Meinung

Unsere Sorgen bleiben

Alexis Tsipras ist am Sonntag wieder an die Macht zurückgekehrt. Seine Partei Syriza wird nach dem mit 35,4 Prozent der Stimmen erreichten überzeugenden Wahlsieg wohl ihr Bündnis mit der konservativen Partei »Unabhängige Griechen« und deren Vorsitzendem Panos Kammenos erneuern. Der konservativen »Neo Demokratia« blieb mit 28,1 Prozent das Nachsehen.

Drittstärkste Partei bleibt die Neonazi-Partei »Goldene Morgenröte« mit etwa sieben Prozent, im Januar waren es noch 6,3 Prozent. Deren Parteichef Nikos Michaloliakos erklärte, der Erfolg seiner Partei sei besonders bedeutsam, »da wir ein ganzes System gegen uns hatten«. Die Gewinne der Nazipartei fallen mitten in die anhaltenden Ermittlungen gegen die Goldene Morgenröte wegen krimineller Aktivitäten. Zudem waren die meisten Kandidaten der Partei praktisch von Fernsehauftritten ausgeschlossen, gegen einige war ein öffentliches Redeverbot verhängt, und dem Parteiführer Michaloliakos wird allgemein die politische Verantwortung für den Mord an der linksgerichteten Sängerin Fyssas im Jahr 2013 zugeschoben.

protestwähler Es stimmt also leider, was der Parteisprecher Ilias Kassidiaris angekündigt hatte: Die Goldene Morgenröte ist keine Partei der Protestwähler, sondern sie scheint sich zu etablieren. Sowohl Michaloliakos als auch Kassidiaris leugnen die Schoa und beschuldigen die Juden, sie seien die Verantwortlichen für die Wirtschaftskrise in Griechenland. Doch nicht nur der Erfolg der Goldenen Morgenröte ängstigt die jüdische Gemeinschaft Griechenlands. Auch Vassilis Leventis, der Chef der Union der Zentristen, die mit 3,4 Prozent ins Parlament einzieht, war wiederholt mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen. Er hatte etwa behauptet, dass »Jesus den Juden den Krebs gebracht hat, weil sie ihn gekreuzigt hatten«.

Es ist zu befürchten, dass die rechtsextremen Parteien weiterhin erstarken und die Drohungen gegen die Juden intensiver werden, wenn es nicht bald gelingt, das Problem der Flüchtlinge in den Griff zu bekommen. So ergeht also auch diese Forderung an die neue griechische Regierung: Sie muss alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um die alarmierende Ausbreitung von Rassismus und Antisemitismus in der griechischen Gesellschaft zurückzudrängen.

Der Autor ist Athener Korrespondent der israelischen Zeitung »Yedioth Ahronoth« und war Mitglied im Zentralrat der griechischen Juden.

Völkerrechtsdebatte

Bundestags-Experten sehen Iran-Krieg als Völkerrechtsverstoß

Wissenschaftler des Parlaments halten das für die »herrschende Ansicht« unter Experten. Sie gehen der Frage nach, ob Deutschland sich der Beihilfe zum Völkerrechtsbruch schuldig macht

 29.03.2026

Iran-Krieg

Golfstaaten melden weitere Angriffe

Auch die Golfstaaten sind weiterhin Ziel iranischer Angriffe. Allein die Emirate zählten mittlerweile die Abwehr von rund 2.000 Drohnen

 29.03.2026

Frankreich

Anschlagsversuch auf US-Bank: Verbindung zum Iran-Krieg?

Nach dem vereitelten Anschlag auf eine US-Bank in Paris laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Frankreichs Innenminister äußerte den Verdacht, dass der Anschlagsversuch mit dem Krieg im Nahen Osten zusammenhängen könnte

 29.03.2026

Iran-Krieg

Bereiten die USA eine Bodenoffensive vor?

US-Medien berichten über einen möglichen Einsatz von US-Bodentruppen. Teheran reagiert und droht »Bestrafung« an

 29.03.2026

Meinung

Deutsche Nahostpolitik: Es ist Zeit für einen Kurswechsel

Die wirtschaftliche Dynamik der Abraham-Abkommen ist längst sichtbar. Deutschland sollte diese Initiative nicht begleiten, sondern anführen, fordert der CEO von ELNET

von Carsten Ovens  29.03.2026

Iran-Krieg

Angriff auf Residenz von Kurden-Präsident im Nordirak

Eine Attacke trifft die Residenz von Kurden-Präsident Barsani im Irak. Die USA machen »Stellvertreter der iranischen Terror-Milizen im Irak« verantwortlich. Zuletzt hatte der Iran Angriffe auf die Kurdenregion für sich reklamiert

 29.03.2026

Extremismus

Genosse Judenhasser

Der »taz«-Journalist Nicholas Potter hat ein Buch über die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und Autoritarismus bei Teilen der Linken geschrieben. Ein Auszug

von Nicholas Potter  28.03.2026

Antisemitismus

Gysi, Bartsch und Ramelow kritisieren Antizionisten in eigener Partei

Bei der Linken gibt es einen Dauerkonflikt über die Haltung zu Israel. Nun melden sich drei Partei-Urgesteine zu Wort

 28.03.2026

Europäisches Parlament

»Auschwitz ist eine Fälschung«: Immunität aufgehoben

Der rechtsextreme Politiker Grzegorz Braun muss sich in gleich mehreren Strafverfahren vor Gericht verantworten, unter anderem wegen Holocaustleugnung

 27.03.2026