Vereinte Nationen

UN-Gremium billigt zweiten israelischen Antrag in 73 Jahren

Gilad Erdan Foto: UN Photo/Loey Felipe

Das gab es in der Geschichte der Vereinten Nationen zuvor nur einmal, 2005, als der 27. Januar als Internationaler Holocaust-Gedenktag in den Kalender der Weltorganisation aufgenommen wurde.

Doch am Donnerstag stimmte die UN-Vollversammlung in New York erneut einem von Israel ausgearbeiteten Resolutionsentwurf zu. Darin wird nicht nur – auf den Tag 80 Jahre nach der Wannseekonferenz in Berlin am 20. Januar 1942 - die Leugnung der Schoa verurteilt. Das oberste UN-Gremium forderte in dem Beschluss zudem konkrete Schritte der Betreiber sozialer Netzwerke beim Kampf gegen die Verharmlosung des Massenmordes der Nationalsozialisten an den europäischen Juden.

IRAN Die schlussendlich von 141 Ländern, darunter auch Deutschland, eingebrachte Resolution A/76/L30 wurde nur vom Iran abgelehnt. Dessen UN-Vertreter verstieg sich sogar zu der Behauptung, Israel schlachte »das Leiden des jüdischen Volkes in der Vergangenheit« für seine angeblichen Verbrechen gegen Länder im Nahen Osten »in den vergangenen sieben Jahrzehnten« aus.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Da Teheran jedoch mit der Zahlung seiner Mitgliedsbeiträge an die UN in Verzug ist, wurden dem Iran einige Abstimmungsrechte entzogen. Das hatte zur Folge, dass die iranische Delegation keine förmliche Abstimmung über die israelische Resolution beantragen konnte – sie wurde vielmehr im Konsens beschlossen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Entschließung des obersten UN-Gremiums stützt sich auf die 2016 beschlossene Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) zum Antisemitismus, die auch in Deutschland und vielen anderen Staaten angewandt wird. Neben einer Begriffsbestimmung enthält sie auch Vorschläge für konkrete Maßnahmen, die UN-Mitgliedsstaaten ergreifen sollen, um die teilweise oder völlige Leugnung der Schoa zu bekämpfen.

EMPFEHLUNGEN So werden die Betreiber sozialer Netzwerke aufgefordert, »aktive Maßnahmen zu ergreifen, um Antisemitismus und Holocaust-Leugnung oder -Verfälschung mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien zu bekämpfen und die Meldung solcher Inhalte zu erleichtern«.

Ferner bat das UN-Gremium, in dem alle Mitgliedsstaaten vertreten sind, die verschiedenen Einrichtungen innerhalb der Vereinten Nationen »auch weiterhin Programme zu entwickeln und durchzuführen, die darauf abzielen, der Leugnung und Verzerrung des Holocaust entgegenzuwirken, und Maßnahmen zur Mobilisierung der Zivilgesellschaft voranzutreiben«. Alle einschlägigen Akteure, einschließlich der Staaten, der Parlamente, des Privatsektors und der Wissenschaft, müssten »ihre Gesellschaften wahrheitsgemäß über die Fakten des Holocaust und die Bedeutung seiner Lehren aufzuklären, um […] künftige Akte von Völkermord zu verhindern«.

»Nachdrücklich« werden die UN-Mitgliedsstaaten aufgefordert, die Lehren aus dem Mord an sechs Millionen Juden auch künftigen Generationen zu vermitteln.

Israels UN-Botschafter Gilad Erdan sagte beim Einbringen der Entschließung, die Leugnung des Holocaust breite sich »wie ein Krebsgeschwür« immer weiter aus. Viele Menschen hätten beschlossen, »sich der Verantwortung zu entziehen«. Die Zahl der Schoa-Überlebenden, die noch aus eigener Hand berichten könnten, werde immer kleiner.  Gleichzeitig, so Erdan, »werden die jüngeren Generationen in den sozialen Medien indoktriniert, an der Realität zu zweifeln«. Die Plattformbetreiber drückten sich vor ihrer Verantwortung.

VERPFLICHTUNG » ‚Wir sind doch nur Dienstleister‘, sagen uns die Manager. Wir kennen diese Worte. Wir haben sie schon einmal gehört. Wenn man sich vor der Verantwortung drückt, wächst das Böse. [...] Die Social-Media-Giganten können sich nicht länger mit dem Hass zufrieden geben, der sich auf ihren Plattformen ausbreitet«, so der UN-Gesandte, der in der Netanjahu-Regierung einen Ministerposten inne hatte.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Erdan bezeichnete die Annahme der Resolution als seine »wichtigste Initiative« als UN-Botschafter. »Nicht nur, weil ich einen jüdischen Staat vertrete. Nicht nur, weil ich Jude bin. Sondern auch, weil ich Enkel von Holocaust-Überlebenden bin.« Fünf Überlebende sowie den Vorstandschef von Pfizer, Albert Bourla, Sohn von Schoa-Überlebenden, hatte Erdan eingeladen, die Aussprache in New York von der Besuchertribüne aus zu verfolgen.

Auch die UN-Botschafterinnen Deutschlands und der USA, Antje Leendertse und Linda Thomas-Greenfield, begrüßten die Resolution zum Erinnern an den Holocaust. »Wir sind uns bewusst, dass wir in dieser Hinsicht eine besondere Verpflichtung haben«, sagte Leendertse. Thomas-Greenfield sagte, der Beschluss bekräftige »die Werte und Prinzipien, die der Gründung der Vereinten Nationen zugrunde liegen«.

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Nach einer neuen Erklärung der Linken-Fraktion stoppten SPD und Grüne die laufenden Gespräche. Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr fordert: Linke muss sich erklären

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026

Berlin

Julia Klöckner: AfD-Verbotsverfahren nicht »aus dem Bauch heraus starten«

Die CDU-Bundestagspräsidentin warnt davor, die Rechtsaußen-Partei zum »Märtyrer« zu machen

 14.10.2026

Unterbrochene Sondierungen

Berliner CDU an Grüne und SPD: »Hand ist ausgestreckt«

Die Regierungsbildung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin stockt. Nach der überraschenden Unterbrechung der Sondierungen meldet sich ein Wahlverlierer zu Wort

 14.10.2026

Ernennung

Zentralrat und Grüne loben neue Antisemitismusbeauftragte

Katharina von Schnurbein soll neue Antisemitismusbeauftragte des Bundes werden. Der Zentralrat der Juden reagiert sehr positiv

von Christoph Arens  14.10.2026

Berlin

Streit um Antisemitismus: SPD und Grüne unterbrechen Sondierungsgespräche

Die Linke will eine rot-grün-rote Koalition in der Hauptstadt schmieden. Doch Grüne und SPD setzen erstmal ein Stoppschild. Auslöser ist der Umgang der Linken mit dem Thema Antisemitismus

 13.10.2026

Kontinuität

Bundesratsinitiative für EU-Forschungskooperation mit Israel

Drei Bundesländer wollen die weitere Beteiligung Israels am EU-Forschungsrahmenprogramm sicherstellen. Dazu wird jetzt eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht

 13.10.2026

Kommentar

Der geplatzte Testballon von Halle

Die AfD wird weiterhin versuchen, sich als ganz normale Partei zu inszenieren, wenn es um jüdisches Leben geht. Ein Angriffsziel bleibt es trotzdem. Deswegen müssen wir achtsamer werden, wenn die Angriffe subtiler werden

von Igor Matviyets  13.10.2026