Sanktionen

Rache der Mullahs

Dass der Iran und seine Verbündeten versuchen, Attentate gegen israelische und jüdische Ziele im Ausland zu verüben, ist nicht neu. Mit der jüngsten Anschlagsserie in Asien wurde dennoch ein neues Niveau der Feindseligkeit erreicht. Sie ist ein Spiegelbild des immensen Drucks auf das Régime in Teheran.

Die vergangene Woche war nicht leicht für Ramin Mehmanparast, den Sprecher des iranischen Außenministeriums. Nach den drei Attentatsversuchen auf israelische Diplomaten in Indien, Georgien und Thailand und der israelischen Anschuldigung, der Iran und seine Komplizen stünden dahinter, bestand Rechtfertigungsdruck. Bedeutet doch die Unterstützung terroristischer Aktionen durch einen Staat den Bruch internationalen Rechts.

»Die Zionisten«, behauptete Mehmanparast, hätten die Anschläge selbst verübt, »um den freundschaftlichen Beziehungen zwischen Iran und Thailand zu schaden«. Dasselbe gelte für die Terrorakte in Delhi und Tiflis. Auch Hisbollah‐Chef Hassan Nasrallah meldete sich zu Wort: »Ich versichere, dass die Hisbollah nichts damit zu tun hat«, sagte er. Dabei weisen alle Spuren Richtung Iran und der mit der Islamischen Republik verbündeten libanesischen Hisbollah.

dementi Die Motivation, israelische und jüdische Ziele im Ausland anzugreifen, besteht – das bestätigte Nasrallah noch mit seinem Dementi: »Solange Blut in den Adern irgendeines Hisbollah‐Mitglieds fließt, wird der Tag kommen, an dem wir den Mord an Imad Mughniyya rächen«, sagte er seinem Publikum und versprach, man werde nicht nur »irgendeinen« Israeli töten, sondern »hochwertige Ziele«.

Mughniyya, Generalstabschef der Hisbollah und Verbindungsoffizier zu den iranischen Revolutionswächtern, wurde vor vier Jahren in Damaskus in einer Geheimdienstaktion getötet, als eine Bombe in der Kopflehne des Fahrersitzes seines Geländewagens explodierte.

Mughniyya hatte jahrelang auf der Fahndungsliste Israels gestanden. Er galt als Terrorchef der Organisation und orchestrierte im Auftrag der Iraner Attentate in aller Welt. Seine bekanntesten Anschläge waren die Sprengung der israelischen Botschaft in Buenos Aires 1992 und des dortigen jüdischen Gemeindezentrums zwei Jahre später, bei denen insgesamt 114 Menschen ums Leben kamen.

Indizien Fast 20‐mal versuchten iranische Agenten oder Hisbollah‐Mitglieder seit 2008, israelische Ziele im Ausland anzugreifen. Zuletzt half Israels Auslandsgeheimdienst Mossad im Januar, ein Attentat in Thailand zu vereiteln, als er lokale Behörden auf den Libanesen Hussein Atris aufmerksam machte. Zuvor hatten Hinweise des Mossad Anschläge in Aserbaidschan und der Türkei verhindert.

So reihen sich die Ereignisse in Indien, Georgien und Thailand nahtlos in die Liste bisher gescheiterter Versuche ein. Dass sie zum Jahrestag von Mughniyyas Tod stattfanden, dient als Hinweis auf die Täterschaft Irans. Doch es gibt noch härtere Indizien. In Delhi heftete der Attentäter, der auf einem roten Motorrad fuhr, eine Magnetbombe an den Botschaftswagen – eine klare Anspielung auf die Morde an fünf iranischen Atomwissenschaftlern, die in Teheran zum Teil derselben Methode zum Opfer fielen. Der Iran macht Israel für diese Attentate verantwortlich.

dilettantismus Die stärksten Anhaltspunkte kommen aus Bangkok, wo drei Iraner verhaftet wurden. Die hatten nach thailändischen Quellen nicht nur löchrige Alibis, sondern waren zudem direkt aus dem Iran mit iranischen Pässen angereist, hatten Sprengstoff in ihrem Besitz, der dem in Delhi und Tiflis ähnelte, und planten, nach getaner Arbeit in den Iran heimzukehren.

Israelische Sicherheitsexperten sind hauptsächlich über den Dilettantismus der Iraner überrascht. Nicht nur, dass ihre Anschläge weitestgehend misslangen. Sie hatten sich zudem relativ »geringwertige« Ziele ausgesucht: In Tiflis hefteten sie eine Bombe an den Wagen eines georgischen Fahrers der Botschaft, in Delhi galt der Angriff Tal Jehuschua‐Koren, der Ehefrau des israelischen Militärattachés.

»Es ist ihnen anscheinend nicht gelungen, den Verlust Mughniyyas zu verkraften«, mutmaßte ein ehemaliger Geheimdienstler. Andere meinen, die Anschläge seien hastig geplant und ausgeführt worden, weil der Druck in Teheran gewaltig zugenommen habe. »Sie sind völlig überrascht davon, dass es US‐Präsident Barack Obama gelungen ist, einen internationalen Konsens gegen Teheran herzustellen und scharfe Sanktionen durchzusetzen«, sagt der Iranexperte Meir Javedanfar. Die Folgen der Sanktionen würden langsam spürbar.

Atomprogramm Daher das Angebot aus Teheran, die Gespräche über das iranische Atomprogramm mit Europa wiederaufzunehmen. Die Attentate verfolgten, so Javedanfar, zwei Ziele: »Ihnen geht es darum, nicht auf Knien zu den Gesprächen zu kommen, sondern als Macht mit Abschreckungspotenzial.« Europa, die USA und Israel sollten wissen, dass Teheran weltweit Rache üben könnte, falls es angegriffen werden sollte. Dazu passt die Drohung des Vizekommandeurs der Revolutionsgarden, General Mohammad Hejazi, der warnte, Iran werde einen Präventivschlag ausführen, falls seine Interessen bedroht würden.

Zum anderen gebe es laut Javedanfar auch eine innenpolitische Komponente: »Kurz vor den Parlamentswahlen im März muss Khamenei stark wirken und darf nicht als jemand erscheinen, der der Welt im Atomprogramm Zugeständnisse macht«, sagt der Iranexperte. Dabei sei Khamenei bereit, Risiken in Kauf zu nehmen – gefährdet die direkte Beteiligung von Iranern doch die strategischen Beziehungen zu den Ländern, in denen die Attentate verübt werden. Javedanfar ist überzeugt: »Aktionen mit solcher Tragweite müssen vom Revolutionsführer Ali Khamenei genehmigt werden.«

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