Halle-Prozess

Synagogen-Attentäter baute sich Welt voller Waffen

Der Prozess wird seit dem 21. Juli 2020 geführt (Archivfoto) Foto: imago

Der Synagogen-Attentäter von Halle hat sich offenbar über Jahre ein beträchtliches Waffenarsenal angelegt und sich intensiv mit dem Bau von Waffen beschäftigt. Dies wurde am sechsten Prozesstag am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Naumburg deutlich.

Kriminalbeamte des Bundeskriminalamts (BKA) berichteten im Zeugenstand, welche Waffen bei dem Angeklagten sichergestellt wurden. Einige Bauteile der Waffen stammten aus einem 3-D-Drucker, sagte ein 49-jähriger Kriminalhauptkommissar vor Gericht.

Am Rande des sechsten Prozesstages gab es einen Zwischenfall.

Der Angeklagte selbst dokumentierte sein Waffenarsenal selbst in einem »Pre-Action-Report«. Dabei zeigte ein Foto, dass Stephan B. im Bettkasten seines Zimmers zahlreiche Waffen deponiert hatte.

MONTUR Unmittelbar vor der Tat machte der Angeklagte noch ein Selfie in der Wohnung seines Vaters, bei dem er »in voller Montur« vor einem Spiegel posierte. Nach Angaben des Zeugen soll seine gesamte Ausrüstung, die er zum Beginn der Tat an der Synagoge trug, etwa 29 Kilogramm schwer gewesen sein.

Dokumentiert wurden unter anderem Schusswaffen, Messer, ein bereits im Mai 2011 im Internet gekauftes Schwert, eine selbstgebaute »Grabenkeule« aus einem Holzstiel mit einem Zahnrad sowie Munition.

Allein auf die 40 Jahre alte Passantin, die er vor der Synagoge tötete, soll er 15 Schüsse, ein ganzes Magazin, abgegeben haben. Er schoss der Frau mehrfach in den Rücken.

Es gibt 45 Nebenkläger. Für Mittwoch sind weitere sechs Zeugen geladen.

Am Rande des sechsten Prozesstages gab es einen Zwischenfall: Ein Nebenklagevertreter wies das Gericht darauf hin, dass eine ihm bekannte Rechtsextremistin unter den Zuschauern ohne Mund-Nasen-Schutz sitze. Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens ließ sich daraufhin das vermeintliche ärztliche Attest zeigen und ordnete das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung an. Trotz Asthma und ärztlicher Empfehlung sei die Bedeckung beim ruhigen Sitzen, ohne körperliche Anstrengung zumutbar, so die Richterin.

HINTERGRUND Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Motivation heraus einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt, zwei Menschen erschossen und weitere verletzt. Die Bundesanwaltschaft hat ihn wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mehreren Fällen sowie weiteren Straftaten angeklagt.

Mit Sprengsätzen und Schusswaffen wollte er in die abgeschlossene Synagoge gelangen, um möglichst viele Juden zu töten. Zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hielten sich dort 52 Beter auf. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zudem kommt eine anschließende Sicherungsverwahrung in Betracht.

Der Prozess wird seit dem 21. Juli geführt. Aus Platzgründen findet der Prozess in Räumlichkeiten des Magdeburger Landgerichts statt. Es gibt 45 Nebenkläger. Für Mittwoch sind weitere sechs Zeugen geladen. Dann soll das soziale Umfeld des Angeklagten beleuchtet werden, insbesondere seine Aktivitäten im Internet. epd

Ugandische Truppen

Nahost

Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung nach Gaza

Auf US-Anfrage soll sich ein Kontingent der ugandischen Armee der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe anschließen. In Afrika zählt das Land zu den größten Truppenstellern für Friedensmissionen

 07.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 07.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 07.08.2026

AfD-Verbot

»Wachkitzeln von Gewalt- und Mordphantasien«

Der Historiker und NS-Forscher Götz Aly, der mit Blick auf die AfD bislang vor überzogenen Vergleichen mit dem Nationalsozialismus und der NSDAP gewarnt hatte, hat offenbar seine Position revidiert

 07.08.2026

Benjamin Netanjahu

Meinung

Nicht wegen des Krieges: Warum Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wirklich zurücktreten sollte

von Roman Haller  07.08.2026

Kanada

Bericht: Jüdische Studenten erleben Antisemitismus als alltägliche Realität

Fast alle befragten jüdischen Studenten geben an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einen antisemitischen Vorfall erlebt oder beobachtet zu haben

 07.08.2026

Miami

Antisemitischer Angriff in Starbucks-Filiale

Laut Polizei schlug eine Frau ihr Opfer mit einem Mobiltelefon. Dann habe sie mit einem Metallstuhl auf den Mann, der eine Kippa trug, losgehen wollen

 07.08.2026

Berlin

Klingbeil: AfD-Verbotsverfahren ernsthaft prüfen

Die Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren erhält neue Dynamik. Was sagt SPD-Chef Klingbeil und wie reagiert die Linke auf seinen Vorstoß?

 07.08.2026