Gefangenenaustausch

Umarmungen für Gershkovich – Orden für den sogenannten Tiergartenmörder

Endlich frei: US-Journalist Evan Gershkovich begrüßt seine Mutter am Flughafen in den USA. Neben ihnen steht US-Präsident Joe Biden. Foto: picture alliance / Anadolu

Freudenschreie waren zu hören, als am Donnerstagabend Evan Gershkovich, der Ex-Marine Paul Whelan und die russische Journalistin Alsu Kurmasheva auf dem US-Flughafen Andrews nahe Washington aus dem Flieger stiegen. Präsident Joe Biden und Vize Kamala Harris durften Gershkovich als erste umarmen, dann ging der Journalist zu seiner Familie und seinen Kollegen.

Er sei froh, dass auch Russen unter den Freigelassenen seien, zitieren internationale Medien den 32-Jährigen, der vor 16 Monaten verhaftet worden war, ausgerechnet als er zu Russlands Geiselstrategie zwecks Freipressung von Gefangenen recherchierte, und selbst zum Faustpfand wurde.

Lesen Sie auch

Unter den 16 Amerikanern, Russen und Deutschen, die Russland gehen ließ, seien »hartgesottene Dissidenten, die Vergiftungen und Hungerstreiks« überlebten, und »gewöhnliche Amerikaner, die sich plötzlich als Verhandlungsmasse in einem jahrelangen geopolitischen Tauziehen mit Wladimir Putin wiederfanden«, schreibt das »Wall Street Journal«, für das Gershkovich arbeitet.

Der Preis ihrer Freiheit war seit Jahren klar: Putin wollte Wadim Krassikow freipressen, seitdem der sogenannte Tiergartenmörder nach dem Mord an einem tschetschenischen Exilanten am Tag mitten in Berlin 2019 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Darüber, warum Putin Krassikow unbedingt »zurückhaben« wollte, ranken sich verschiedene Gerüchte, die von besonderem Wissen aus seiner Zeit als Putins Leibwächter bis zur Ausführung von Auftragsmorden auf dessen Befehl reichen.

Treibende Kraft: Ella Gershkovich

Am Donnerstag fand ein jahrelang eingefädelter Deal seinen Schlusspunkt, in dem Gershkovich Mutter Ella offensichtlich eine ebenso treibende Kraft war wie Putin selbst. Neben Krassikow wurden weitere sieben Russen aus den USA, Norwegen, Slowenien und Polen nach Moskau geschickt, darunter auch mehrere Spione.

Bei der Ankunft am Regierungsterminal des Flughafen Wnukowo wurden sie von Putin persönlich begrüßt. Die Präsidentengarde stand Spalier und auch die Geheimdienstchefs Alexander Bortnikow und Sergej Naryschkin sowie Verteidigungsminister Andrej Beloussow waren anwesend.

Putin begrüßte Krassikow mit einer kurzen Umarmung, was, wie wir seit Spielbergs »The Bridge of Spies« wissen, ein gutes Zeichen für den verurteilten Mörder ist. Russlands Präsident versprach allen Rückkehrern zudem staatliche Auszeichnungen. »Ich werde Sie wiedersehen, und wir werden über ihre Zukunft sprechen«, zitiert »Welt« Putin.

Interviewanfrage an Putin 

Gershkovich, der als erster ausländischer Reporter in Russland seit Ende des Kalten Krieges wegen Spionage verurteilt wurde, war 23 Stunden am Tag in Einzelhaft in einer knapp 3 mal 3,5 Meter großen Zelle im berüchtigten Stalin-Gefängnis Lefortowo außerhalb Moskaus gefangen gehalten worden.

Bei seiner Entlassung, so berichtet das »Wall Street Journal«, musste er unter anderem ein offizielles Gnadengesuch an Präsident Putin unterzeichnen. Der Standardausdruck habe ein leeres Feld enthalten, in das der Gefangene einen Wunsch an den Präsidenten richten sollte. Gershkovich habe höflich angefragt, ob Putin nach seiner Freilassung zu einem Interview bereit sei.

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026

Handel

Schiffsverkehr in Straße von Hormus normalisiert sich

Seit Monaten stecken Schiffe in der wichtigen Meerenge am Persischen Golf fest. Jetzt zeigen erste Auswertungen, dass sich der Verkehr normalisiert. Aber was war mit der Gefahr vor Seeminen?

 25.06.2026

Nahost

Oman: Keine Gebühren an der Straße von Hormus geplant

Aus Sicht der USA kann der Iran für die Passage der Straße von Hormus keine See-Maut verlangen – weder in den Verhandlungen über 60 Tage noch danach. Auch Maskat äußert sich in diese Richtung

 25.06.2026

Gutachten

Chancen für AfD-Verbotsantrag stehen gut

Eine Gruppe von Experten hat das Grundsatzprogramm der AfD, ihre Wahlprogramme und die Parlamentsanträge analysiert. Auch Äußerungen von Funktionären wurden für das Gutachten ausgewertet

 25.06.2026

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  25.06.2026

Brüssel

EU legt Mitgliedstaaten Konzept für Libanon-Einsatz vor

Die Mission soll die libanesische Polizei und Armee stärken. Stimmen Deutschland und die anderen Mitgliedstaaten zu?

 25.06.2026