Meinung

Polnische Sorgen und jüdische Ängste

Alan Posener Foto: Michael Brunner

Als Polens Staatspräsident Lech Kaczynski vor fünf Jahren starb, schrieb diese Zeitung, die »jüdische Welt« betrauere den »Tod eines Versöhners«. Nun, da Kaczynskis Partei unter der Führung seines Zwillingsbruders Jaroslaw die Wahlen gewonnen hat, erscheinen allenthalben Artikel über den Antisemitismus der neuen Regierung. Zu Recht?

Lech Kaczynski besuchte als erster polnischer Staatspräsident eine Synagoge. In seiner Amtszeit wurde der Grundstein für das Jüdische Museum in Warschau gelegt. Mehrfach entschuldigte er sich für die von Polen begangenen Verbrechen an Juden. Er begrüßte das neue jüdische Leben in Polen und intensivierte die Beziehungen zu Israel. Antisemiten sehen anders aus.

kommunisten Etwa wie die Kommunisten, die nach dem Sechstagekrieg 1967 und den Unruhen von 1968 eine Hetzkampagne gegen die »zionistische fünfte Kolonne« starteten, die viele Juden in die Emigration trieb. Heute werden im Zusammenhang mit dem Antisemitismus die katholische Kirche und Kaczynskis Partei »Recht und Gerechtigkeit« (PiS) genannt, nicht aber das Erbe kommunistischer Propaganda. Die Belege für den Antisemitismus der PiS sind auch recht dünn.

Verteidigungsminister Antoni Macierewicz zitierte vor Jahren in einem Interview – von dem er sich inzwischen distanziert hat – zustimmend die Protokolle der Weisen von Zion. Im Zusammenhang mit der Absicht der Regierung, ausländische Investoren aus den Privatmedien zu drängen, wird auch im PiS-Umfeld über den »jüdischen Einfluss« geraunt. Jedoch sind die meisten Investoren Deutsche, etwa Axel Springer. (Dem freilich auch hierzulande von Links und Rechts vorgeworfen wird, zu israelfreundlich zu sein.) Polens »Antisemiten glauben, dass die neue Regierung sie unterstützen wird«, sagte der Oberrabbiner Michael Schudrich der »Jerusalem Post«. Er sei jedoch »überzeugt, dass das nicht der Fall ist«.

Skepsis Man sollte auf ihn hören. Die neue Regierung ist zwar nationalistisch, fremdenfeindlich und europaskeptisch. Sie bedient polnische Ängste gegen die großen Nachbarn Deutschland und Russland. Diese sind allerdings nicht völlig unbegründet. Deutschlands Gasgeschäfte mit Russland über die Köpfe der Polen und Ukrainer hinweg stoßen nicht nur in der PiS auf Unverständnis. Berlin und Brüssel müssen zeigen, dass polnische Sorgen und Interessen ernst genommen werden. Das ist das beste Mittel gegen antideutsche, antieuropäische und antisemitische Stimmungen im Land.

Der Autor ist Publizist und Kolumnist der »Welt«-Gruppe.

Deutschland

Stolperstein-Verbot in Heidenau löst bundesweite Debatte aus

In der sächsischen Stadt Heidenau sollen keine Stolpersteine zum Gedenken an NS-Opfer mehr verlegt werden. Die Bildungsministerin spricht von einem Skandal

von Paula Konersmann  27.09.2026

Wissenschaft

Auf dem Trockenen?

Dürre, Wassermangel, Hitzewellen: Nach diesem Sommer fragen sich immer mehr Menschen, wie wir dem Klimawandel trotzen können. Ein Blick nach Israel könnte helfen

von Gidon Bromberg  27.09.2026

Meinung

KI-Warnung: ehrlich oder eigennützig?

Wenn Künstliche Intelligenz wirklich so gefährlich zu werden droht, wäre nicht freiwillige Zurückhaltung, sondern internationale Kontrolle die richtige Antwort

von Elke Wittich  27.09.2026

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

Berlin

Söder warnt SPD und Grüne vor Koalition mit Linkspartei

Nach der Wahl in Berlin mit dem Sieg der Linkspartei ist noch immer unklar, wer künftig regieren wird. Der CSU-Chef hat eine klare Erwartung für den Umgang mit dem Wahlsieger

 25.09.2026

Kassel/Heidenau

Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten

Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Initiator der Gedenksteine, Gunter Demnig, warnt vor Unsichtbarkeit der NS-Opfer und will weitermachen

 25.09.2026

Berlin

Schuster: Seit Hamas-Angriff kaum Kontakte zu muslimischen Verbänden

Er hat muslimische Freunde. Doch offizielle Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und muslimischen Verbänden gibt es kaum noch. Der Zentralratspräsident kritisiert dies und hofft auf Besserung

 25.09.2026

USA

Rennpferd muss wegen Hitler-Bezug umbenannt werden

Der Jockey Club erhält eine formale Beschwerde, woraufhin der Name des Tieres verboten wird. Wie hieß das Pferd? Und wie heißt es jetzt?

 25.09.2026

New York

Susan Sarandon bei Demo gegen Israel festgenommen

Zwei Proteste gegen Israel fanden während der Rede von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UNO statt. Bei einer davon wurde zum Mord an ihm aufgerufen

 25.09.2026