dass der Handelsverkehr in der Meerenge unverändert weitgehend ruhe. Der Verband fordert von der Bundesregierung, die Sicherung freier Seewege zu unterstützen.

Nach der Verkündung der Waffenruhe in der Nacht zum Mittwoch haben laut einer Schätzung von Risk Intelligence - ein dänisches Unternehmen, das auf Sicherheits- und Risikoanalysen spezialisiert ist - bis Donnerstagabend 17 Schiffe die Straße passiert. Möglich sei, dass die Zahl höher ist. Schiffe könnten die Meerenge durchfahren haben, ohne Positionsdaten zu senden. Das Verkehrsaufkommen betrage weniger als zehn Prozent des üblichen Verkehrs.

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