NS-Zeit

Unternehmerfamilie Reimann gibt Millionen an Schoa-Überlebende

Holocaust-Überlebende in Jerusalem, die im Januar 2019 ihre Barmizwa nachholten. Foto: Flash 90

Die deutsche Unternehmerfamilie Reimann gibt zur Unterstützung von Holocaust-Überlebenden und zur »Entschädigung« für den Einsatz von Zwangsarbeiten in der Nazizeit eine Millionensumme aus. Fünf Millionen Euro gehen an die sich für Überlebende weltweit einsetzende Claims Conference.

Weitere fünf Millionen Euro sollen ausgegeben werden, um einstige Zwangsarbeiter zu finden und zu »entschädigen«, die das ehemalige Chemieunternehmen Benckiser einsetzte. Aus Benckiser ging Reimanns heutige Holding JAB hervor. Sie ist etwa 20 Milliarden Euro wert und an Unternehmen wie Krispy Kreme und Coty beteiligt.

LANDECKER Weitere 25 Millionen Euro jährlich werden laut JAB außerdem in Bildungsprogramme über den Holocaust und Demokratie fließen. Die Reimann-Familie rief dafür die Stiftung Alfred Landecker in Berlin ins Leben. Landecker war ein deutscher Jude, der von den Nazis getötet wurde und dessen Enkelkinder heute zusammen 45 Prozent der Anteile an JAB halten.

Laut Kamenetzky sind bislang 838 Menschen gefunden worden, die während des Kriegs zur Arbeit bei Benckiser gezwungen wurden.

Benckiser wurde von Albert Reimann senior und seinem Sohn, Albert Reimann junior, geleitet. Beide waren Mitglieder der NSDAP, sie starben 1954 beziehungsweise 1984. Reimann junior hatte drei Kinder mit Emilie Landecker, der katholisch getauften Tochter des Juden Alfred Landecker.

Als die Gestapo diesen 1942 deportierte, arbeitete Emilie bereits als Angestellte für Reimann junior und auch nach dem Krieg tat sie das. Irgendwann in dieser Zeit begannen sie eine Affäre; das erste der drei Kinder kam 1951. Reimann hatte keine Kinder mit seiner Frau und adoptierte die drei 1965. Zwei von ihnen gehören zu den vier JAB-Gesellschaftern, das dritte ist nicht beteiligt.

WECKRUF Sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, sei ein emotionaler Weckruf für die Familie gewesen, sagte David Kamenetzky in einem Telefoninterview der Nachrichtenagentur AP. Er ist der Verwaltungsratschef von JAB Investors sowie Vorsitzender des Alfred-Landecker-Stiftungsrates.

Im Laufe dieses Jahres hatte die Familie Details einer Untersuchung ihrer Nazi-Vergangenheit veröffentlicht. Den Erkenntnissen zufolge setzten Reimann senior und junior russische Zivilisten und französische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter ein. Schon früh waren sie Unterstützer der NSDAP und spendeten Geld an die SS, bevor Adolf Hitler an die Macht kam.

Die fünf Millionen Euro an die Organisation Claims Conference sind für deren Nothilfeprogramm für Holocaust-Überlebende in kurzfristigen finanziellen Krisen vorgesehen.

Laut Kamenetzky sind bislang 838 Menschen gefunden worden, die während des Kriegs zur Arbeit bei Benckiser gezwungen wurden. Keiner sei jüdisch gewesen oder aus Konzentrationslagern zu Benckiser geschickt worden. Nun solle festgestellt werden, wer von ihnen noch am Leben sei. Neben des Angebots einer finanziellen »Entschädigung« sollten sie gebeten werden, von ihren Erfahrungen zu erzählen. »Wir haben eine Verpflichtung, der Geschichte nachzugehen«, so Kamenetzky.

Die fünf Millionen Euro an die Organisation Claims Conference sind für deren Nothilfeprogramm für Holocaust-Überlebende in kurzfristigen finanziellen Krisen vorgesehen. Die Summe werde über die kommenden drei Jahre an 200 gemeinnützige Gruppen weitergegeben, sagte der Vizepräsident der Claims Conference, Greg Schneider.

Das Geld werde »eine riesige Auswirkung auf die Leben der ärmsten Holocaust-Überlebenden weltweit« haben. Die Organisation half in diesem Jahr rund 10 500 Überlebenden in 34 Ländern. Das zusätzliche Geld werde höhere Beihilfen oder Unterstützung für etwa 3000 weitere Überlebende ermöglichen.

Washington

Berichte: Iran bricht Kontakt mit US-Seite ab

Wenige Stunden vor Ablauf seines Ultimatums droht US-Präsident Trump dem Iran mit harschen Worten. Laut Berichten zieht Teheran daraus Konsequenzen

 07.04.2026

New York

Russland und China stimmen gegen UN-Resolution zur Straße von Hormus

Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran ist die Meerenge für die Handelsschifffahrt weitgehend blockiert. Eine UN-Resolution zur Entschärfung der Lage ist nun gescheitert

 07.04.2026

Washington

Trump: »Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen«

Mit Drohungen hat der US-Präsident bereits in den Tagen vor Ablauf seiner Frist versucht, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Nun legt er noch einmal nach

 07.04.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragter gegen »Kufiyas in Buchenwald«

Vor dem Gedenken an die Befreiung des früheren NS-Konzentrationslagers wird über angekündigten propalästinensischen Protest gestritten. Felix Klein solidarisiert sich mit der Gedenkstättenleitung

 07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Iran-Krieg

Medien: USA greifen Dutzende Ziele auf Ölinsel Charg an

Bereits Mitte März hat das US-Militär die Insel Charg im Persischen Golf bombardiert. Nun berichten US-Medien über neue Angriffe

 07.04.2026 Aktualisiert

Türkei

Schüsse vor Israels Konsulat in Istanbul – Ein Angreifer tot

Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul sind Schüsse gefallen. Einer von drei Angreifern wird nach offiziellen Angaben getötet. Was steckt dahinter?

 07.04.2026 Aktualisiert