Meinung

Ratlos gegen Rechts

Am Dienstag sind 20 Organisationen und Verbände mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Jugendministerin Kristina Schröder zusammengekommen, um ihr Vorgehen gegen Rechtsextremismus zu beraten. Doch viel Neues kam bei diesem »Spitzentreffen« nicht auf den Tisch. Vielmehr demonstrierte die Bundesregierung ihre völlige Ratlosigkeit, wie eine dem mörderischen Anlass angemessene und drängende Strategie gegen Rechts aussehen müsste.

Beide Politiker lobten sich selbst und was sie bislang geleistet hatten: die Verbunddatei, das Abwehrzentrum und die Programme gegen Rechtsextremismus. Friedrich kündigte an, dass sein Ministerium künftig verstärkt im Internet tätig sein werde. Und Frau Schröder wünschte sich ein »Kompetenzzentrum« zur Qualifizierung von Projekten. Das und die Arbeit mit »richtigen« Nazis, die bereits in der rechten Szene sind, wolle das Bundesjugendministerium selbst machen, denn hier müssten »jetzt Profis« ran, heißt es.

Gehör Dabei saß die Ministerin immerhin am Tisch mit der geballten Kompetenz der Repräsentanten der Zivilgesellschaft in Deutschland, einschließlich der Vertreter der Kirchen, der Zentralräte der Juden, der Sinti und Roma und der Muslime. Doch als verschiedene Anwesende einwandten, das von Schröder geplante Kompetenzzentrum würde nur weitere zwei Millionen Euro kosten, die dringend von anderen Projekten benötigt werden, fanden sie kein Gehör.

Die »Profis« vom Ministerium fragten die Anwesenden nicht, wie sie die Lage einschätzen und welche Ideen und Vorschläge sie haben. Und schon gar nicht, wo sie die Defizite sehen, die dazu beigetragen haben, dass die Zwickauer Terrorzelle den demokratischen Rechtsstaat so lange an der Nase herumführen konnte. Anstatt nun endlich den Rechtsextremismus ernst zu nehmen und Versäumnisse einzuräumen, offerierten die Minsterien nur das immer Gleiche.

In dem nun geplanten Kompetenzzentrum sollen die Ratlosen (die Ministerien) die Erfahrenen (die Zivilgesellschaft) beraten. Die Frage ist nur: Worin eigentlich?

Die Autorin ist Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung.

Parteien

Streit um Israel: Linke auf der Sandbank?

Die Linke ringt weiter über ihre Haltung zu Israel und zum Nahostkonflikt. Der Parteivorstand will mit einem Leitantrag für den Parteitag in Postdam im Juni den Streit befrieden. Doch auch eine Personalie sorgt für Diskussionen

 23.04.2026

Zukünftige Führung

Schah-Sohn Reza Pahlavi wirbt in Berlin für härteren Kurs gegen Mullahs

Reza Pahlavi sieht keine Reformer in der iranischen Führung und wirbt für einen politischen Wandel. Vor seinem Auftritt wurde er mit Tomaten beworfen

 23.04.2026 Aktualisiert

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon warnt: Räumung von Minen in Straße von Hormus könnte ein halbes Jahr dauern

Der Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus wird darüber informiert, dass Teheran mindestens 20 Minen in und um der wichtigen Meerenge platziert haben soll

 23.04.2026

China

Viraler Judenhass in China

Im Zuge des Iran-Kriegs nimmt der Antisemitismus im Diskurs der asiatischen Großmacht dramatisch zu. Eine Analyse

von Sven Benentreu  23.04.2026

Magdeburg

Landtag setzt mit Staatsvertrag Zeichen gegen Antisemitismus

Am 12. Dezember 2025 hatten das Land und die jüdischen Gemeinden Sachsen-Anhalt den geänderten Staatsvertrag unterzeichnet. Am Mittwochabend hat der Landtag den Vertrag beschlossen

 23.04.2026

Houston

Jüdisches Gemeindezentrum nach Drohungen geschlossen

Betroffen ist auch die Shlenker School, eine zur Gemeinde gehörende Gesamtschule. Das FBI und die Polizei ermitteln

 23.04.2026

Washington D.C.

Trump stellt neue Gespräche mit Iran noch in dieser Woche in Aussicht

Trump will die bestehende Feuerpause verlängern, bis die iranische Führung einen gemeinsamen Vorschlag vorlege. Wegen Machtkämpfen in Teheran ist dies offenbar komplizierter, als es klingt

 23.04.2026

Berlin

Geplanter Terroranschlag auf Juden: Generalstaatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen 23-jährigen Syrer

Die Hintergründe

 23.04.2026