Nahost-Konflikt

Uni Jena lädt umstrittenen Publizisten Hoban wieder aus

Friedrich-Schiller-Universität Jena Foto: picture alliance/dpa

Der für Mittwochabend geplante Vortrag des Islamwissenschaftlers Michael Lüders an der Friedrich-Schiller-Universität Jena wird um zwei Wochen verschoben.

Die Veranstaltung werde in Absprache zwischen Universitätspräsidium und dem politikwissenschaftlichen Institut zudem im didaktischen und fachlichen Kontext verändert, sagte eine Hochschulsprecherin am Dienstag. Die Raumzusage für den am 28. Januar geplanten Vortrag des umstrittenen Publizisten Wieland Hoban habe die Universität dagegen zurückgezogen. Der Vortrag finde nicht statt.

Der Entscheidung vorausgegangen waren laut Universitätsleitung Gespräche mit Lehrenden, Studierenden und dem Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender. Deren Kritik an der Auswahl der Vortragenden der Veranstaltungsreihe zum Nahost-Konflikt »Frieden denken in Zeiten des Krieges« am Institut für Politikwissenschaften hatte das Präsidium zur Prüfung veranlasst. Dabei seien Stimmen aus der Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft, Psychologie und Geschichte gehört worden.

Kontroverse auch unter Studierenden

Auch unter Studierenden wurde über die Einladungen intensiv diskutiert. Früh hatte etwa der Vorsitzende der Liberalen Hochschulgruppe, Nikolai Demisch, die Absage der beiden Veranstaltungen gefordert. Extremisten und Antisemiten dürften keinen Platz an der Uni einnehmen, erklärte Demisch. Auf Anfrage zeigte er sich am Dienstag mit der Entscheidung der Universität insoweit zufrieden, als dass die Universität das Problem erkannt habe.

Allerdings sei es bedauerlich, dass der Vortrag von Michael Lüders nur verschoben worden sei. »Pseudowissenschaftlichen Vorträgen« sollte kein Platz an einer Universität eingeräumt werden, sagte Demisch.

Studierende etwa des Politikwissenschaftlichen Instituts setzten sich dagegen für die geplanten Vorträge ein. In einem Schreiben an das Universitätspräsidium betonten sie die Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit sowie einer kritischen und kontroversen Auseinandersetzung im Rahmen ihrer Seminare. Sie hätten sich im Rahmen der Lehrveranstaltungen intensiv, differenziert und stets sachlich mit dem Nahost-Konflikt auseinandergesetzt. »Auch wir verurteilen Antisemitismus aufs Schärfste und sind deswegen davon überzeugt, dass wir die Komplexität von Debatten an der Uni diskutieren sollten«, heißt es in der Stellungnahme.

An Einstufung des Verfassungsschutzes gebunden

Maßgebliche Grundlage der Entscheidung, insbesondere der Ausladung Wieland Hobans, ist den Angaben der Universitätsleitung zufolge, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz den Verein »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« als gesichert extremistische Bestrebung eingestuft hat. Hoban ist Vorstandsvorsitzender des Vereins.

Die Universität Jena sei als Körperschaft des öffentlichen Rechts zur Wahrung der freiheitlich-demokratischen Verfassung verpflichtet.

Daher sehe sie sich an diese aktuell bestehende Einstufung des Verfassungsschutzes gebunden. Die Universität bekannte sich zugleich ausdrücklich zur Wissenschaftsfreiheit, zur offenen Debattenkultur und zum Schutz vor Antisemitismus und Diskriminierung. Diese Prinzipien bildeten den Maßstab für alle Entscheidungen.

Brüssel

EU legt Mitgliedstaaten Konzept für Libanon-Einsatz vor

Die Mission soll die libanesische Polizei und Armee stärken. Stimmen Deutschland und die anderen Mitgliedstaaten zu?

 25.06.2026

Neuer Vorstand

Cerstin Richter-Kotowski übernimmt Vorsitz der DIG Berlin und Brandenburg

Die 64-jährige Juristin und Staatssekretärin löst Jochen Feilcke ab. Sie wurde mit großer Mehrheit in das Amt gewählt

 25.06.2026

Umfrage

Relative Mehrheit der Amerikaner hält US-Unterstützung für Israel für zu stark

Bei dieser Frage sind die Unterschiede zwischen den politischen Lagern groß

 25.06.2026

Magdeburg

AfD-Politiker Reichardt wegen Hitlergruß in Kritik

Der sachsen-anhaltinische AfD-Chef bestreitet den Vorwurf. Zwei Augenzeugen bleiben bei ihrer Darstellung

 25.06.2026

Kolumbien

Knapper Wahlsieg, dramatischer Kurswechsel?

Der knapp zum kolumbianischen Präsidenten gewählte Abelardo de la Espriella will die Beziehungen zu Israel kitten - doch de la Espriella ist wie sein Vorgänger Gustavo Petro sehr umstritten

von Michael Thaidigsmann  24.06.2026

Berlin

Mahnmal für ermordete Zeugen Jehovas eingeweiht

Eine bronzene Stele am Goldfischteich im Tiergarten soll an die 15.000 Frauen und Männer erinnern, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden

von Linn Manegold  24.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  24.06.2026

Kontrolle

IAEA-Chef: Inspektionen im Iran werden kommen

Der Chef der UN-Atomwächter stellt klar: Die Überwachung von Atomanlagen ist Teil des US-iranischen Rahmenabkommens. Doch wann und wie IAEA-Fachleute im Iran tätig werden, bleibt vorerst unklar

 24.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  24.06.2026