New York

UN-Sicherheitsrat billigt Trumps Gaza-Plan

Der Sicherheitsrat gibt grünes Licht für den amerikanischen Plan für Gaza. Foto: picture alliance / Anadolu

Der UN-Sicherheitsrat hat in New York Donald Trumps Konzept für eine Stabilisierung des Gazastreifens angenommen. Die Resolution erhielt 13 Stimmen, Russland und China enthielten sich. Dies ist ein diplomatischer Durchbruch, nachdem in den vergangenen zwei Jahren fast jede Initiative an Vetos oder politischen Blockaden gescheitert war.

Kern des Beschlusses ist der Aufbau einer Internationalen Stabilisierungstruppe (ISF), die grundlegende Sicherheit herstellen soll. Gleichzeitig enthält der Text eine vage formulierte Perspektive auf palästinensische Staatlichkeit – ein Punkt, der innerhalb der Region ebenso umstritten ist wie in Jerusalem.

Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, sprach von einem Beschluss, der »einen neuen Kurs im Nahen Osten für Israelis und Palästinenser und alle Menschen in der Region gleichermaßen« eröffnen solle. Die Aufnahmen aus dem Sitzungssaal zeigten ungewöhnlich wenig Widerspruch – ein Hinweis auf den massiven diplomatischen Druck, den Washington im Vorfeld ausgeübt hatte. Der Passus zur palästinensischen Staatlichkeit gilt als Preis, den die USA für die Unterstützung arabischer und muslimisch geprägter Staaten zahlen mussten.

Bewusst unklar

Diese Staaten sollen später den Kern der Stabilisierungstruppe stellen. Bereits im Vorfeld hatten Regierungen der Golfstaaten, Ägyptens und Jordaniens signalisiert, dass sie ihre Kontingente nicht in ein mögliches Gefecht mit Hamas schicken wollen.

Unmittelbar vor dem Votum hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Linie seiner Regierung erneut erklärt: »Unsere Opposition zu einem palästinensischen Staat auf irgendeinem Territorium hat sich nicht geändert.« Schon der Entwurf des Textes hatte für Unruhe in seiner Koalition gesorgt, besonders bei den extrem rechten Partnern. Nach deren heftigem Protest distanzierte sich Netanjahu sichtbar vom Kompromiss, auch wenn er ihn zuvor gegenüber Washington offenbar zähneknirschend akzeptiert hatte.

Die Formulierung zur palästinensischen Selbstbestimmung bleibt bewusst unklar. Sie verweist lediglich darauf, dass nach Reformen innerhalb der Palästinensischen Autonomiebehörde und einem ersten Wiederaufbau des Gazastreifens »die Bedingungen möglicherweise endlich gegeben sein könnten für einen glaubwürdigen Weg zur palästinensischen Selbstbestimmung und Staatlichkeit«.

Lesen Sie auch

Kompromiss akzeptiert

Arabische Staaten und europäische Ratsmitglieder hatten auf eine deutlich verbindlichere Zusage gedrängt, akzeptierten jedoch am Ende den Kompromiss, um die humanitäre Lage in Gaza zu verbessern und die aktuell brüchige Waffenruhe zu stützen.

Der algerische UN-Botschafter Amar Bendjama betonte in seiner Erklärung die Bedeutung des Anhangs zur Resolution, der seiner Darstellung nach palästinensische Rechte klar festschreibt. »Es bestätigt eindeutig: keine Annexion, keine Besatzung, keine erzwungene Vertreibung.« Allerdings gibt es weder Pläne für eine Annexion Gazas, noch für eine »erzwungene Vertreibung«.

Die Resolution sieht einen sogenannten »Board of Peace« vor, ein Gremium unter Vorsitz Trumps, dessen genaue Zusammensetzung und Rolle jedoch unklar bleibt. Dieses Gremium soll die Umsetzung überwachen, ist aber weder an Entscheidungen der UN noch der Palästinensischen Autonomiebehörde gebunden.

Hamas-Terroristen lehnen alles ab

Zusätzlich soll ein palästinensisches, technokratisches Komitee geschaffen werden, das Verwaltung und Dienstleistungen im Gazastreifen organisieren soll. Bislang ist völlig offen, wer diesem Gremium angehören könnte und wie es gegenüber bestehenden palästinensischen Strukturen legitimiert wird.

Die Hamas reagierte scharf und wies jede internationale Rolle im Gazastreifen zurück. In einer Erklärung hieß es, die Resolution errichte ein »internationales Vormundschaftsregime«, das die Bevölkerung ablehne. Zugleich stellte die Terrororganisation klar, dass sie ihre Waffen nicht niederlegen werde – ein direkter Angriff auf den Kern des Mandats der Stabilisierungstruppe. Damit bleibt offen, ob überhaupt ein Staat Truppen entsendet, wenn diese absehbar mit Hamas kollidieren könnten.

Donald Trump begrüßte das Ergebnis unmittelbar nach der Abstimmung. Es sei »ein Moment wahrhaft historischen Ausmaßes«, schrieb er in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social. Weitere Details zum »Board of Peace« sollten in den kommenden Wochen folgen. im

Naher Osten

Erneut iranische Angriffe auf Golfstaaten

Aus Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar werden Attacken des iranischen Regimes gemeldet. Offiziell gilt eine Waffenruhe in dem Konflikt

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Teheran

Iran droht USA im Falle von weiteren Angriffen mit Vergeltung

Das Mullah-Regime warnt die USA vor weiteren Attacken auf Handelsschiffe. Ob mittlerweile die von US-Präsident Trump erwartete Antwort aus Teheran auf den Friedensvorschlag eingegangen ist, ist nicht bekannt

 10.05.2026

Moskua

Russland will Uran aus dem Iran einlagern

Kremlchef Putin erklärt, dass Russland bereit sei, angereichertes Uran aus dem Iran einzulagern. Ob die USA dem Vorschlag zustimmen werden, ist offen

 10.05.2026

Washington

Rubio: Erwarten heute eine Antwort aus dem Iran

Während sich die Spannungen zwischen dem Iran und den USA zuletzt zugespitzt haben, setzen die USA weiter auf eine Verhandlungslösung mit Teheran. Nun äußert sich der US-Außenminister dazu

 08.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Andenken

Vier Schulen und mehrere Plätze nach Margot Friedländer benannt

Vor einem Jahr - am 9. Mai - starb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit 103 Jahren. Für viele war sie ein Vorbild. Inzwischen tragen immer mehr Schulen, Straßen und Plätze ihren Namen. Eine Übersicht

von Karin Wollschläger  08.05.2026

Essay

Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

von Andreas Albrecht  08.05.2026