Bei einer Sitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen anlässlich des Holocaust-Gedenktages hat die 91-jährige Holocaust-Überlebende Sara Weinstein erstmals in der Geschichte des Gremiums eine Rede auf Hebräisch gehalten. Begleitet von ihren Töchtern und Enkelinnen erzählte sie ihre Lebensgeschichte, nachdem sie ihre Ansprache zunächst auf Englisch begonnen hatte.
»Zum ersten Mal wurde hier ein Zeugnis auf Hebräisch gehört. Schweigen angesichts von Antisemitismus ist ein moralisches Versagen«, betonte Israels UN-Botschafter Danny Danon im Anschluss an die Rede.
Weinstein, geboren in Polen, berichtete von ihrem Leben vor dem Zweiten Weltkrieg, von ihren Eltern, Geschwistern, ihrer Großmutter und dem Haus am Fluss, in dem sie aufwuchs. »Ich erinnere mich nicht mehr an das Gesicht meiner Mutter oder meiner Großmutter«, sagte sie und beschrieb, wie wenig von dieser Zeit geblieben sei.
Aus dem Ghetto geschmuggelt
Die Überlebende schilderte auch, wie sie von einer nicht-jüdischen ukrainischen Familie aus dem Ghetto geschmuggelt wurde. »Jeder Ukrainer wusste, dass man sterben würde, wenn man Juden half«, erklärte sie. Ihre Familie wurde schließlich entdeckt, als Dorfbewohner bemerkten, dass die Familie, die sie versteckte, mehr Lebensmittel einkaufte, als sie benötigte.
»Die Dorfbewohner fanden das Haus, erschossen die nicht-jüdischen Beschützer und dann meine Familie und verbrannten das Haus«, berichtete Weinstein. Sie überlebte, weil sich ihre Mutter schützend über sie legte und die Kugeln abfing. Danach lebte sie mit ihrem Vater und zwei Schwestern, den einzigen Überlebenden ihrer Familie, in einem nahegelegenen Wald. »Am Tag des Kriegsendes wurde mein Vater von Dorfbewohnern getötet. Meine Schwestern und ich blieben allein zurück«, sagte sie.
Nach Stationen in mehreren Waisenhäusern kam Weinstein schließlich in einen Kibbuz in Israel, wo sie ein Zuhause gründete, heiratete, Kinder, Enkel und später Urenkel bekam. »Der Holocaust begann nicht mit den Gaskammern. Er begann mit Worten, Hetze, Propaganda, Witzen, Anschuldigungen und Gleichgültigkeit. Und heute sehe ich ihn wieder: Antisemitismus erhebt sein Haupt, Juden werden angegriffen, während die Welt schweigt«, schloss sie ihre Rede.
Antisemitische Lügen
Danon nutzte die Gedenkveranstaltung ebenfalls, um zu mahnen: »Wir gedenken der sechs Millionen, aber heute reicht Erinnerung allein nicht. Während wir hier stehen, werden Juden angegriffen, und Hass breitet sich aus. ›Nie wieder‹ darf kein Slogan bleiben, es muss Handeln folgen. Jetzt.«
Er fügte hinzu: »Wenn antisemitische Lügen in den Hallen der UN erzählt werden, erhalten sie ein offizielles Siegel und verwandeln sich in Gewalt auf den Straßen. Das ist keine Meinungsfreiheit, das ist Antisemitismus.«
Seine Kritik an der UNO kommt nicht von ungefähr. Sowohl die Vollversammlung (UNGA) als auch der UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) verabschieden seit Jahren mehr Resolutionen gegen Israel als gegen alle anderen Staaten der Welt zusammen. im