Olympia-Attentat

Opfer-Familien kommen nicht zu Gedenkfeier

Ankie Spitzer bei der Gedenkfeier im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck anlässlich des 40. Jahrestags des Olympia-Attentats Foto: imago sportfotodienst

Die Familien der Opfer des Münchner Olympia-Massakers von 1972 wollen die offizielle Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Terroranschlags boykottieren. Das geht aus einem Brief hervor, den die Witwen der ermordeten israelischen Athleten an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geschickt haben.

In dem »Bild« (Freitag) vorliegenden Brief schreiben Ankie Spitzer und Ilana Romano in Vertretung aller Opferfamilien, dass sie die Einladung zur Gedenkfeier am 5. September in München ablehnen. Begründung: »50 Jahre Schmähung, Lügen, Erniedrigung und Abweisung durch die deutsche Regierung und insbesondere bayerische Behörden sind mehr als genug für uns.«

ANGEBOT Die Opfer-Familien werfen Deutschland vor, sie nicht angemessen entschädigt zu haben. Ein neues Angebot des Bundes, des Freistaats Bayern und der Stadt München betrachten sie als Beleidigung.

Im Juni hatte sich der CSU-Politiker und bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle diesbezüglich an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gewandt. Der bevorstehende Jahrestag des Attentats sei »die letzte Gelegenheit, mit einer Geste der Großzügigkeit die erlittenen Verluste der Angehörigen, ihre jahrelangen, häufig fruchtlosen Bemühungen um Gehör, um Anerkennung und Aufklärung wenigstens teilweise wiedergutzumachen«, schrieb Spaenle damals.

ZAHLUNGEN Dem Brief zufolge zahlte die Bundesrepublik 1972 insgesamt 3,2 Millionen Mark (rund 1,6 Millionen Euro) an die Familien der Opfer. 30 Jahre später seien nochmals rund drei Millionen Euro vom Bund, dem Freistaat Bayern und der Stadt München geflossen. Zu wenig, fand nicht nur Spaenle.

Die Bundesregierung unterzog daraufhin die Frage anlässlich des Jahrestages »einer Neubewertung«. Das Innenministerium gab bekannt, man wolle die »gravierenden Folgen für die Hinterbliebenen der Opfer in immaterieller und materieller Hinsicht erneut artikulieren und durch vollständige und umfassende Aufarbeitung der damaligen Ereignisse und durch erneute finanzielle Leistungen (…) den besonderen Beziehungen Deutschlands zum Staat Israel Ausdruck zu verleihen«, wie ein Sprecher dieser Zeitung sagte.

Im Gespräch war Medienberichten zufolge eine Gesamtsumme von 10 Millionen Euro, von der allerdings die bereits geleisteten Zahlungen abgezogen werden sollten. kna/ja

J7 meets in Argentina

Jews worldwide »in the crosshairs« after 7 October

Representatives of the biggest Jewish communities are meeting in Buenos Aires to commemorate the victims of the AMIA attack 30 years ago

von Leticia Witte  17.07.2024

Meinung

Nicht einmal die halbe Wahrheit

Das Auswärtige Amt verleumdet Israel mit einem Tweet

von Nils Kottmann  17.07.2024 Aktualisiert

Dokumentation

»Nichts ist mehr wie zuvor«

Berichten im Ausnahmezustand – der 7. Oktober und seine Folgen: Auszüge aus der Heidelberger Hochschulrede des Chefredakteurs der Jüdischen Allgemeinen, Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  17.07.2024

Berlin

Nach Vorwürfen gegen Rauch: TU-Aufsichtsrat Kleiner verlässt Gremium

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Geraldine Rauch sei nur schwer vorstellbar

 17.07.2024

Buenos Aires

»Hemos logrado mucho en materia legislativa«

Daniel Botmann, Director Ejecutivo del Consejo Central de los Judíos en Alemania, sobre la conmemoración del ataque a la AMIA, la cohesión y el trabajo del grupo de trabajo judío global J7

von Sophie Albers Ben Chamo  17.07.2024

Prozess

Israelfeindliche Posts: Mainz 05 geht gegen El Ghazi in Berufung

Es geht auch um Gehälter und Sonderzahlungen im Umfang von knapp 1,5 Millionen Euro

 17.07.2024

Westjordanland

Wie Fatah-Chef Abbas versucht, sich in Stellung zu bringen

Während ein Treffen der rivalisierenden Palästinenserfraktionen in Peking ansteht, gibt Mahmud Abbas der Hamas Mitschuld am anhaltenden Krieg in Gaza

 17.07.2024

Hintergrund

Was bedeutet das Verbot des »Compact«-Magazins?

Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick

von Anne-Beatrice Clasmann  17.07.2024

Pro & Contra

Zurück zur Wehrpflicht?

Zwei Meinungen zur Debatte

von Boris Schulman, Rainer L. Hoffmann  17.07.2024