Berlin

»Ort der Begegnung und Auseinandersetzung«

Möglicher Standort für Deutsch-Polnische haus: Anhalter Bahnhof in Berlin-Kreuzberg Foto: imago/Jürgen Ritter

Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten haben bislang einen Aufruf für einen Ort der Erinnerung an den deutschen Vernichtungskrieg gegen Polen unterzeichnet. Darunter seien Vertreter aller Fraktionen mit Ausnahme der AfD, wie der Grünen-Abgeordnete Manuel Sarrazin als einer der Initiatoren dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. Bislang haben sich dem Aufruf 264 von 709 Bundestagsabgeordneten angeschlossen.

Die zum 80. Jahrestag des Überfalls auf Polen im vergangenen September gestartete Initiative wirbt für »einen Ort der Begegnung und Auseinandersetzung«, um an Krieg und Besatzung zu erinnern und um Deutsche und Polen zusammenzubringen. Vorschläge für eine konkrete Ausgestaltung enthält der Aufruf nicht. Initiatoren sind neben Sarrazin die Abgeordneten Paul Ziemiak (CDU), Dietmar Nietan (SPD), Thomas Nord (Linke) und Alexander Müller (FDP).

initiative Der Aufruf stehe nicht im Gegensatz zu der bereits im November 2017 bekannt gewordenen zivilgesellschaftlichen Initiative für ein Polen-Denkmal am früheren Anhalter-Bahnhof in Berlin, sagte Sarrazin weiter. Vielmehr sei er als Ergänzung zu sehen.

Zu den Initiatoren für ein »Polen-Denkmal in der Mitte Berlins« gehören die Ex-Bundestagspräsidenten Rita Süssmuth (CDU) und Wolfgang Thierse (SPD), der ehemalige Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, und der ehemalige Direktor des Deutschen Polen-Instituts, Dieter Bingen. Ende Januar fanden sich 137 Unterzeichner auf der Unterstützerliste, darunter auch Abgeordnete, die den Aufruf im Bundestag unterschrieben haben. Mit dem Denkmal soll an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung zwischen 1939 und 1945 erinnert werden.

Der Berliner Historiker Wolfgang Benz warnt dagegen vor einer Nationalisierung des Gedenkens. »Eine Nation mit einem Denkmal hervorzuheben, das zieht weitere Forderungen anderer nach sich«, sagte Benz dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Benz betonte, eine Würdigung der Opfer des deutschen Vernichtungskrieges im Osten, insbesondere in Polen und der Sowjetunion, sei dringend geboten. Allerdings bestehe mit der Initiative für ein Polen-Denkmal »die Gefahr einer Nationalisierung des Gedenkens«. So gebe es auch bereits die Forderung nach einem Ukraine-Denkmal.

aufklärung Benz plädiert dafür, das »Gedenken durch Denkmale« durch den Bau eines Dokumentationszentrums über die deutsche Besatzungsherrschaft in Europa zwischen 1939 und 1945 zu ergänzen. Dies könne ein »Ort der historischen Aufklärung und der Bildung für Menschen aus allen europäischen Staaten werden«.

Benz, der auch Sprecher des Beirates der Stiftung Denkmal der ermordeten Juden Europas ist, hofft auf einen entsprechenden Beschluss des Bundestages mit Blick auf den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai. Erste positive Signale habe er aus mehreren Fraktionen erhalten.

Die Bundeszentrale für politische Bildung lädt für Dienstag (18. Februar) zu einer Podiumsdiskussion über das Thema nach Berlin ein. Sie steht unter der Fragestellung »Wie weiter mit dem Gedenken an die Opfer der deutschen Besatzung in Polen?«.  epd

Offener Brief

Lieber Heinz Rudolf Kunze, ...

Malca Goldstein-Wolf schreibt dem Sänger Heinz Rudolf Kunze einen Offenen Brief, denn was sie von ihm im Fernsehen hörte, machte sie fassungslos

 12.08.2026

Die iranische Atomanlage Fordo vor den amerikanischen Angriffen

Iranisches Atomprogramm

Fordo: Der Mossad war da

Yossi Cohen leitete den israelischen Auslandsgeheimdienst von 2015 bis 2021. Unter seiner Ära hätten israelische Spione die iranische Atomanlage Fordo mehrmals in Augenschein genommen

 12.08.2026

Meinung

Warum die Begründung des OLG Zweibrücken nicht überzeugt

Der Beschluss des Pfälzischen Oberlandesgerichts zur Gleichsetzung von Davidstern und Hakenkreuz zeigt, wie die bestehende Dogmatik angesichts des Anstiegs des Antisemitismus in der Gesellschaft an Grenzen stößt

 12.08.2026

Kommentar

UNRWA: Fakten statt Tabus

Warum Kritik am Palästinenserhilfswerk auf Schweigen und Ablehnung stößt

von Duki Dror  12.08.2026

Nordhessen

Vier Meter großes Hakenkreuz in Asphalt gebrannt

Die Polizei sucht nun nach den Täter, der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen

 12.08.2026

Judenhass

Tourist mit Kippa in Rom zweimal attackiert

Antisemitische Vorfälle in Italien nehmen seit Jahren zu. Nun wurde ein junger Tourist in der Hauptstadt gleich zweimal angegriffen. Er trug eine Kippa

von Severina Bartonitschek  12.08.2026

Vorfall

»Hitler« und »Freies Palästina«: Jüdisches Gebetbuch antisemitisch beschmiert

Ein Mitarbeiter des deutsch-jüdischen Vereins »WerteInitiative« bestellte einen Machsor für die anstehenden Feiertage – doch als er ihn zu Hause öffnete, fand er darin eindeutige Schmierereien

von Mascha Malburg  12.08.2026

Tel Aviv/Gaza/Brüssel

Israel verlängert zwei EU-Missionen in Palästinensergebieten

Die EU hilft bei der Ausbildung palästinensischer Polizisten und der Überwachung des Rafah-Grenzübergangs. Beide EU-Missionen können nun aus Sicht Israels bis 2027 weitergehen

von Cindy Riechau  12.08.2026

Nahost

Abbas zu Gesprächen mit Erdoğan in Ankara

Der Palästinenserpräsident will sich zwei Tage in der Türkei aufhalten. Israels Finanzminister Smotrich fordert Netanjahu auf, Abbas die Rückkehr zu verweigern

 12.08.2026