Meinung

Rock für Rechts

Elke Wittich Foto: Rolf Walter

Wer die positiven und die negativen Aspekte des Internets auf einen Blick erleben möchte, muss sich nur den Fall der Rechtsrock-Band Frei.Wild ansehen. Jahrelang hatten die Musiker nahezu unbehelligt in deutschen Hallen, auf dem bekanntesten deutschen Metal-Festival in Wacken oder beim offiziellen FIFA-Fanfest 2010 in Berlin spielen können, bis in Foren und Blogs und später in Massenmedien auf deren Texte aufmerksam gemacht wurde. Doch auf Kritik antwortet die Band mit einem Song martialisch: »Doch dieser Angriff haut uns nicht um / härtet uns ab und ihr werdet es sehen«.

Mittlerweile muss jeder Veranstalter, der die Band bucht, mit Protesten rechnen. Mitverantwortlich für die Aufmerksamkeit waren ausgerechnet die Fans selbst. Als die Sängerin Jennifer Rostock im Januar erklärte, sie wolle auf ihren Konzerten keine Shirts von Frei.Wild sehen, wurde ihre Facebook-Seite Opfer eines Shitstorms empörter Anhänger.

Südtirol Von Hitler-Parolen über Gaskammer-Anspielungen bis hin zu Gewaltdrohungen wurde alles ausgepackt, was zum Nazirepertoire gehört. Ähnliches widerfuhr kurze Zeit später den Bands Die Ärzte und MIA, als sie gegen die Nominierung von Frei.Wild für den Musikpreis Echo protestierten. Frei.Wild, heißt es bei ihren Fans, seien lediglich Patrioten, zudem aus Südtirol, weswegen sie in ihren Songs gar nicht Deutschland meinten, wo es ja verboten sei, stolz auf sein Land zu sein.

Das Interessanteste an diesen Wortmeldungen, die man so ähnlich schon von Fans der Bands Rammstein oder Böhse Onkelz kennt, ist, dass viele, hauptsächlich junge, Menschen gar nicht erkennen, dass sie für jeden einsehbar und oft unter voller Nennung ihres Namens auf Facebook und anderen Social-Media-Plattformen rechte Parolen verbreiten.

Das ist es nämlich, was den medialen Aufstieg einer Band wie Frei.Wild erst möglich gemacht hat: dass es auf Plattformen wie YouTube noch viel schlimmere Auftritte gibt. Von Videos verbotener Bands über fremdenfeindliche Veröffentlichungen der NPD und antisemitischer Verschwörungstheoretiker bis hin zu NS-Propagandafilmen ist dort praktisch alles dabei, was rechte Ideologie ausmacht. Obwohl das überwiegend strafrechtlich relevant ist, gehen YouTube und ähnliche Anbieter gegen diese Veröffentlichungen auf ihren Seiten kaum vor.

Es ist diese Ignoranz der Unternehmen gegenüber den eigenen Seiteninhalten, die dafür sorgt, dass erfolgreiche Rockmusik nicht mehr zwangsläufig fortschrittlich sein muss. Rechte Inhalte fallen immer weniger auf. Und Frei.Wild ist salonfähig.

Die Autorin ist freie Journalistin in Berlin.

Terror

Berlin am Tag zwei nach dem CSD-Anschlag

Nach dem CSD-Anschlag: Kanzler Merz kündigt Konsequenzen an, Herkunft des Todesopfers bekannt, verletzten Opfern geht es besser

 27.07.2026

Berlin

Neuköllns Integrationsbeauftragte: Härter gegen Islamismus vorgehen

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag am Rande des CSD in Berlin erklärt Güner Yasemin Balci, dass es in ihrem Bezirk sowohl mit Homophobie als auch mit Islamismus ein massives Problem gebe

 27.07.2026

New York

Angehörige von Opfern des 11. September wollen Mamdani von Gedenkfeier ausschließen

Die Betroffenen werfen dem Politiker vor, sich in der Vergangenheit nicht ausreichend von Terrorismus distanziert zu haben

 27.07.2026

Teheran

Chamenei bekräftigt Unterstützung für Hisbollah

Es gebe »keinen anderen Weg als Dschihad und Widerstand« gegen Israel, sagt der Oberste Führer

 27.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Berlin

Felix Klein: »Brandmauer muss aufrechterhalten werden«

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung wendet sich gegen eine Öffnung der CDU zur AfD. Zur Begründung nennt er das AfD-Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt

 27.07.2026

Seattle

Drei Tote und mehrere Verletzte bei Schießerei auf Foodfestival

Unter den Verletzten ist ein zweijähriges Kind. Bürgermeisterin Katie Wilson: »Betroffene Familien erleben den schlimmsten Moment ihres Lebens.«

 27.07.2026

Nahost

USA setzen Angriffe auf Iran vorerst aus – Raum für neue Verhandlungen

Der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz sagt, Washington schließe eine erneute militärische Eskalation keineswegs aus

 27.07.2026