Bayreuth

Stadtrat unterstützt Pläne für NS-Dokumentationszentrum

Diktator Adolf Hitler am 1. Januar 1940 bei den Bayreuther Festspielen Foto: picture alliance / SZ Photo

Der Bayreuther Stadtrat will die Planungen für ein NS-Dokumentationszentrum vorantreiben. Das beschloss das Gremium einstimmig am Mittwoch in seiner Sitzung, wie ein Sprecher mitteilte.

Laut dem Beschluss soll ein Kuratorium einbezogen werden, um eine inhaltliche Konzeption zu erstellen - dabei sein sollen externe Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und von anderen Doku-Zentren. »Dazu sind die notwendigen Schritte zu erlassen«, heißt es in dem Beschluss.

Zuletzt hatte es Verzögerungen gegeben, weil Mitglieder des Kulturausschusses im April Bedenken angemeldet hatten. Unter anderem ging es um die Kosten für das Projekt und die Befürchtungen, das Zentrum könne eine Pilgerstätte für Rechtsextremisten und Rassisten werden.

Dunstkreis der Festspiele

Schließlich sollte den Planungen zufolge ein wesentlicher Teil des Dokumentationszentrums im früheren Wohnhaus von Houston Stewart Chamberlain (1855-1927), Schwiegersohn Richard Wagners und Vordenker von Rassismus und Antisemitismus im Dunstkreis der Festspiele, untergebracht werden. Ob das Zentrum nun tatsächlich im Chamberlain-Haus entsteht, ließ der Stadtrat zunächst offen. Bauliche Fragen sollen später geklärt werden.

Eine Berechnung aus dem Jahr 2022 ergab Kosten von 23,1 Millionen Euro für das Projekt. Es stehe eine umfängliche staatliche Förderung in Aussicht, unter anderem seitens des Bundes, hatte die Kommune stets betont.

In den vergangenen Wochen war in der Stadt eine heftige Debatte um das Thema entbrannt: Braucht es zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ein eigenes Dokuzentrum oder könnten bestehende Institutionen das leisten?

Aufarbeitung der Geschichte

Der Richard-Wagner-Verband Bayreuth begrüßte die Idee des Dokumentationszentrums. Eine gründliche und vor allem wissenschaftlich kompetente Aufarbeitung der Bayreuther Geschichte nütze allen - Bewohnerinnen und Bewohnern ebenso wie den Festspielgästen aus aller Welt, teilte der Verband mit.

Noch immer seien viele Fragen und Aspekte zu Leben und Werk Wagners offen, ebenso Fragen zur Rolle der Familie Wagner und Fragen zur Vereinnahmung der Festspiele durch das nationalsozialistische Unrechtsregime. »Diesen Fragen müssen wir uns stellen. Je transparenter und kompetenter die Antworten auf diese Fragen ausfallen, desto besser.«

Wagner-Fan Hitler

Rund um die Bayreuther Festspiele hatte sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein Gerüst aus Rassismus, Antisemitismus und völkischer Ideologie gebildet, das die Nationalsozialisten sich zunutze machten. Adolf Hitler war glühender Verehrer der Werke Richard Wagners und oft in Bayreuth zu Gast - als Freund der Wagner-Familie.

Große und bekannte NS-Dokumentationszentren gibt es bereits an bayerischen Orten, die für die Geschichte des Nationalsozialismus von Bedeutung sind: auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden, in München und in Nürnberg auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. dpa

Berlin

Anstehende Abgeordnetenhauswahl: Jüdischer Verein warnt vor AfD und Linken

Laut »WerteInitiative« sind beide Parteien ein Risiko für die jüdische Gemeinschaft. Auf unterschiedliche Weise spielten sie Minderheiten gegeneinander aus, heißt es in einem Positionspapier

 19.05.2026

Essay

Wie die »New York Times« Israel verteufelt

Der Autor Nicholas Kristof überzieht Israel in einem Meinungsbeitrag mit ungeheuerlichen Vorwürfen. Doch belastbare Beweise für seine Behauptungen legt er nicht vor – und schadet damit dem Journalismus

von Daniel Neumann  19.05.2026

Kiel

TKMS und Elbit vertiefen Partnerschaft bei Marinetechnik

Während das deutsche Unternehmen seine Erfahrung im U-Boot- und Marineschiffbau einbringen will, sollen die Israelis vor allem Elektronik-, Sensor- und Waffentechnologie liefern

 19.05.2026

Berlin

Studie dokumentiert zunehmende Bedrohungslage jüdischer Wissenschaftler

Die Analyse des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender fasst erstmals entsprechende Vorfälle an mehr als 100 Hochschulstandorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen

 19.05.2026

Berlin

Neuer Förderaufruf: Projekte gegen Antisemitismus gesucht

Nach der Fördergeldaffäre nimmt der Berliner Senat einen neuen Anlauf. Für Projekte gegen Judenhass soll ein Aktionsfonds geschaffen werden

 19.05.2026

Washington

Trump: Geplanter Angriff auf Iran vorerst gestoppt

»Wenn wir ein Abkommen mit Iran erreichen können, ohne sie in Grund und Boden zu bombardieren, wäre ich sehr glücklich«, so der US-Präsident

 19.05.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026

Berlin

Josef Schuster für Bestrafung der Leugnung von Israels Existenzrecht

Der Zentralratspräsident stellt sich hinter das Vorhaben aus Hessen. Derweil sind einige Strafrechtler skeptisch

 18.05.2026

Interview

»Sonntagsreden reichen nicht«

Hessens Justizminister Christian Heinz will, dass Aufrufe zur Vernichtung Israels künftig unter Strafe stehen. Wie lässt sich ein solcher Eingriff in die Meinungsfreiheit begründen? Ein Gespräch über Staatsräson, den Schutz jüdischen Lebens und Mehrheiten im Bundesrat

von Joshua Schultheis  18.05.2026