EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Moskau

»Sie haben angefangen« - Putin wäscht seine Hände in Unschuld

Foto: imago images/SNA

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den von ihm befohlenen Krieg gegen die Ukraine als eine Art Geiselbefreiung darzustellen versucht. Die Regierung in Kiew und »ihre westlichen Lehrmeister« hätten die Ukraine gekidnappt und das Land faktisch besetzt, sagte Putin am Dienstag in seiner Rede zur Lage der Nation.

Russland versuche, die Ukraine zu befreien. »Wir kämpfen nicht gegen das ukrainische Volk« beteuerte er und kündigte an, Russland werde den New-Start-Atomwaffenvertrag mit den USA suspendieren.

Putin sprach kurz vor dem Jahrestag der russischen Invasion ins Nachbarland vor Abgeordneten, Staatsbediensteten und Soldaten, die in der Ukraine gekämpft haben. Die Rede wurde von allen russischen staatlichen Fernsehsendern ausgestrahlt. Beobachter erwarteten sich davon Aufschlüsse über Putins Sicht auf den nach schweren Rückschlägen für die Invasionstruppen festgefahren Konflikt und dessen weitere Entwicklung.

Der russische Präsident breitete seine persönliche Version der Ereignisse aus, mit der er einmal mehr den Versuch unternahm, seinen Krieg zu rechtfertigen. Nach Putins Lesart kämpft in diesem Konflikt nicht die Ukraine um ihre nackte Existenz, sondern Russland - und verantwortlich dafür ist der Westen.

»Sie sind es, die den Krieg angefangen haben«, behauptete Putin. »Und wir setzen Gewalt ein, um ihn zu beenden.« Seine Soldaten beschützten Zivilisten in Gegenden der Ukraine, die der Kreml illegal annektiert hat. »Wir verteidigen Menschenleben, unser Zuhause«, sagte Putin. »Und der Westen strebt nach uneingeschränkter Herrschaft.«

Putin wiederholte sein Klagelied, mit dem er schon früher versucht hatte, den Krieg als Notwehr Russlands dazustellen. »Die westlichen Eliten versuchen nicht, ihre Ziele zu verbergen, nämlich Russland eine «strategische Niederlage» zuzufügen«, sagte er. »Sie beabsichtigen, den lokalen Konflikt in eine globale Konfrontation zu verwandeln.« Russland sei bereit, darauf zu reagieren, da »es um die Existenz unseres Landes gehen wird«.

Der Westen wisse, dass »es unmöglich ist, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen«, sagte Putin. Daher sei Russland zum Ziel »aggressiver Informationsattacken« geworden, bei denen »historische Fakten falsch ausgelegt« und die russische Kultur, Religion und russische Werte angegriffen würden.

Zu den westlichen Angriffen zählte Putin auch Wirtschaftssanktionen, die aber nichts bewirken könnten. Er warf den USA und ihren Nato-Verbündeten zudem vor, »an unsere Atomanlagen herankommen« zu wollen. Die USA drängten darauf, die im 2010 geschlossenen Atomwaffenvertrag New Start vereinbarten Inspektionen russischer Nuklearanlagen wieder aufzunehmen.

Gleichzeitig hätten sie der Ukraine geholfen, Drohnenangriffe auf russische Luftwaffenstützpunkte zu starten, auf denen atomwaffenfähige Bomber stationiert sind.

»Und jetzt wollen sie unsere Verteidigungsanlagen inspizieren? - Unter den Bedingungen der heutigen Konfrontation klingt das wie blanker Unsinn«, sagte Putin und kündigte an, Russland werde seine Teilnahme am New-Start-Vertrag aussetzen. Sein Land müsse bereit sein, um Atomwaffentests wiederaufzunehmen, sollten die USA das tun. Russland ziehe sich vorerst aber nicht vollständig aus dem Vertrag zurück, sagte Putin.

New Start begrenzt die Atomwaffenarsenale der USA und Russlands auf jeweils höchstens 1550 Atomsprengköpfe und je 700 Raketen und Bomber. Hinzu kommen weitreichende Inspektionsmöglichkeiten, mit denen die Einhaltung des Abkommens sichergestellt werden soll. Vor zwei Jahren hatten Moskau und Washington den Vertrag kurz vor Auslaufen um fünf Jahre verlängert.

Die Inspektionen sind nach dem Beginn der Corona-Pandemie ausgesetzt worden. Im Herbst 2022 sperrte sich Russland gegen deren Wiederaufnahme und verschob die ebenfalls vorgesehenen Konsultationsgespräche.

2022 hatte Putin keine Rede zur Lage der Nation gehalten, obwohl die Verfassung eine jährliche Ansprache dieser Art vorschreibt. Von der diesjährigen Rede wurden Medien aus Ländern ausgeschlossen, die von der russischen Regierung als »unfreundlich« gesehen werden. Auf der unerwünschten Liste sind Medien der USA, Großbritanniens und der EU.

Analysten hatten nach dem Kurzbesuch von US-Präsident Joe Biden am Montag in Kiew mit harten Tönen gerechnet. Später am Dienstag wollte Biden eine Rede in Warschau halten, in der es um den Einsatz Polens und anderer Verbündeter für die Ukraine gehen dürfte. Biden sehe seine Ansprache nicht als Wettbewerb mit Putin, sagte dessen Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan. »Das ist kein Redewettstreit«, versicherte er. ap

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor linksextremen Einflüssen

Für Samstag hat die Initiative Gen Z regelt deutschlandweit zu Protesten für Bildung und soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Aus Sorge vor Ausschreitungen beobachten die Behörden die Lage genau

 28.10.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump reklamiert Anteil an Netanjahus überraschend starkem Wahlergebnis

»Als meine Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen«, sagt der amerikanische Präsident

 28.10.2026

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026