Washington D.C./Sanaa

USA setzen Angriffe gegen Huthi fort

Flugzeuge der US-Luftwaffe starten zu Angriffsflügen gegen die Huthi im Jemen. Foto: picture alliance / Anadolu

Die USA setzen ihre Militärschläge gegen die Huthi im Jemen fort. Die Einsätze gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Terroristen gingen weiter, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom in der Nacht auf der Plattform X ohne weitere Einzelheiten mit. Die jemenitische Nachrichtenagentur Saba, die von den Huthi-Terroristen kontrolliert wird, berichtete von zwei Luftangriffen in den frühen Morgenstunden im Raum der Hafenstadt Hudaida, etwa 230 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Sanaa.

Nach Angaben des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira stieg die Zahl der Todesopfer durch die US-Angriffe auf 53. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte zuvor im Sender Fox News die von Präsident Donald Trump am Samstag befohlenen Angriffe als klare Botschaft an die Huthi und den Iran bezeichnet. Sobald die Terrororganisation sage, dass sie aufhöre, auf Schiffe zu schießen, würden die USA mit ihren Angriffen aufhören, fügte der Pentagonchef hinzu.

Auch für den Iran sei die Botschaft klar, sagte Hegseth. Die Unterstützung der Huthi müsse sofort enden. Die USA würden Teheran sonst zur Rechenschaft ziehen. Der Iran verurteilte das Vorgehen der USA im Jemen. »Diese Angriffe, die zum Tod Dutzender unschuldiger Jemeniten führten, sind eine eklatante Verletzung der UN-Charta und werden die Sicherheit der Region einem beispiellosen Risiko aussetzen«, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai.

Anführer der Huthi im Visier

Die Huthi lenken bisher nicht ein. Ihr Anführer, Abdel-Malik al-Huthi, erklärte in einer Rede: »Wenn sie [die USA] ihre Aggression fortsetzen, werden wir die Eskalation fortsetzen.« Er kündigte an, US-Handels- und Kriegsschiffe anzugreifen, wie die arabischen TV-Sender Al-Dschasira und Sky News Arabia übereinstimmend berichteten. Die Miliz behauptete in der Nacht, zum zweiten Mal den US-Flugzeugträger USS Harry S. Truman angegriffen zu haben.

»Die Vorstellung, dass man diese massive Welle von Luftangriffen durchführt und die Huthi sich einfach zurücklehnen und es über sich ergehen lassen, ist absurd«, sagte Mohammed Al-Basha, Gründer der in den USA ansässigen Nahost-Sicherheitsberatung Basha Report, dem »Wall Street Journal«. Sie würden Vergeltung üben, und zwar heftig. »Es wird ein Teufelskreis sein.« Die Huthi gehören wie die Hamas im Gazastreifen sowie die Hisbollah im Libanon zu Irans selbst ernannter Widerstandsfront gegen Israel.

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Die Hamas und die Hisbollah sind durch die militärischen Konflikte mit Israel inzwischen erheblich geschwächt. Nun nehmen die mit Israel verbündeten USA mit ihren massiven Angriffen im Jemen einen weiteren Verbündeten des Iran verstärkt ins Visier, nachdem bereits Trumps Vorgänger mit wiederholten Angriffen versucht hatten, die Huthi im Jemen zu schwächen. Ähnlich wie Israel im Gazastreifen und im Libanon vorging, geht das US-Militär im Kampf gegen die Huthi dabei jetzt ganz gezielt auch gegen die Anführer der Miliz vor.

US-Kriegsflotte im Visier

Führende Mitglieder der Huthi flohen nach den ersten nächtlichen US-Luftangriffen aus der von ihnen kontrollierten Hauptstadt Sanaa in ländliche Gegenden. Das meldete der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija. Ranghohe Mitglieder hätten die Anweisung erhalten, ihre Häuser wegen der Gefahr weiterer Luftangriffe zu verlassen. Die Angriffe zielten laut US-Medien zudem auf Raketenwerfer der Huthi, die in Vorbereitung auf neue Attacken gegen Schiffe Richtung Küste verlegt worden seien. Auch seien etwa ein Dutzend Drohnen zerstört worden, die die US-Kriegsflotte im Visier hatten.

An der Küste des Jemen entlang führt eine der für den Welthandel wichtigsten Schifffahrtsrouten. Neben Wiederaufnahme von Angriffen auf Israel und Schiffe könnten die Huthi versuchen, auch US-Basen in Dschibuti und den Vereinigten Arabischen Emiraten anzugreifen, wurde Al-Basha zitiert. Sollte sich der Konflikt in die Länge ziehen, würde die Miliz wahrscheinlich auch wieder Angriffe auf Saudi-Arabien starten, um indirekt Druck auf Washington auszuüben, sagte er.

Abschreckung braucht Zeit

Nach Ausbruch des Krieges zwischen Israel und der palästinensischen Terrororganisation Hamas im Oktober 2023 hatten die Huthi zur Unterstützung der Hamas mit Angriffen auf Schiffe mit angeblicher Verbindung zu Israel sowie auf Israel selbst begonnen. Nach Inkrafttreten einer Waffenruhe in Gaza stellte die Terrorgruppe ihre Angriffe auf Schiffe im Januar zwar ein. Als Israel kürzlich jedoch sämtliche Hilfslieferungen nach Gaza stoppte, um die Hamas zur Freilassung der dort verbliebenen israelischen Geiseln zu drängen, kündigten die Huthi vor wenigen Tagen an, ihre Angriffe auf Schiffe im Roten Meer wieder aufzunehmen.

Ein Vorgehen gegen die Huthi-Anführer - was Trumps Vorgänger Joe Biden aus Sorge vor einer Eskalation weitgehend unterlassen habe - könne die Reaktionsfähigkeit der Huthi weiter untergraben, sagten Analysten dem »Wall Street Journal«. Aber es bestehe auch die Gefahr, dass sie »unberechenbarer« werde. Die US-Politik der Abschreckung werde wahrscheinlich Zeit brauchen, um Wirksamkeit zu zeigen, wurde Osamah Al Rawhani vom San’a Center for Strategic Studies zitiert. Die Huthi hätten in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass sie in der Lage sei, »sich anzupassen und zu erholen«. dpa/ja

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