Meinung

Reichsweiter Nazi-Alarm

Stünde noch das berühmt-berüchtigte Nazometer in Harald Schmidts Fernsehstudio, es hätte am Sonntagabend wohl nur ein leises Summen von sich gegeben. Denn für alarmistisches Getöse taugt die Wortwahl »innerer Reichsparteitag« herzlich wenig. Die ZDF-Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein bemühte in der Halbzeitpause der WM-Begegnung Deutschland gegen Australien diesen schrägen Vergleich, nachdem der lange Zeit erfolglose Stürmer Miroslav Klose endlich mal wieder ein Tor erzielt hatte. Nun mag diese Formulierung vergangenheitspolitisch und vor allem sprachlich ziemlich verunglückt sein. Von einer »verbalen Entgleisung«, einem Bedienen im Wörterbuch des Unmenschen oder gar vom Verbreiten rechten Gedankenguts vor 28 Millionen Zuschauern kann jedoch keinesfalls die Rede sein. Da hat es diese Republik in den vergangenen Jahren mit ganz anderen Wörtern und Vergleichen zu tun gehabt. Und so manches Mal ist der Aufschrei ausgeblieben. »Innerer Reichsparteitag« reicht nicht aus, um Nazi-Alarm zu schlagen und den Rücktritt der TV-Kollegin zu fordern. Hoffen wir lieber auf tolle Spiele, viele Tore und gelungene Moderationen. Ansonsten gilt wie immer: den Ball flach halten.

Diplomatie

Prosor kritisiert israelischen Minister wegen Merz-Schelte

Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hatte dem Bundeskanzler nach dessen Kritik an der Siedlungspolitik vorgeworfen, Juden vorschreiben zu wollen, wo sie leben sollen

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Jom Haschoa

»Die Bedrohung ist nicht mehr abstrakt«

Israelischer Botschafter Ron Prosor fordert bei einer Gedenkveranstaltung im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen entschlossenes Handeln und den Schutz jüdischen Lebens

 14.04.2026

Düsseldorf

Studentenparlament fordert Boykott israelischer Hochschulen

Der Antrag stammt aus dem Umfeld der antisemitischen BDS-Kampagne. Jüdische Studenten und andere Demokraten üben heftige Kritik an dem Entschluss

 14.04.2026

Rom

Italien setzt Verteidigungsvereinbarung mit Israel aus

Italien unter Ministerpräsidentin Meloni gilt als enger Verbündeter Israels. Nun setzt ihre Regierung eine Vereinbarung mit dem jüdischen Staat aus. Konkrete Auswirkungen hat dies aber wohl nicht

 14.04.2026

Rechtsextremismus und Antisemitismus

Hetze und KI-Fakes belasten Arbeit in Gedenkstätten

Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, beklagt eine besorgniserregende Entwicklung

 14.04.2026

Gedenkstätte KZ Ravensbrück

Hitlergruß im Krematorium: Schülerinnen sorgen für Entsetzen

Nach Angaben der Leitung ließen sich drei Mädchen dabei fotografieren

 14.04.2026

Washington D.C.

Trump löscht umstrittenes KI-Bild, das ihn als Jesus Christus zeigt

Die Abbildung rief scharfe Kritik hervor – auch aus dem konservativen Lager

 14.04.2026

Meinung

Wie die UN indirekt den Holocaust relativieren

Die kürzlich angenommene Resolution zur Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels ist ein Akt des geschichtspolitischen Revisionismus

von Jacques Abramowicz  14.04.2026