Neuseeland

»Unsere Gedanken sind bei euch«

Trauer nach den Anschlägen Foto: imago

Jüdische und israelische Organisationen haben mit Trauer und Entsetzen auf die brutale Gewalttat auf zwei Moscheen in Neuseeland reagiert. Bei dem Attentat am Freitag in Christchurch starben mindestens 49 Menschen. Die Regierung spricht von Terrorismus.

Mehrere Dutzend muslimische Gläubige mussten in der Stadt Christchurch mit teils schweren Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Als mutmaßlicher Haupttäter wurde ein 28-jähriger Australier festgenommen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte mit großer Trauer auf die Nachricht des Attentats – und sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus: »Der Zentralrat der Juden ist tief bestürzt, und wir trauern um die Opfer.«

Der World Jewish Congress zeigte sich ebenfalls fassungslos über den antimuslimischen Angriff. »Wir stehen heute, im Angesicht des Terrors, mit Neuseeland«, heißt es auf der Twitter-Seite Jüdischen Weltkongresses.

fanatismus Der Dachverband der jüdischen Organisationen in Frankreich (CRIF) teilte mit: »CRIF verurteilt die Angriffe auf zwei Moscheen in Christchurch. Dieser Mord ist Teil eines mörderischen und barbarischen Fanatismus, der in vielen Ländern am Werk ist und heute Neuseeland begräbt. Die jüdische Gemeinde Frankreichs zeigt ihre Solidarität mit den Familien der Opfer dieses Massakers.«

Das American Jewish Committee (AJC) Berlin twitterte: »Wir sind fassungslos angesichts der Nachrichten, die uns aus Neuseeland erreichen. Über 40 Menschen wurden aufgrund ihres Glaubens ermordet. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.«

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Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu drückte ebenfalls seine Trauer über die Angriffe aus. »Israel trauert angesichts des blindwütigen Mordes an unschuldigen Betenden in Christchurch und verurteilt den rücksichtslosen Terrorakt in Neuseeland«, schrieb Netanjahu bei Twitter.

Der amerikanische Politiker und Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Bernie Sanders, erklärte: »Unsere Gedanken sind bei den Opfern des schrecklichen Angriffs in Christchurch, Neuseeland. Niemand sollte wegen seiner Religion um sein Leben fürchten müssen. Wir müssen zusammenkommen, um alle Formen von Hass und Gewalt zu verurteilen, um eine Zukunft des Respekts und des Verständnisses aufzubauen.«

Der Chabad-Rabbiner von Neuseeland und Australien, Shmueli Feldman, sagte: »Wir sind tief betroffen über die sinnlosen Hetze und Morde, die heute in Moscheen in Christchurch stattgefunden haben. Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern, ihren Familien und Freunden in der muslimischen Gemeinschaft und darüber hinaus.«

sicherheitsvorkehrungen Viele Menschen in dem Pazifikstaat am anderen Ende der Welt reagierten geschockt. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern stufte die Attacken als Terrorismus ein. Sie sprach von einem der »dunkelsten Tage« in der Geschichte des Landes. Aus Sorge vor weiteren Angriffen wurden die Sicherheitsvorkehrungen vor anderen Moscheen verschärft.

Zur Zeit des Freitagsgebets drang ein Mann in die Moschee ein und schoss um sich.

Der Angriff hatte gegen 13.45 Uhr (1.45 Uhr MEZ) in der Al-Nur-Moschee begonnen, die in der Innenstadt liegt. Zur Zeit des Freitagsgebets drang ein bewaffneter Mann in die Moschee ein und schoss mit einer Schnellfeuerwaffe um sich. In dem Gebäude hielten sich nach Augenzeugenberichten etwa 300 Menschen auf. Auf seinem Kopf trug der Mann eine Helmkamera. Die Bilder waren dann auch längere Zeit im Internet zu sehen. Die Polizei fand in dem Gotteshaus und davor insgesamt 41 Leichen.

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polizei Einige Zeit später fielen in einer anderen Moschee in Christchurch Schüsse, etwa sechs Kilometer entfernt. Dabei gab es nach Angaben der Polizei mindestens sieben Tote. Ein Verletzter starb später im Krankenhaus. Die Polizei wollte sich nicht näher dazu äußern, ob die Tat in der zweiten Moschee ebenfalls auf das Konto des Australiers geht.

Der mutmaßliche Haupttäter wurde später von Beamten in seinem Auto gestoppt. Er soll am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Zwei weitere Verdächtige, die ebenfalls im Besitz von Schusswaffen waren, wurden festgenommen. Eine vierte Person kam wieder auf freien Fuß. Nach Polizeiangaben wurden auch Sprengsätze entdeckt.

Aus Angst vor weiteren Angriffen blieben Schulen und andere öffentliche Gebäude in der Stadt stundenlang verriegelt. Die Polizei appellierte an die Bevölkerung – insbesondere an Muslime –, zu Hause zu bleiben. Ein Sprecher sagte: »Unter keinen Umständen sollte irgendjemand im Land jetzt zu einer Moschee gehen.« Erst am Abend (Ortszeit) entspannte sich die Lage wieder.

»manifest« Australiens Premierminister Scott Morrison bestätigte, dass einer der Verdächtigen Australier ist. Er sprach von einem »rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen«. Im Internet kursiert auch ein 74-seitiges »Manifest«, das von dem mutmaßlichen Täter stammen soll. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht dazu, ob sie es für echt hält.

In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens.

In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Viele der etwa 50.000 Muslime sind Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Größte Religionsgruppe in Neuseeland ist das Christentum.

Die Stadt Christchurch hat mehr als 350.000 Einwohner und liegt auf der Südinsel des Pazifikstaats. Bürgermeisterin Lianne Dalziel sagte: »Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann.«  ja/dpa

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