Mailand

Provokantes »Hitler mit Kufiya«-Mural bei israelfeindlicher Demonstration aufgetaucht

In Mailand stellt der Künstler Alexsandro Polombo mit einem »Hitler mit Kuffiyah«-Mural Antisemitismus von rechts und links auf eine Stufe. Foto: Alexsandro Polombo

Während landesweiter israelfeindlicher Demonstrationen in Italien ist in Mailand entlang der Route ein umstrittenes Wandbild des Künstlers Alexsandro Palombo aufgetaucht. Die Arbeit zeigt Adolf Hitler applaudierend mit einer Kufiya um den Hals und einer roten Armbinde mit der Aufschrift »Hate« (»Hass«). Italienische Medien wie »La Repubblica« berichteten, das Motiv sei an mehreren Stellen zu sehen gewesen.

Erstmals erschien das Bild auf der Piazza XXIV Maggio, dem Ausgangspunkt der Demonstration. Später tauchten weitere Versionen entlang der Strecke auf und prägten zeitweise das Straßenbild der Kundgebung.

Nach Angaben des Künstlers versteht sich die Aktion als Warnung vor wachsender gesellschaftlicher Radikalisierung und der zunehmenden Normalisierung antisemitischer Sprache im öffentlichen Raum. In einer Erklärung heißt es: »Die Intervention erinnert an die Mechanismen von Propaganda, Radikalisierung und der Normalisierung von Hass im gegenwärtigen öffentlichen Diskurs und lädt zu einer Reflexion über extreme Sprache und Dynamiken gesellschaftlicher Polarisierung ein.«

Extremistische Narrative

Palombo sieht in der Figur Hitlers ein Symbol für Entwicklungen, bei denen extremistische Narrative und antisemitische Ausdrucksformen wieder verstärkt gesellschaftliche Akzeptanz finden. Seine Aktion steht auch im Zusammenhang mit jüngsten Vorfällen bei politischen Demonstrationen in Italien.

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So war es bereits Ende April bei den Feierlichkeiten zum italienischen Befreiungstag zu Spannungen gekommen. Teilnehmer der Jüdischen Brigade sowie jüdische Demonstranten berichteten damals von Beschimpfungen und antisemitischen Parolen während des Protestzuges in Mailand.

Auch die Debatten rund um den israelischen Pavillon bei der Biennale in Venedig bilden den Hintergrund der neuen Kunstaktion. Dort hatten radikale, israelfeindliche Gruppen gegen die israelische Teilnahme protestiert. Nach Angaben aus Italien richteten sich Aktionen und Proteste dabei auch gegen israelische Persönlichkeiten, die sich für Dialog und Zusammenarbeit einsetzen.

Mehrfach vandalisiert

Palombo beschäftigt sich seit Jahren mit Antisemitismus, Holocaust-Erinnerung und Menschenrechten. Mehrere seiner Werke wurden in Mailand wiederholt beschädigt oder mit antisemitischen Parolen besprüht. Dazu zählen Arbeiten über Holocaust-Überlebende wie Edith Bruck, Liliana Segre und Sami Modiano.

Internationale Bekanntheit erlangte der Künstler unter anderem mit dem Werk »The Simpsons Go to Auschwitz«, das vor dem Schoa-Mahnmal in Mailand gezeigt wurde. Das Bild, das die Zeichentrickfamilie Simpsons bei der Deportation in ein Vernichtungslager zeigt, sollte vor dem Verlust historischer Erinnerung warnen. Auch dieses Werk wurde mehrfach vandalisiert.

Erst Anfang des Jahres hatte Palombo zudem ein Mural mit Primo Levi und Anne Frank veröffentlicht. Wenige Tage später wurde das Gesicht Levis beschädigt. Nach Angaben italienischer Medien hat die Zahl antisemitischer Angriffe auf Kunstwerke mit Holocaust-Bezug zuletzt deutlich zugenommen.

Die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete inzwischen, auch das neue Hitler-Mural sei kurz nach seinem Auftauchen beschädigt worden. im

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