Vertriebene

Unterwandert

Auch für Rechtsextreme attraktiv? Die Schlesische Landsmannschaft Foto: dpa

Wenn Fabian Rimbach nicht gerade NPD-Veranstaltungen beschützt, sitzt er im Bundesvorstand der Landsmannschaft Schlesien. Die ist mit 200.000 Mitgliedern einer der großen Verbände unter dem Dach des Bundes der Vertriebenen (BdV). Rimbach, der nach Angaben des Thüringer Verfassungsschutzes »mehrfach« für die NPD aktiv war, ist dort als Bundesvorsitzender der Schlesischen Jugend (SJ) präsent und vertritt laut Satzung den Nachwuchs im Vorstand.

angedockt »Wir haben mit denen nichts zu tun«, wiegelt BdV-Präsidentin Erika Steinbach ab. »Die Schlesische Jugend ist kein Mitgliedsverband des BdV. Die sind angedockt an die Landsmannschaft Schlesien.« Dort gibt man sich geschockt, dass auch nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums der Nachwuchs »als rechtsextrem beeinflusst« gilt. »Uns war davon nichts bekannt«, sagt Geschäftsführer Damian Spielvogel.

Allerdings muss Spielvogel zugeben, dass die Vorwürfe nicht neu sind. »Ich bin mal im Internet durch Zufall über etwas gestolpert.« Daraufhin habe er sich bei Niedersachsens Verfassungsschutz über die SJ erkundigt, dort aber nichts erfahren. Aktiv ist die Gruppe jedoch vor allem in Thüringen, und der dortige Verfassungsschutz kennt die Schlesische Jugend und ihren Vorsitzenden Rimbach gut. »Aktuelle Führungsfunktionäre«, heißt es in einer Mitteilung, entstammten der mittlerweile verbotenen »Heimattreuen Deutschen Jugend«, andere kämen »aus dem sonstigen rechtsextremistischen Spektrum«.

Verfassungsschutz Daher hat das Bundesinnenministerium von der Landsmannschaft Schlesien kürzlich eine Stellungnahme gefordert. »Möglicherweise könnte die Einstellung der Förderung erfolgen«, wird gedroht. Geschäftsführer Spielvogel spielt deshalb auf Zeit. »Wir haben jetzt erst mal eine Anfrage beim Verfassungsschutz gestellt, ob es wirklich Kontakte zwischen SJ und bestimmten Gruppen gibt.« Die Antwort will er abwarten. Dann gäbe es die Möglichkeit einer Satzungsänderung – und Rimbach säße nicht mehr am Vorstandstisch.

Auch Erika Steinbach wartet ab, ob die Schlesier das Problem selbst lösen. »Ganze Landsmannschaften kann man nicht unterwandern«, sagt sie. Solche Versuche sind ihr freilich nicht unbekannt. »Einmal waren sie erfolgreich«, gibt Steinbach zu, »das war bei der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO)«. Die flog dann raus. Mit dieser einschlägig bekannten Gruppe arbeitet die SJ eng zusammen – was weder Spielvogel noch Steinbach mitbekommen haben wollen.

Martina Renner, die für die Linkspartei im Thüringer Landtag sitzt, beobachtet die braunen Koalitionen schon lange. »Die SJ trifft sich seit Jahren in einem Schullandheim in Kleinschmalkalden«, sagt Renner. »Dort macht sie auch mit der JLO gemeinsam Veranstaltungen.« Die Recherchen der Abgeordneten ergaben, dass das Gebäude, das der Kommune gehört, schon seit über zehn Jahren regelmäßig von den Rechtsextremen genutzt wird. Aber, so der Landkreis, »politische Inakzeptanz alleine rechtfertigt ein Veranstaltungsverbot nicht«.

Kein Beobachtungsobjekt Nach Recherchen von tagesschau.de fassten Neonazis schon 2005 den Plan, die SJ zu unterwandern – und befolgten ihn, bis sie in deren Vorstand ankamen. Der damalige Thüringer Innenminister Peter Huber hatte noch im Januar 2010 auf eine Anfrage Renners mitgeteilt, dass die SJ »derzeit kein Beobachtungsobjekt« sei.

Aufgegriffen hat die Zustände in der Landsmannschaft Schlesien jüngst der Grünen-Politiker Volker Beck. Er fordert von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, im Rahmen der »Extremismusklausel« die Zuwendungen an den BdV zu überprüfen. In einer wütenden Replik bringt Steinbach den offen homosexuell lebenden Beck in die Nähe von Pädophilen: »Herr Beck soll sich erst mal um diese Sachen kümmern, ehe er uns angreift.«

Auf der SJ-Internetseite schreibt Fabian Rimbach, die Linken wollten bloß einen Keil zwischen die alte »Erlebnisgeneration« und die junge »Bekenntnisgeneration« der Vertriebenen treiben. Zu »irgendwelchen« Beziehungen zwischen SJ- und NPD-Mitgliedern meint er: »Genauso wie an Kontakten zu Mitgliedern der SPD, CDU oder der Grünen ist daran nichts auszusetzen.«

Debatte

Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

von Stephan-Andreas Casdorff  26.05.2026

Teheran

Bericht: Internetsperre im Iran teilweise aufgehoben

Nach mehr als zwei Monaten ist das Internet im Iran laut einem Bericht teilweise wieder erreichbar. Ob die Aufhebung der Sperre dauerhaft bleibt, ist noch offen

 26.05.2026

Texas

»Ich bin gegen zionistische Juden«: Schwere Vorwürfe gegen Kandidatin der Demokraten

Maureen Galindo will ein »Gefängnis für amerikanische Zionisten« einrichten

 26.05.2026

Förderung

Bundesrechnungshof rügt Auswärtiges Amt wegen Geld für Islamic Relief

Islamic Relief Deutschland präsentiert sich als humanitäre Hilfsorganisation. Und erhielt Förderung des Auswärtigen Amtes. Der Bundesrechnungshof rügt das: Es gebe Verbindungen zur Muslimbruderschaft

von Christoph Arens  26.05.2026

Mexiko-Stadt

Mexiko nimmt iranische Nationalmannschaft während der WM auf

Präsidentin Claudia Sheinbaum sagt, die USA hätten angefragt, ob die Iraner in ihrem Land übernachten könnten. »Und wir haben gesagt: Ja, ohne Problem, wir haben damit überhaupt kein Problem.«

 26.05.2026

Teheran

Irans Präsident ordnet Freischaltung des Internets an

Während des Krieges wollte das Regime offenbar verhindern, dass Berichte, Bilder über das Ausmaß der Kriegsschäden sowie über die Stimmung im Land in sozialen Medien verbreitet werden

 26.05.2026

Bilbao/Wien

Festnahmen und Tumulte um Gaza-Flottillen-Aktivisten in Spanien und Österreich

Teils chaotische Szenen mit Rangeleien und dem Einsatz von Gewalt durch Sicherheitskräfte werden von den Flughäfen in Bibao und Wien gemeldet

 26.05.2026

Dresden

Wegen Betrugs und Geldwäsche: Bewährungsstrafe für Rabbiner

Das Amtsgericht Dresden hat sein Urteil gesprochen: Ein 41-jähriger Rabbiner wurde der Beihilfe zum Betrug für schuldig befunden

 26.05.2026

Nahost

USA greifen iranische Ziele an

Das US-Zentralkommando spricht von begrenzten Einsätzen, die »vorerst abgeschlossen« worden seien. Derweil warnt Außenminister Rubio das Teheraner Regime

 26.05.2026