Bayreuth

Streit um Toleranzpreis für »Code Pink«

»Bereits begründete Zweifel«: Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (Bayreuther Gemeinschaft) Foto: dpa

Die Verleihung des diesjährigen Bayreuther Toleranzpreises steht auf der Kippe. Der Stadtrat werde in der kommenden Woche neu über die Preisvergabe entscheiden, teilte die Stadt Bayreuth am Donnerstag mit.

Die Auszeichnung sollte eigentlich im April an die US-Bürgerrechtsbewegung »Code Pink« gehen, die aber inzwischen wegen der Teilnahme an anti-israelischen Kundgebungen und Boykottaufrufen gegen Israel in die Kritik geriet. »Bereits begründete Zweifel an der Eignung eines möglichen Preisträgers reichen meiner Meinung nach aus, um den Preis nicht zu verleihen«, sagte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (Bayreuther Gemeinschaft).

aktivisten Hintergrund ist ein Bericht der »Jerusalem Post« über die geplante Preisvergabe, die bei jüdischen Menschenrechtsorganisationen auf Empörung stieß. Darin äußert Rabbi Abraham Cooper, der stellvertretende Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles, scharfe Kritik an »Code Pink«.

So seien Aktivisten der Gruppe in einem Video zu sehen, in dem der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Adolf Hitler gleichsetzt werde. Auch hätten sich Mitglieder der Gruppe an einer Konferenz von Holocaust-Leugnern in Teheran beteiligt. Mit der Entscheidung für »Code Pink« als Preisträger entehre sich Bayreuth selbst und die Werte, für die dieser Preis stehe, erklärte Cooper.

Oberbürgermeisterin Merk-Erbe betonte, die Stadt Bayreuth sei sich ihrer historischen Verantwortung bewusst: »Aus dieser Verantwortung heraus und aus Respekt vor den Opfern des Nationalsozialismus und im Wissen um die Geschichte halte ich es für richtig, die Preisverleihung nicht vorzunehmen.«

erinnerungskultur Die Stadt habe gerade in den vergangenen Jahren ihr Engagement bei der Erinnerungskultur deutlich ausgebaut. Als Beispiel nannte die Oberbürgermeisterin eine Dauerausstellung mit dem Titel »Verstummte Stimmen« am Richard-Wagner-Festspielhaus, die an Künstlerinnen und Künstler erinnert, die während der Nazi-Diktatur verfolgt oder ermordet wurden.

»Code Pink« war im Sommer vergangenen Jahres für den mit 10.000 Euro dotierten »Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt« ausgewählt worden. Die vor allem von Frauen getragene Gruppe engagiere sich als basisdemokratische Bewegung unter anderem für die Beendigung von militärischen Konflikten und für die Verhinderung neuer Kriege, hieß es zur Begründung.

Die Preisverleihung war im Rahmen des »Bayreuther Zukunftsforums« am 15. April in der Universität Bayreuth mit der deutsch-iranischen Schauspielerin Jasmin Tabatabai als Laudatorin geplant. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka (2008), Prinz Hassan von Jordanien (2010) und zuletzt der evangelische Pfarrer und Begründer der Leipziger Friedensgebete Christan Führer (2014). epd

Berlin

Zwei Präsidenten in der Schule

Reuven Rivlin und Frank-Walter Steinmeier besuchten das Jüdische Gymnasium

von Ayala Goldmann  28.01.2020

Israel-Jacobson-Preis

Armin Laschet erhält Auszeichnung

NRW-Ministerpräsident wird von der Union progressiver Juden für Verdienste um Stärkung jüdischen Lebens geehrt

 28.01.2020

Berlin

Rivlin zu Besuch

Israels Staatspräsident von Bundespräsident Steinmeier empfangen

 28.01.2020

27. Januar

Erinnerung wachhalten

Kanzlerin Merkel und Polens Ministerpräsident Morawiecki beim Gedenkkonzert in der Berliner Staatsoper

 27.01.2020

27. Januar

Gedenken in Auschwitz

Frank-Walter Steinmeier: »Ich verneige mich in Trauer vor den Opfern und den Überlebenden«

 27.01.2020

Berlin

Auschwitz-Überlebende treffen Steinmeier

Peter Gardosch: »Ich besuche heute das Grab meiner Familie«

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  27.01.2020

Berlin

»Über die großen Hoffnungen der Menschheit nachdenken«

Die Schoa-Überlebende Esther Bejarano spricht sich in einem offenen Brief für 8. Mai als Feiertag aus

 26.01.2020

27. Januar

»Der Konsens bröckelt«

Zentralratspräsident Josef Schuster: Das Gedenken an die Schoa muss Teil der deutschen Staatsräson bleiben

 26.01.2020

27. Januar

Zum Gedenken

Die Erinnerung ist für die Nachfahren der Opfer anders als für die Nachfahren der Täter

von Natan Sznaider  26.01.2020