Meinung

Reichsweiter Nazi-Alarm

Stünde noch das berühmt-berüchtigte Nazometer in Harald Schmidts Fernsehstudio, es hätte am Sonntagabend wohl nur ein leises Summen von sich gegeben. Denn für alarmistisches Getöse taugt die Wortwahl »innerer Reichsparteitag« herzlich wenig. Die ZDF-Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein bemühte in der Halbzeitpause der WM-Begegnung Deutschland gegen Australien diesen schrägen Vergleich, nachdem der lange Zeit erfolglose Stürmer Miroslav Klose endlich mal wieder ein Tor erzielt hatte. Nun mag diese Formulierung vergangenheitspolitisch und vor allem sprachlich ziemlich verunglückt sein. Von einer »verbalen Entgleisung«, einem Bedienen im Wörterbuch des Unmenschen oder gar vom Verbreiten rechten Gedankenguts vor 28 Millionen Zuschauern kann jedoch keinesfalls die Rede sein. Da hat es diese Republik in den vergangenen Jahren mit ganz anderen Wörtern und Vergleichen zu tun gehabt. Und so manches Mal ist der Aufschrei ausgeblieben. »Innerer Reichsparteitag« reicht nicht aus, um Nazi-Alarm zu schlagen und den Rücktritt der TV-Kollegin zu fordern. Hoffen wir lieber auf tolle Spiele, viele Tore und gelungene Moderationen. Ansonsten gilt wie immer: den Ball flach halten.

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