Einspruch

Tweet ohne Israel

Boykott-Aktionen, Gaza-Flotten, Demos und Kolumnen: Die sogenannte »Israelkritik« kennt mittlerweile viele Werkzeuge. Der Rapper und Bambi-Preisträger Bushido hingegen hat nun die einfachste Methode gewählt. Wer wissen will, wie er es mit Israel hält, muss nur seinen Twitter-Account besuchen. Dort nämlich nutzt er eine Landkarte als Profilbild. Genauer: eine mit »Free Palestine« betitelte Nahostkarte, auf der man kein Israel, dafür aber einen Palästinenserstaat vom Jordan bis zum Mittelmeer ausmachen kann. Ganz so, wie es auch der Hamas genehm wäre.

Zugegeben: Ein »I love Israel«-Logo hätte an dieser Stelle wohl niemand erwartet. Wer es sich zum Beruf gemacht hat, die »Vergasung von Tunten« und Gewalt gegen Frauen zu besingen, beweist mit solchen Nahost-Bekenntnissen eine gewisse Geradlinigkeit. Bushidos Twitter-Statement rundet sein ohnehin schon antidemokratisches Weltbild daher ab.

ins meer treiben Wo Homosexuelle und freie Frauen keinen Platz haben, da dürfen auch Juden keine Wohltaten erwarten – was ein Blick in Richtung Gaza beweist. Kein Wunder also, dass ihm eine Welt ohne Israel wohl lieber wäre. Leben dort doch all jene in Freiheit, die er in seinen Songs gerne vergast oder verprügelt sähe und auf Twitter zumindest bildlich ins Meer treibt.

Selbst Ruprecht Polenz (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, wurde deutlich. Er hält es für skandalös, dass »ein deutscher Musiker, der ja eine Menge Menschen erreicht, in dieser Weise das Existenzrecht Israels infrage stellt«, verrät jedoch nicht, ob es in »anderer Weise« salonfähiger gewesen wäre.

Auf Twitter hat Bushido schon neue Freunde gefunden. Dort empfahl er jüngst ein antisemitisch gefärbtes Pamphlet des Ex-RBB-Moderators Ken Jebsen, der sich – Überraschung! – umgehend mit dem Rapper solidarisierte. Ihn künftig dieser Klientel zu überlassen statt ihn mit Integrationspreisen zu dekorieren, wäre nicht gerade die schlechteste Idee.

Die Autorin ist Politikwissenschaftlerin und freie Journalistin.

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