Meinung

Tatort »Tatort«

Beim Norddeutschen Rundfunk herrscht Empörung. Aber nicht, weil eine Szene des jüngsten Til-Schweiger-»Tatorts« mit einem Song des antisemitischen Rüpel-Rappers »Haftbefehl« garniert wurde – nein, verstimmt ist man, dass sich Juden daran stören. »Aus dem verwendeten Ausschnitt kann man in keiner Weise auf eine auch nur annähernd antisemitische Aussage schließen«, wird NDR-Sprecher Ralf Pleßmann in »Bild am Sonntag« zitiert. Und dem Bremer »Weser-Kurier« sagt Christian Granderath, Chef der Abteilung Fernsehspiel: »Es gibt keinerlei antisemitische Aussagen in dem ›Tatort‹ mit Til Schweiger.«

teppichhändler Stimmt genau. Die wurden ja auch ausgeblendet. Und genau das ist der Skandal. Man wusste ganz genau, was man tat beim NDR, als man »Haftbefehl« auswählte. Aykut Anhan, so heißt das Bürschchen, checkt in Hotels schon mal gern »als jüdischer Teppichhändler Jakob Goldstein« ein, um »bevorzugte Behandlung« zu erhalten. Oder er posiert mit Bazooka im Video zu Free Palestine. Dieser Anhan, der im »Tatort«-Song »Psst!« »das Kokain an die Juden von der Börse vertickt«, musste es also unbedingt sein, um einen authentischen Klangteppich für Schweigers Baller-Epos zu weben.

Die Argumentation ist nicht nur Unfug, sie zeigt wieder einmal exemplarisch die Methodik der Grenzverletzungen und -überschreitungen – frei nach dem Motto: Die Juden sollen sich nicht so anstellen, wir haben ja alles rausgeschnitten, was antisemitisch klingt. Was bleibt, ist das Bild vom hysterischen Juden, der überall Antisemitismus wittert und der Republik auch noch die tolle Sonntagsunterhaltung kaputtnörgelt.

tabu Um seine These zu untermauern, zitiert Granderath einen Artikel in der »Welt«, in dem Anhan betont, dass er »Juden niemals beleidigen würde«. Dass der Artikel schon 2012 konstatierte, der »deutschsprachige Rap hat ein Antisemitismus-Problem« und »Haftbefehl« als hauptverantwortlich dafür nannte, verschweigt der Fernsehspielchef. Wer so argumentiert, handelt bewusst. Wer Antisemit ist und wer nicht, entscheiden wir, lautet der Subtext des selbstbewussten NDR-Dementis. Es ist noch nicht lange her, da hätte ein öffentlich geäußerter Vorwurf einer jüdischen Gemeinde für Nachdenklichkeit und leise Reaktionen gesorgt.

Die kraftmeierische Empörung über die Kritik macht deutlich, dass wieder mal öffentlich-rechtlich ein Tabu gebrochen wurde. Das ist wesentlich beunruhigender, als die Hassverse des Giftzwergs »Haftbefehl« es sind.

Der Autor ist Sprecher der Jüdischen Gemeinde Hamburg und CvD beim »Weser-Kurier«.

Analyse

Hält Israels Brandmauer zur AfD?

Die deutsche Rechtsaußen-Partei wird von der israelischen Regierung boykottiert. Ein prominenter AfD-Politiker versucht nun, das zu ändern

von Joshua Schultheis  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Brandmauer nach links: Union attackiert Rot-Grün-Rot

Die Vorbereitung eines Linksbündnisses in Berlin wird von CDU und CSU scharf kritisiert. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union werden konkrete Konsequenzen gefordert - auch die nach einer neuen Brandmauer

 18.10.2026

Grüne

Banaszak: Rot-Grün-Rot braucht klare Absprachen vor Start

Grünen-Chef Felix Banaszak sieht Risiken für das geplante Bündnis aus Linken, Grünen und SPD in Berlin. Er warnt vor ungelösten Problemen

 18.10.2026

Meinung

Flugabwehr bei VW? Aber ja!

Volkswagen, Rafael und die deutsch-israelische Rüstungskooperation

von Jan-Philipp Hein  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Söder fordert Brandmauer nach links

Der Begriff Brandmauer wurde in der Union bisher vor allem für die Abgrenzung nach rechts verwendet. CSU-Chef meint, sie sollte jetzt eher an anderer Stelle eingezogen werden

 18.10.2026

IWF-Tagung

KfW-Chef: »Demokratie ist ein harter Standortfaktor«

Auch aus der Finanzwelt kommen nach den Wahlerfolgen der AfD für Deutschland ungewohnte Fragen: Ist der Standort noch so verlässlich wie bekannt? Für Investitionsentscheidungen kann das wichtig sein

 18.10.2026

Iran-Krieg

Irans Parlament stimmt für neuen Verteidigungsminister

Das Verteidigungsministerium im Iran wurde mehr als ein halbes Jahr kommissarisch geleitet. Nun übernimmt ein erfahrener Funktionär aus der Rüstungsbranche das Amt

 18.10.2026

Leitantrag für Parteitag

CSU-Parteitag: Klare Kante gegen AfD und Linkspartei

Kommende Woche steht bei der CSU ein großer Parteitag an. Als Gast wird Kanzler Merz erwartet. Inhaltlich setzt die Partei auf neue Geschlossenheit durch die Benennung klarer Feindbilder

 18.10.2026

Offenburg

Özdemir zu Berliner Linken: Mit so jemandem nicht koalieren

Cem Özdemir lehnt eine Zusammenarbeit der Grünen mit der Linken in Berlin ab. Zwar verweist er auf gute Erfahrungen mit der Partei in anderen Ländern, in Berlin sieht er die Lage anders

 18.10.2026