Einspruch

Ungarn, Polen, Österreich

Karl Pfeifer Foto: Miryam Gümbel

Der Wahlsonntag brachte in Österreich einen durchschlagenden Erfolg des Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer von der FPÖ. Die Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP hatten gedacht, sie könnten noch lange regieren, wenn sie die Politik der FPÖ zum Teil verwirklichen. Sozialisten und Konservative brachten es gemeinsam nicht einmal auf ein Viertel der Stimmen. Ihre Kandidaten für das höchste Amt scheiterten.

Doch auch nach der katastrophalen Niederlage wollen SPÖ und ÖVP weitermachen wie bisher. Im Wahlkampf hatten sie nicht politisch gegen die fremdenfeindliche und europafeindliche Linie der FPÖ argumentiert. Für die meisten von ihnen hat das Aussitzen Priorität – bis zur Erreichung des höchsten Pensionsanspruches.

Einige ausländische Kommentatoren sehen derweil schon eine Wiedergeburt des Nationalsozialismus in Österreich am Horizont. Doch damit schaffen sie nur eine Steilvorlage für die FPÖ. Auch wenn Norbert Hofer bei der zweiten Runde am 22. Mai gewinnen würde, hätte das zunächst keine Auswirkungen auf die Demokratie.

persilschein Gleichwohl müssen einige von Hofers Ansagen alarmieren. Auch wenn der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache jüngst versucht hat, aus Israel einen Persilschein zu bekommen, darf man sich nicht in dieser Partei täuschen. Mit Anzeigen finanziert die FPÖ etwa die rechtsextreme, geschichtsrevisionistische und antisemitische Zeitschrift »Aula«, und der Kern der Partei, der aus dem burschenschaftlichen Milieu stammt, bleibt rechtsextrem.

Sollte Hofer zum Staatsoberhaupt gewählt werden, bedeutet das, dass sich außer Ungarn und Polen noch ein mitteleuropäischer Staat in Richtung einer »illiberalen Demokratie« bewegt. Das könnte schwerwiegende Folgen auch für Deutschland haben.

In Österreich gibt es eine funktionierende Zivilgesellschaft, von der man jetzt mit Recht erwartet, in dieser Krisensituation eindeutig für den demokratischen Kandidaten Alexander Van der Bellen einzutreten.

Der Autor ist Schoa-Überlebender und Journalist in Wien.

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026