Meinung

Polen bleibt koscher

Maram Stern Foto: Marco Limberg

Meinung

Polen bleibt koscher

Das Schächt-Urteil des Warschauer Verfassungsgerichts ist wegweisend für Europa

von Maram Stern  15.12.2014 19:14 Uhr

Das polnische Verfassungsgericht hat in der vergangenen Woche ein klares und eindeutiges Urteil gefällt: Koscheres Schlachten ist in der Republik Polen auch dann erlaubt, wenn eine große Mehrheit der Bevölkerung dafür kein Verständnis hat. Es ist ein Grundrecht.

Erstritten hat dieses wichtige Urteil der Jüdische Gemeindebund Polens. Sein Gang dorthin war auch notwendig. Im Juli 2013 nämlich hatte der Sejm, das polnische Parlament, mit deutlicher Mehrheit einen Gesetzentwurf der Regierung abgelehnt, der das Schächten weiterhin erlauben sollte. Dieser Parlamentsentscheidung war eine öffentliche Debatte vorausgegangen, in der von vielen Diskussionsteilnehmern mit Verve, mit Ressentiments und leider auch mit wenig Sachkenntnis das rituelle Schlachten von Tieren abgelehnt wurde.

europa Für die jüdischen Gemeinden des Landes stand sehr viel auf dem Spiel, und sicher sein konnten sich die polnischen Juden nicht. Mit entsprechender Spannung war das Urteil des Verfassungsgerichts erwartet worden. Noch vor zwei Jahren hatte dasselbe Gericht eine Ausnahmeregelung des Landwirtschaftsministeriums für das Schlachten ohne vorherige Betäubung aus verfahrensrechtlichen Gründen für nichtig erklärt. Damit war de facto das koschere Schlachten in Polen verboten.

In seinem jüngsten Urteil nimmt das Gericht jedoch ausdrücklich Bezug auf die Europäische Menschenrechtskonvention, die von 47 europäischen Staaten ratifiziert worden ist. Die dort verankerte Freiheit der Religionsausübung schützt zentrale religiöse Traditionen, zu denen das Schächten ja zählt. Diese Konvention gilt in ganz Europa.

erfolg Polens jüdische Gemeinde hat mit diesem Urteil einen Erfolg errungen, der über die Grenzen des Landes hinauswirken wird. Die Gemeinden haben nun angekündigt, in die Offensive zu gehen und darüber aufzuklären, warum koscheres Schlachten nichts mit Tierquälerei zu tun hat. Denn auch dies hat das Verfassungsgericht in seiner Urteilsbegründung deutlich gemacht: Es fehlt jeglicher wissenschaftliche Nachweis, dass eine direkte und schnelle Tötung des Schlachttieres, wie sie der jüdische Ritus vorschreibt, schmerzhafter ist als eine langsame mit vorheriger Betäubung.

Das polnische Verfassungsgericht hat ein wegweisendes Urteil gesprochen. Es steht zu hoffen, dass es in Europa Schule macht und damit die ständigen Versuche, das Schächten unter Strafe zu stellen, zum Scheitern verurteilt sind.

Der Autor ist Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses.

Terror

Berlin am Tag zwei nach dem CSD-Anschlag

Nach dem CSD-Anschlag: Kanzler Merz kündigt Konsequenzen an, Herkunft des Todesopfers bekannt, verletzten Opfern geht es besser

 27.07.2026

Berlin

Neuköllns Integrationsbeauftragte: Härter gegen Islamismus vorgehen

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag am Rande des CSD in Berlin erklärt Güner Yasemin Balci, dass es in ihrem Bezirk sowohl mit Homophobie als auch mit Islamismus ein massives Problem gebe

 27.07.2026

New York

Angehörige von Opfern des 11. September wollen Mamdani von Gedenkfeier ausschließen

Die Betroffenen werfen dem Politiker vor, sich in der Vergangenheit nicht ausreichend von Terrorismus distanziert zu haben

 27.07.2026

Teheran

Chamenei bekräftigt Unterstützung für Hisbollah

Es gebe »keinen anderen Weg als Dschihad und Widerstand« gegen Israel, sagt der Oberste Führer

 27.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Berlin

Felix Klein: »Brandmauer muss aufrechterhalten werden«

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung wendet sich gegen eine Öffnung der CDU zur AfD. Zur Begründung nennt er das AfD-Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt

 27.07.2026

Seattle

Drei Tote und mehrere Verletzte bei Schießerei auf Foodfestival

Unter den Verletzten ist ein zweijähriges Kind. Bürgermeisterin Katie Wilson: »Betroffene Familien erleben den schlimmsten Moment ihres Lebens.«

 27.07.2026

Nahost

USA setzen Angriffe auf Iran vorerst aus – Raum für neue Verhandlungen

Der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz sagt, Washington schließe eine erneute militärische Eskalation keineswegs aus

 27.07.2026