Prozess

Rausgeflogen

In der Kritik: Kuwait Airways Foto: imago

Profitabel ist Kuwait Airways schon lange nicht mehr. Seit dem Einmarsch Saddam Husseins in das Emirat am Persischen Golf 1990 schreibt die staatseigene Fluggesellschaft fast immer rote Zahlen. Und sämtliche Versuche, sie zu privatisieren, verliefen im Sande.

Aber Wirtschaftlichkeit scheint bei der Airline ohnehin nicht auf der Agenda zu stehen. Lieber verzichtet man darauf, wichtige Zielorte anzufliegen, als israelische Staatsbürger an Bord zu nehmen: Nachdem 2015 das »Department of Transportation« in den USA entschied, dass Kuwait Airways gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstieß, als einem Israeli der Kauf eines Tickets von London nach New York verweigert wurde, nahm die Gesellschaft die Strecke aus dem Flugplan. Ebenso stellte sie innereuropäische Flüge ein, als 2016 ein Schweizer Gericht aus gleichem Anlass zugunsten eines Israelis geurteilt hatte.

stornierung Nun soll ein weiterer Fall vor Gericht verhandelt werden. Diesmal in Frankfurt, und das nicht zum ersten Mal. Via Expedia hatte der Kläger, ebenfalls ein israelischer Staatsbürger, einen Flug mit Kuwait Airways aus der Mainmetropole nach Bangkok gebucht. Kurz vor Abreise stornierte die Fluggesellschaft sein Ticket. Und zwar mit dem Verweis, dass in Kuwait ein Zwischenstopp erfolge und nach kuwaitischem Recht Israelis das Territorium des Landes nicht betreten dürfen.

Man berief sich dabei auf den vor Jahrzehnten von der Arabischen Liga beschlossenen Boykott des jüdischen Staats. »Und das ungeachtet der Tatsache, dass einige dieser Länder längst diplomatische Beziehungen zu Israel pflegen und andere in der Region israelische Staatsbürger problemlos den Transitbereich in ihren Airports passieren lassen«, erklärt Nathan Gelbart, Anwalt des Israelis. Deshalb beschäftigt sich bald das Landgericht Frankfurt damit, nachdem im Sommer vergangenen Jahres vor dem Oberlandesgericht in der Stadt ein Eilverfahren nicht durchgesetzt werden konnte.

verstoss »Kuwait Airways verstößt mit seinem Verhalten gegen das deutsche Luftfahrt- sowie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz«, argumentiert Gelbart. »Zudem vermarktet die Airline ihr Produkt als einen Flug von Frankfurt nach Bangkok. Wenn ein Transit in Kuwait aber nicht für alle Passagiere – also auch für Israelis – möglich ist, dann darf sie das auch hierzulande nicht so anbieten. Oder muss alternative Umsteigeorte organisieren, wie beispielsweise Singapur.«

Das Emirat hat in Sachen Israelfeindschaft eine lange Vorgeschichte. Dass diese nun erneut Gegenstand einer Verhandlung vor Gericht wird, ist auch dem Engagement des »Lawfare Projects« zu verdanken, einer amerikanischen NGO, die sich gegen die Diskriminierung von Israelis zur Wehr setzt. »In der globalisierten Wirtschaft darf es keine Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer Staatsbürgerschaft geben«, sagt Lawfare-Direktorin Brooke Goldstein. »Earning Your Trust« lautet der Firmenslogan von Kuwait Airways. Bis es so weit ist, werden die Gerichte wohl noch viel zu tun haben.

Bad Staffelstein

Söder wünscht sich mehr Unterstützung für Proteste im Iran

»Nicht nur ›Free Palestine‹«: Auf der Klausur der CSU-Landtagsfraktion denkt der Parteichef nicht allein über die bayerische und deutsche Politik nach. Auch die Geschehnisse in Teheran treiben ihn um

 13.01.2026

Berlin

Für die Hisbollah gekämpft? Angeklagter bestreitet Vorwurf

Er soll in den Libanon gereist sein, um sich von der Miliz an Schuss- und Kriegswaffen ausbilden zu lassen. Auch an Gefechten soll er teilgenommen haben. Der Berliner liefert eine andere Erklärung

 13.01.2026

Nahost-Konflikt

Uni Jena lädt umstrittenen Publizisten Hoban wieder aus

Ein Vortrag des Vorsitzenden des unter Extremismusverdacht stehenden Vereins »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« an der Uni Jena ist abgesagt worden. Ein weiterer Vortrag wird verschoben Studierende reagierten unterschiedlich

von Matthias Thüsing  13.01.2026

Proteste im Iran

Merz rechnet mit baldigem Ende der iranischen Staatsführung

Kanzler Merz hat die Gewalt gegen friedliche Demonstranten im Iran bereits gestern mit scharfen Worten verurteilt. Jetzt geht er noch einen Schritt weiter

 13.01.2026

Erinnerungskultur

Bund fördert Projekte zu NS-Zeit und deutscher Teilung

Der Bund fördert in den kommenden Jahren neue Projekte in Gedenkstätten

 13.01.2026

Düsseldorf

Kunstakademie hält an Veranstaltung mit Terror-Sympathisantin fest

Das Jüdische Forum der CDU in NRW fordert die Streichung einer Veranstaltung mit Basma al-Sharif. Die Kunstakademie weist dies zurück und beruft sich auf die »international anerkannte künstlerische Arbeit« der Palästinenserin

von Imanuel Marcus  13.01.2026

Brüssel

Berlin drängt auf Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation

Ein Sprecher der Bundesregierung: »Wir sind für die Listung der Revolutionsgarden unter dem EU-Antiterror-Sanktionsregime.«

 13.01.2026

Kommentar

Iran-Politik: Zaudernde Zaungäste

In Brüssel heißt es, man beobachte die sich dramatisch zuspitzende Lage im Iran »aufmerksam«. Doch warum macht die EU ihren Einfluss auf das Mullah-Regime nicht geltend?

von Michael Thaidigsmann  13.01.2026

Bergen-Belsen

Bahn-Neubau: KZ-Gedenkstätte mahnt Abstand zu Gedenkort an

Die Bahn will voraussichtlich mit einem Neubau die Strecke zwischen Hamburg und Hannover ertüchtigen. An den Plänen gibt es auch Kritik. Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen sieht einen historischen Erinnerungsort in Gefahr

von Karen Miether  13.01.2026