Im Roman »Teherangeles« der iranisch-amerikanischen Autorin Porochista Khakpour passieren ganz viele urkomische Dinge – beispielsweise möchte eine der Protagonistinnen super offiziell und rechtlich ihr Sternzeichen ändern. Zwilling zu sein und im Juni geboren worden zu sein, hat ihr bisher kein Glück gebracht. Das soll sich jetzt ändern. Ein anderer und selbstgewählter Geburtstag soll ihr nun Glückswege bereiten. Als Leser lässt einen dieses Buch Tränen lachen.
Porochista Khakpours Roman »Teherangeles«
Khakpour ist politisch hochgradig problematisch – sehr antiamerikanisch, sehr feindlich gegenüber Israel eingestellt und immer wieder bedient sie auch Narrative der iranischen Diktatur –, und mit diesen extremen Positionen zeigt sie in ihrem literarischen Werk als Satire eine Überzeichnung von iranischen Charakteren, die mit der Realität wenig bis gar nichts zu tun haben. Ganz so, als wollte sie alles Iranische ablehnen. Was vielleicht ein Teil ihrer eigenen Identität ist, ist in jedem Fall ein Teil ihrer Fiktion.
Daran muss man unweigerlich denken, wenn man sich die beiden aktuellen Instagram-Videos der Deutschen Botschaft im Iran ansieht. Es ist Realitätsverweigerung pur. Realsatire aus einem Land, das es gar nicht gibt.
Der neue deutsche Botschafter spricht in sehr schlechtem Farsi über Bergwanderungen, mit Safran und Zucker gesüßten Tee, persisches Essen und die Freundlichkeit der Iraner – ganz so, als würde man gerade eine gute Zeit auf einer griechischen Insel verbringen.
Das mit der islamofaschistischen Diktatur ist halt ein bisschen schade, aber was soll man als Diplomat dagegen tun? Viel wichtiger ist doch, dass die U-Bahn in der iranischen Hauptstadt modern ist. Nein, hochmodern!
Ironie aus. Beide Videos strotzen vor kulturellen und politischen Fehleinschätzungen – die Proteste im Januar dieses Jahres und der Angriff auf das iranische Regime werden irgendwie gleichgesetzt, indem der Botschafter »alle zivilen Opfer bedauert«. Im Zuge der bisher größten zivilgesellschaftlichen Demonstrationen sind innerhalb weniger Stunden in zwei Nächten zehntausende, vor allem junge Iraner durch die islamischen Revolutionsgarden ermordet worden. Im amerikanisch-israelischen Angriff auf das Regime der Ayatollahs und Revolutionsgarden hingegen sind beide Länder über sich hinausgewachsen, um die Zahl der zivilen Opfer so gering wie möglich zu halten.
Seit Monaten schon befindet sich, was von dieser Diktatur noch übrig ist, in einem Blutrausch und richtet Irans Jugend täglich hin – das findet keinerlei Erwähnung im Video des Botschafters. Keine Erwähnung, keine Verurteilung – dafür blanke Ignoranz gegenüber den Menschenrechten der Iraner.
Kennen wir irgendetwas anderes von der deutschen Iranpolitik? In kaum einem anderen Ministerium kommen so viele destruktive Konstanten zusammen wie im Auswärtigen Amt: Besessenheit von Handel, Verachtung für Menschen- und Bürgerrechte, viel Beschwichtigung gegenüber Despoten und das kontinuierliche Brüskieren unserer demokratischen Verbündeten.
Zudem fehlt es dort auch an strategischem Denken und Multitasking. Nachdem im Februar 2022 die deutsche Russlandpolitik durch den Angriff Putins auf die souveräne Ukraine in Trümmern lag, hätte man mit Selbstkritik auf die deutsche Iranpolitik blicken und diese mit einer substanziellen Kurskorrektur verändern können – ja, müssen.
Man würde sich wünschen, dass die peinliche Realität dieser Instagram-Videos Fiktion wäre wie der Roman von Poroochista Khakpour. Man fragt sich aber in dieser bitteren Wirklichkeit in einem Ministerium, das so hierarchisch strukturiert ist und in dem so mancher Diplomat noch nicht mal selbst entscheidet, ob ein Papier von links nach rechts geschoben wird, wer ein solches schlechtes Theater eigentlich absegnet.
Die Autorin ist freie Publizistin und lebt in Berlin.