Meinung

Selbst leben statt Selbsttötung

In Deutschland soll das Strafgesetz geändert werden: Die »gewerbsmäßige Förderung der Selbsttötung« soll künftig unter Strafe stehen. Angehörige und dem Patienten Nahestehende hingegen sollen von der Strafandrohung ausgenommen werden. Was damit gemeint ist, umschreibt das Gesetz, das schon das Bundeskabinett passiert hat, »als abstrakt das Leben gefährdende Handlung«.

Schon gegenwärtig sind in Deutschland die Selbsttötung als solche und die Teilnahme daran nicht strafbar. Ebenfalls straffrei sind der gerechtfertigte Behandlungsabbruch, den man früher als »passive Sterbehilfe« bezeichnete, und die »indirekte Sterbehilfe«, also eine beispielsweise bei Schmerzbekämpfung in Kauf genommene Beschleunigung des Todes.

Dienstleistung Strafbar hingegen ist die Tötung auf Verlangen, auch wenn es in der Europäischen Union Staaten wie die Niederlande oder Belgien gibt, in denen diese »aktive Sterbehilfe« nicht generell verboten ist. Vor diesem Hintergrund steht nun in Deutschland die Gesetzesänderung an, die verhindern soll, dass der Freitod eines Menschen zur Dienstleistung, zum kommerziellen Geschäft wird.

Doch das geplante Gesetz bringt einige Probleme in Bezug auf die Halacha mit sich; in manchen Teilen steht es im klaren Widerspruch zu ihr. Die zeitgenössische halachische Meinung fordert eindringlich zur Achtung des Lebens auf: Was immer das Leben fördert, hat Vorrang. Zugleich muss dem Menschen geholfen werden, in Frieden zu sterben.

Halacha Maimonides entschied, das Wesen des Menschen liege in seinem Intellekt, was beinhaltet, es müsse dem Leben gestattet werden, zu Ende zu gehen, sobald die intellektuelle Fähigkeit dahin ist. Jede Form von aktiver Sterbehilfe ist von der Halacha verboten. Passive Sterbehilfe jedoch ist unter bestimmen Umständen erlaubt, wenn man beispielsweise bei einem schwer kranken terminalen Patienten darauf verzichtet, mit einer schmerzhaften Behandlung zu beginnen.

Grundsätzlich gilt jedoch, dass die Beihilfe zum Suizid keine ärztliche Aufgabe ist. In den Grundsätzen der Bundesärztekammer steht eindeutig, dass die Tötung eines Patienten auch dann zu verurteilen ist, »wenn sie auf Verlangen des Patienten erfolgt«. Mit dieser Formulierung bin ich sehr zufrieden. Sie entspricht dem jüdischen Gesetz. Der Arzt hat in erster Linie den Auftrag, Leben zu erhalten, zu verlängern und Krankheiten zu bekämpfen.

Die Autorin ist Vorsitzende des Bundesverbandes Jüdischer Mediziner in Deutschland.

Diether Dehm

Nach Auftritt mit Höcke

Strafbefehl gegen Diether Dehm wegen SA-Parole

Björn Höcke wurde wegen der Verwendung der Parole »Alles für Deutschland« bereits rechtskräftig verurteilt. In einem Interview mit dem AfD-Mann wiederholte der frühere Linken-Politiker Diether Dehm diese Worte und soll dafür nun 9000 Euro zahlen

 20.10.2026

Reaktionen

Ein Hausmeister für die Mullahs

Die Bundesregierung habe zu lasch auf die iranischen Mordkomplotte in Deutschland reagiert, finden jüdische und pro-israelische Organisationen. Sie fordern tiefgreifende Konsequenzen

von Stefan Laurin  20.10.2026

Würzburg

Zentralratspräsident Josef Schuster kandidiert erneut

Der Würzburger Internist will auf der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden am 29. November für weitere vier Jahre antreten

 20.10.2026 Aktualisiert

Vereinte Nationen

Wer finanziert die Arbeit der UN-Berichterstatter?

Die Genfer NGO UN Watch hat einen Bericht vorgelegt, der die Zuwendungen an rund 140 unabhängige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen unter die Lupe nimmt. Auf Platz 3 der Liste: Francesca Albanese

von Michael Thaidigsmann  20.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Washington D.C.

Vance gibt keine Wahlempfehlung für Netanjahu ab

Im Gegensatz zu seinem Chef Donald Trump sieht der amerikanische Vizepräsident von einer Unterstützung des israelischen Ministerpräsidenten ab. Warum?

 20.10.2026

Nach Spionage-Urteil

Deutscher Botschafter im Iran einbestellt

Dem Diplomaten solle der starke Protest des Iran übermittelt werden, heißt es. Kurz zuvor hatte das Auswärtige Amt den iranischen Botschafter einbestellt

 20.10.2026

Gießen

Staatsanwaltschaft klagt AfD-Politiker wegen NS-Parole an

Bei seiner Bewerbungsrede für den Vorstand der AfD-Jugendorganisation soll Kevin Dorow eine Parole der Hitlerjugend verwendet haben. Nun muss ein Gericht über die Anklage entscheiden

 20.10.2026

Luftwaffenstützpunkt Ovda

Hegseth trifft Netanjahu bei unangekündigtem Israel-Besuch

Wenige Tage vor der israelischen Wahl ging es bei dem Geheimtreffen wohl um das weitere Vorgehen gegen das Mullah-Regime in Teheran

 20.10.2026