Oranienburg

Prien: NS-Terrorgeschichte zeitgemäß vermitteln

Karin Prien (CDU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, besucht die Gedenkstätte Sachsenhausen. Foto: picture alliance/dpa

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat zur Entwicklung moderner und digitaler Vermittlungsangebote zur NS-Geschichte für junge Menschen aufgerufen. Dazu könne auch das in München geplante weltweit erste Yad-Vashem-Bildungszentrum außerhalb von Israel mit seiner Außenstelle in Leipzig beitragen, sagte Prien am Donnerstag. Ziel müsse dabei auch sein zu vermitteln, welch »unfassbares Privileg« es sei, heute in einem freien Land leben zu können, sagte Prien bei einem Besuch der brandenburgischen Gedenkstätte im ehemaligen NS-Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg.

Prien betonte zugleich die Bedeutung von NS-Gedenkorten. »Gedenkstätten sind authentische Orte, sie ermöglichen ein forschendes Lernen«, sagte sie. Sie machten es möglich zu begreifen, was der NS-Terror für die Menschen bedeutet habe, und zu erfahren, wie junge Menschen verführt und verblendet worden und Teil des nationalsozialistischen Systems geworden seien. Sie vermittelten, wie der NS-Terrorstaat aufgebaut wurde. Die Gedenkstätten seien von unschätzbarer Bedeutung für die Demokratiebildung.

Gegenentwurf zum NS-Staat

Die Bundesministerin sagte, Erinnerungsarbeit als »antifaschistischer Durchlauferhitzer« reiche nicht aus. Wichtig seien deshalb auch gute Konzepte für Schulen, Lehrerinnen und Lehrer. Es müsse besser gelingen zu vermitteln, dass mit dem deutschen Grundgesetz ein bewusster Gegensatz zum NS-Staat geschaffen worden sei.

Prien betonte, die Erinnerungsarbeit der Gedenkstätte Sachsenhausen zeige, wie die »Topographie des Terrors« in der Nähe von Berlin entstehen konnte. In Oranienburg nahmen die Nationalsozialisten wenige Kilometer nördlich von Berlin 1936 das KZ Sachsenhausen als Modell- und Schulungslager der SS in Betrieb. Ab 1938 war dort auch die Verwaltungszentrale sämtlicher NS-Konzentrationslager untergebracht.

Wert von Freiheit und Demokratie

Prien sagte, der Bund trage Verantwortung, die Gedenkstättenarbeit auch weiter zu finanzieren. Der freiheitliche Rechtsstaat stehe in der Verantwortung, dass junge Menschen den Wert von Freiheit und Demokratie verstehen. Prien wurde von Ministerpräsident Dietmar Woidke und Kulturministerin Manja Schüle (beide SPD) auf dem Rundgang begleitet.

Woidke sagte, es bleibe Verpflichtung, Gedenkorte für NS-Opfer zu erhalten und als Bildungsorte weiterzuentwickeln. Ziel sei, die Bildungsarbeit so zu verbessern, dass besonders Kinder und Jugendliche besser vom Wert der Demokratie überzeugt werden könnten. Es bleibe wichtig, dass junge Menschen einen Zugang zum »schwärzesten Kapitel« der deutschen Geschichte haben.

»Starkes Zeichen«

Gedenkstätten-Leiter Axel Drecoll wies im RBB-Inforadio auf massive Bildungslücken zur NS-Zeit hin. Er schloss nicht aus, dass es sich etwa bei rechtsextremen oder neonazistischen Eintragungen in Gästebüchern um Provokationen handele. »Es muss nicht immer eine Gesinnung dahinterstecken. Aber mit Sicherheit tut es das auch und das ist besorgniserregend«, sagte Drecoll. In der Regel wüssten Schüler wenig über Konzentrationslager und den Nationalsozialismus.

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