Einspruch

Serientäter in Ramallah

Ralf Balke Foto: Marco Limberg

Oops! ... I did it again» ist einer der Hits der Popikone Britney Spears. Eigentlich könnte auch die Autobiografie von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas so heißen. Denn als der 83-Jährige auf der Sitzung des palästinensischen Nationalrates vor wenigen Tagen über die Schoa schwadronierte und den Juden dabei eine Mitschuld an dem Menschheitsverbrechen attestierte, weil ihr «soziales Verhalten» den Hass gegen sie ausgelöst habe, war das alles andere als ein einmaliger Ausrutscher.

Seine Äußerungen reihen sich nahtlos ein in eine lange Kette von verbalen Entgleisungen, die sich wie das ABC der Antisemitismusforschung lesen. 2016 beispielsweise sprach er vor dem Europaparlament von israelischen Rabbinern, die ihre Regierung beauftragt hätten, die Brunnen der Palästinenser zu vergiften.

israel Im Januar dieses Jahres beglückte Abbas seine Zuhörer in einer zweistündigen Rede mit Aussagen, die für einen promovierten Historiker schon bemerkenswert sind: Israel sei ein «koloniales Projekt», dessen Schöpfung auf Oliver Cromwell, Napoleon und Winston Churchill zurückgehe und «nichts zu tun hat mit Juden, die Juden wurden stattdessen als Werkzeug benutzt».

Wenn man sich jedoch seine Doktorarbeit aus dem Jahr 1982 anschaut, dann kommt dieser Unsinn alles andere als überraschend daher. Denn darin stellte Abbas nicht nur die Zahl der in der Schoa ermordeten Juden infrage, sondern erklärte Zionismus und Nationalsozialismus zu Komplizen. Genau diese These wiederholte er vergangene Woche.

Was aber sehr wohl überrascht, ist die Weigerung mancher Medien hierzulande, das Kind beim Namen zu nennen. So vermeldete die Tagesschau das antisemitische Stereotyp unkommentiert, der Deutschlandfunk sprach von einer «Kritik an Juden»; Abbas soll wohl weiterhin als der «moderate» Staatsmann gelten, ungeachtet seiner ständigen Ausfälle, während israelische Politiker gerne als «ultranationalistisch» oder «fanatisch» charakterisiert werden.

Der Autor ist Historiker und Journalist.

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026

Mehrere Männer bei einer Pressekonferenz der Polizei in Frankfurt, einer spricht in ein Mikrofon

Nach Eskalation

Einsatzleiter: Neue Gewalt-Dimension nach Demo in Frankfurt

Der Einsatzleiter der Polizei berichtet von einer »neuen Dimension der Gewalt«: Aus dem Pro-Palästina-Spektrum heraus sei es zu »immer massiveren Störungen und Angriffen auf Polizeikräfte« gekommen

 01.11.2026

Berlin

SPD-Prominente warnen vor Koalition mit der Berliner Linken

In einem offenen Brief sprechen sich Karl Lauterbach, Sigmar Gabriel, Franziska Giffey und Hunderte weitere Sozialdemokraten gegen Rot-Grün-Rot aus – vor allem wegen des Umgangs der Linken mit Antisemitismus

 01.11.2026

Mohsen Rezaei wirft bei einer Wahl im Iran seinen Stimmzettel in eine Urne

Iran-Krieg

Iran knüpft Gespräche mit den USA an sieben Bedingungen

Teheran stellt weiter Maximalforderungen für eine diplomatische Lösung des Konflikts mit den USA. Im erneuten Kriegsfall droht Teheran mit dem Einsatz neuartiger Waffen

 01.11.2026

Annegret Kramp-Karrenbauer spricht bei der Kiel Security Conference

Antisemitismus in Deutschland

Kramp-Karrenbauer warnt vor Bündnissen mit Linken oder AfD

In Berlin hat die Linke die Wahl gewonnen, in Sachsen-Anhalt die AfD. Die frühere CDU-Chefin meint, das Leben vieler Menschen würde sich massiv verändern, wenn diese die Regierung übernähmen

 01.11.2026

Elif Eralp reißt beim Landesparteitag der Linken in Berlin einen Blumenstrauß in die Höhe

Regierungsbildung in Berlin

Koalitionsgespräche von Rot-Grün-Rot in Berlin vor dem Start

Trotz bundesweiter Kontroversen hat die Berliner Linke Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen zugestimmt. Nach dem Wochenende geht es los

 01.11.2026

Überwachungskameras an der Fassade der Synagoge in Hagen, links ein Davidstern

Antisemitismus

Judenfeindliche Straftaten mit islamistischem Motiv auf Rekordniveau

Seit 2023 steigen die Zahlen rasant an. Behörden in Deutschland registrieren immer mehr antisemitische Straftaten. Viele haben einen islamistischen Hintergrund

 01.11.2026

Vanessa Emde zwischen Teilnehmern einer Kundgebung vor dem Linke-Parteitag in Berlin

Regierungsbildung in Berlin

Linker Protest gegen Linke-Führung – Abgeordnete Emde dabei

Vanessa Emde steht wegen ihrer israelfeindlichen Positionen in der Kritik und könnte aus der Berliner Linksfraktion ausgeschlossen werden. Nun taucht sie auf einer Kundgebung am Parteitagsort auf

 01.11.2026

Als Batman verkleidete Person vor brennender Mülltonne in Frankfurt

Gewalt eskaliert

Krawalle und Plünderungen in Frankfurt

Nachdem die Polizei eine zunächst friedliche Demonstration junger Menschen auflöst, eskaliert die Lage auf der Zeil – in der Menge waren auch »Viva Palästina«-Rufe zu hören

 01.11.2026