Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Daniel Fabian, Polizeirabbiner des Landes Sachsen-Anhalt Foto: picture alliance/dpa

Daniel Fabian, Polizeirabbiner in Sachsen-Anhalt, sieht die anstehenden Landtagswahlen mit Skepsis. »Das Erstarken der AfD sollte jedem Menschen Sorgen machen«, sagte er am Donnerstag . »Sollten wir eine AfD-Regierung bekommen, würde sich auch für die jüdische Gemeinschaft einiges ändern. Deutschland würde sich anders entwickeln als in den Jahrzehnten nach dem Krieg.«

Fabian ist einer von drei Polizeirabbinern in der Bundesrepublik. Vor fünf Jahren, am 23. August 2001, wurden in Baden-Württemberg die bundesweit ersten beiden Polizeirabbiner in ihr Amt eingeführt. 2022 zog Sachsen-Anhalt nach. Die Rabbiner sollen bei der polizeilichen Ausbildung mitwirken, indem sie Wissen über das jüdische Leben in Deutschland vermitteln.

Persönliche Begegnung wichtig

»Die persönliche Begegnung ist am wichtigsten, um zu zeigen, dass Juden ganz normale Mitbürger sind«, sagte Fabian, der auch Landesrabbiner der jüdischen Gemeinde Sachsen-Anhalt ist. Dabei sei die Situation in Ostdeutschland »noch einmal sehr besonders«. Juden gebe es hier auf dem Land nur wenige.

Lesen Sie auch

»Die Wahrscheinlichkeit zum Beispiel in Stendal einem Juden zu begegnen, ist sehr gering. Hier beziehen die Menschen ihre Informationen über jüdisches Leben deshalb hauptsächlich aus den Medien«, sagte er. »In Berlin, wo ich auch wohne, ist das anders.« Hier begegne man sich eher - in der Schule zum Beispiel.

Seit dem 7. Oktober 2023 und dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel sowie dem anschließenden Krieg Israels gegen Gaza steige in Deutschland der Antisemitismus. Dies sei allerorten zu spüren, sagt Fabian.

Auf Augenhöhe miteinander reden

Ein angemessener Umgang sei deshalb besonders entscheidend. »Extremisten gibt es in jeder Religion«, so Moshe Flomenmann, Polizeirabbiner in Baden-Württemberg. »Du kannst glauben, was du willst, ich kann glauben, was ich will; wichtig ist, dass wir auf Augenhöhe miteinander reden, Freunde bleiben. Wir müssen uns nicht lieben, aber wir müssen uns gegenseitig akzeptieren.«

Polizeirabbiner Fabian erklärte: Seine Großmutter habe Auschwitz überlebt, und zahlreiche weitere Verwandte seien im Holocaust ermordet worden. »Als deutscher Jude muss man Juden weltweit immer erklären, warum man ausgerechnet in Deutschland lebt«, sagte er. Sollte die AfD gewinnen - die Rechtfertigung seines Lebens in Deutschland würde ihm zunehmend schwerer fallen.

Ilse Aigner lacht und applaudiert in einer Menschenmenge

Bundespräsidentenwahl

Aigner wird zur Kandidatinnen-Kür in Berlin erwartet

Nach ihrer offiziellen Vorstellung in Berlin reist Ilse Aigner am Montag mit Merz und Söder nach München – zum Festakt für 20 Jahre Hauptsynagoge Ohel Jakob

 08.11.2026

Berlin

Mann ersetzt Deutschlandflagge vor dem Reichstag durch Palästina-Flagge

Ein 22-Jähriger kletterte den fast 30 Meter hohen Mast auf dem Platz der Republik hinauf. Der Staatsschutz ermittelt

 08.11.2026

Ideologie

Wer darf jüdische Geschichte deuten?

Wie das progressive Milieu jüdische Identität neu definiert und Juden zu Privilegierten und Unterdrückern erklärt

von Gunda Trepp  08.11.2026

Kirsten Fehrs

Regierungsbildung in Berlin

EKD-Ratsvorsitzende fordert klare Abgrenzung von Antisemiten

Der Umgang der Linken mit ihrer Abgeordneten Vanessa Emde sorgt seit Wochen für Diskussionen. Welche Maßstäbe legt die EKD bei Antisemitismus an Parteien an?

 08.11.2026

Antisemitismus

»WerteInitiative« startet Kampagne gegen Judenhass

Antisemitismus als Chamäleon: Der Verein WerteInitiative will mit einer neuen Medienkampagne auf blinde Flecken beim Kampf gegen Judenhass aufmerksam machen

 08.11.2026

Josef Schuster

EKD-Synode

Zentralratspräsident: 9. November mahnt zu Widerspruch

Antisemitische Witze, rassistische Sprüche – auch im Bekanntenkreis sollte das aus Sicht von Zentralratspräsident Schuster nicht unwidersprochen bleiben. Der Würzburger Bischof Jung sieht Kirchen in der Verantwortung

 08.11.2026

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  08.11.2026

Bankenviertel in Riad

Konflikt mit Saudi-Arabien

Huthi greifen Wolkenkratzer im Zentrum von Riad an

Die fast täglichen Angriffe der Huthi hinterlassen große Kratzer am Image Saudi-Arabiens als sicherer Ort für Geschäfte und Tourismus. Jetzt wird der Geschäftsbezirk von Riad getroffen

 08.11.2026

Vanessa Emde

Regierungsbildung in Berlin

Linke Emde weist Rückzugsforderung des Vorstands zurück

Die Berliner Linke-Abgeordnete Vanessa Emde soll ihr Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus zurückgeben, so fordert es der Landesvorstand. Jetzt äußert sich Emde dazu – mit einer klaren Antwort

 08.11.2026