Interview

»Per Gesetz diskriminiert«

Frau Ebadi, das Purimfest erinnert Juden an die Errettung vor der Vernichtung in Persien. Wie ist heute die Lage der Juden im Iran?
Juden werden per Gesetz diskriminiert. Sie verfügen nicht über dieselben Rechte wie muslimische Iraner. Dies gilt auch für Bahai und andere religiöse Minderheiten im Iran. Es herrscht dort eine Despotie.

Im Iran lebt nach Israel die größte jüdische Gemeinschaft im Nahen Osten. Wie frei ist sie dort?
Solange die Juden sich nicht kritisch über das Regime äußern, können sie relativ frei von irgendwelchen äußeren Einmischungen ihr Leben führen. Aber auch nur dann.

Warum verlassen angesichts ihrer Lage nur wenige das Land?
Juden leben seit über 2500 Jahren im Iran. Sie sind also schon weit länger dort als die Muslime. Seine Heimat zu verlassen, fällt niemandem leicht – schon gar nicht, wenn man sein Land so sehr liebt, wie es die iranischen Juden tun.

Im Juni finden im Iran Präsidentschaftswahlen statt. Mahmud Ahmadinedschad darf nicht erneut kandidieren. Gibt es Anzeichen für einen politischen Wechsel?
Leider nein. Die Politik entwickelt sich keineswegs in Richtung Demokratie, Frieden und Freiheit. Im Iran hat es keine freien Wahlen gegeben, und dies wird auch bei den bevorstehenden Wahlen nicht der Fall sein. Jüngst wurden zum Beispiel zahlreiche Journalisten festgenommen, weil sie angeblich gegen die nationale Sicherheit des Landes verstoßen haben. Mit diesem Akt der Gewalt will das Regime kritische Stimmen zum Schweigen bringen.

Nach den Fälschungen bei den Wahlen 2009 kam es zu einem Aufstand gegen das Regime. Wie wahrscheinlich ist es, dass es auch diesmal zu Protesten kommt?
Das ist im Moment schwer mit abschließender Gewissheit vorauszusagen. Die Situation im Iran ist derart zugespitzt, dass es auch zu unvorhergesehenen Protesten kommen kann. Fest steht, dass das Regime alles unternimmt, damit es nicht erneut zu einer Protestbewegung wie der »Grünen Revolution« im Jahr 2009 kommen kann.

Wie weit gehen die Mullahs dabei?
Sie erzeugen ganz bewusst ein Klima der Angst. Die vor Kurzem verhafteten Journalisten sind kein Einzelfall. Im berüchtigten Foltergefängnis Evin in Teheran, in das die Mullahs auch mich einsperrten, sitzen unzählige ganz und gar unschuldige Bürger, die lediglich wegen ihrer politischen Äußerungen und Ansichten inhaftiert worden sind.

Ist es für Sie persönlich noch möglich, in den Iran zu reisen?
Mir geht es darum, wo ich für die Einhaltung der Menschenrechte im Iran mehr erreichen kann. Dies ist für mich eher im Ausland möglich. Ich lasse mich vom Regime nicht einschüchtern. Ich werde weiterkämpfen.

Mit der iranischen Friedensnobelpreisträgerin sprach Philipp Peyman Engel.

Übersetzung: Aboulghasem Zamankhan

Texas

»Ich bin gegen zionistische Juden«: Schwere Vorwürfe gegen Kandidatin der Demokraten

Maureen Galindo will ein »Gefängnis für amerikanische Zionisten« einrichten

 26.05.2026

Förderung

Bundesrechnungshof rügt Auswärtiges Amt wegen Geld für Islamic Relief

Islamic Relief Deutschland präsentiert sich als humanitäre Hilfsorganisation. Und erhielt Förderung des Auswärtigen Amtes. Der Bundesrechnungshof rügt das: Es gebe Verbindungen zur Muslimbruderschaft

von Christoph Arens  26.05.2026

Mexiko-Stadt

Mexiko nimmt iranische Nationalmannschaft während der WM auf

Präsidentin Claudia Sheinbaum sagt, die USA hätten angefragt, ob die Iraner in ihrem Land übernachten könnten. »Und wir haben gesagt: Ja, ohne Problem, wir haben damit überhaupt kein Problem.«

 26.05.2026

Teheran

Irans Präsident ordnet Freischaltung des Internets an

Während des Krieges wollte das Regime offenbar verhindern, dass Berichte, Bilder über das Ausmaß der Kriegsschäden sowie über die Stimmung im Land in sozialen Medien verbreitet werden

 26.05.2026

Bilbao/Wien

Festnahmen und Tumulte um Gaza-Flottillen-Aktivisten in Spanien und Österreich

Teils chaotische Szenen mit Rangeleien und dem Einsatz von Gewalt durch Sicherheitskräfte werden von den Flughäfen in Bibao und Wien gemeldet

 26.05.2026

Dresden

Wegen Betrugs und Geldwäsche: Bewährungsstrafe für Rabbiner

Das Amtsgericht Dresden hat sein Urteil gesprochen: Ein 41-jähriger Rabbiner wurde der Beihilfe zum Betrug für schuldig befunden

 26.05.2026

Nahost

USA greifen iranische Ziele an

Das US-Zentralkommando spricht von begrenzten Einsätzen, die »vorerst abgeschlossen« worden seien. Derweil warnt Außenminister Rubio das Teheraner Regime

 26.05.2026

Washington D.C.

Trump drängt auf Ausweitung der Abraham-Abkommen als Teil eines Iran-Deals

Der Präsident schreibt: »Nach all der Arbeit der Vereinigten Staaten, dieses sehr komplexe Puzzle zusammenzufügen, sollte es verpflichtend sein, dass all diese Länder mindestens gleichzeitig die Abkommen unterzeichnen.«

 26.05.2026

Interview

»Als Nichtjude etwas beitragen«

Michael Roth (SPD) über einen Pin gegen Antisemitismus, hasserfüllte Kommentare und Rückhalt

von Sophie Albers Ben Chamo  24.05.2026