Budapest

Premier Peter Magyar will Schachlegende Judit Polgár als Präsidentin

Judit Polgar Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Ungarns Ministerpräsident Peter Magyar hat angekündigt, der jüdischen Schachgroßmeisterin Judit Polgár das Amt der Staatspräsidentin anzutragen. Die international bekannte Schachspielerin sei eine Persönlichkei, die das Land einen und über den politischen Lagern stehen könne, hieß es. Ungarische und israelische Publikationen berichteten.

Die Ankündigung erfolgte kurz nachdem der bisherige Präsident Tamás Sulyok eine Verfassungsänderung unterzeichnet hatte, mit der seine Amtszeit vorzeitig endet. Magyar hatte Sulyok, einen Vertrauten des früheren Regierungschefs Viktor Orbán, wiederholt aufgefordert zurückzutreten. Der Ministerpräsident wirft ihm vor, demokratische Grundsätze während der langjährigen Orbán-Regierung nicht ausreichend verteidigt zu haben.

»Unser Land braucht Einheit, Frieden und einen Präsidenten, auf den alle Ungarn stolz sein können«, schrieb Magyar auf Facebook. Das Amt des Staatspräsidenten sei »kein Beruf und kein Arbeitsplatz, sondern die höchste Form des öffentlichen Dienstes«. Der Präsident müsse »allen Ungarn dienen und sie vertreten«.

»Widerstandskraft und Integrität«

Nach Angaben Magyars ist Polgár von zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für das Amt vorgeschlagen worden. Er wolle sie persönlich treffen und fragen, ob sie bereit sei, die Aufgabe bis zur Verabschiedung einer neuen Verfassung zu übernehmen. »Für mich persönlich wäre es ein großes Privileg und eine enorme Ehre, wenn sie diese Bitte annehmen würde«, erklärte der Regierungschef.

Die in dieser Woche 50 Jahre alt werdende Polgár gilt als erfolgreichste Schachspielerin der Geschichte. Sie führte 26 Jahre lang die Weltrangliste der Frauen an und schaffte zugleich den Sprung unter die zehn besten Schachspieler der Welt. Die Großmeisterin gewann mehrfach die Schacholympiade, wurde mit dem ungarischen St.-Stephans-Orden ausgezeichnet und zuletzt zum Fellow des Christ’s College der Universität Cambridge gewählt.

Magyar würdigte Polgár als Persönlichkeit, deren Ansehen nicht auf politischen Beziehungen, sondern auf »außergewöhnlichem Talent, Fleiß, Widerstandskraft und Integrität« beruhe. Ihre Erfolge hätten ihr sowohl in Ungarn als auch international Respekt verschafft.

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Inspirationsquelle für »Das Damengambit«

Sollte Polgár das Angebot annehmen und vom Parlament gewählt werden, wäre sie die erste ungarische Staatspräsidentin mit einer Karriere im Schachsport und zugleich eine der prominentesten jüdischen Persönlichkeiten, die jemals das höchste Staatsamt des Landes bekleidet haben. Polgár besiegte in ihrer Laufbahn unter anderem die früheren Schachweltmeister Garri Kasparow und Anatoli Karpow und galt als eine der Inspirationsquellen für die Erfolgsserie »Das Damengambit«.

Ihre Verbundenheit mit dem Judentum hatte Polgár erst im Februar in einem Interview hervorgehoben. »Ich bin sehr stolz darauf, Jüdin zu sein«, sagte sie damals. Mit Blick auf Israel erklärte sie: »Ich weiß, wie schwierig die Lage für uns derzeit ist, und ich bin in Gedanken sehr bei euch dort in Israel.«

Magyars Vorstoß fällt in eine Phase tiefgreifender politischer Veränderungen in Ungarn. Nach seinem Wahlsieg im April verfügt seine Mitte-rechts-Partei Tisza über eine Zweidrittelmehrheit im Parlament und kann damit die Verfassung ändern. Zu den ersten Reformen gehörte eine Begrenzung der Amtszeit des Ministerpräsidenten auf insgesamt acht Jahre. im

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