U-Boote

Ohne Sprengkraft

Streitobjekt: israelisches U-Boot in einer Kieler Werft Foto: dpa

Im Gegensatz zum Aufruhr in Deutschland, der durch den Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel über die nuklearen Fähigkeiten der israelischen U-Boot-Flotte ausgelöst wurde, lässt sich die israelische Reaktion darauf mit zwei Worten zusammenfassen: »Ja, und?« Viele Medien ignorierten die Meldung fast völlig; andernorts wurde die Nachricht noch am selben Tag schnell von anderen Themen in den Hintergrund gedrängt.

Zum einen ist am Spiegel-Bericht nichts neu. Schon 1990 hieß es in der Washington Post, dass Israel die Fähigkeit für einen nuklearen Zweitschlag schaffen müsse. Falls es »arabischen Streitkräften gelingt, den Atomreaktor in Dimona, Boden-Boden-Raketen und Luftwaffenstützpunkte anzugreifen«, könne Israel dann noch mit von U-Booten abgeschossenen Marschflugkörpern reagieren.

Feind Im Dezember desselben Jahres erklärte der ehemalige Marinechef Avraham Botzer in einem Fernsehinterview, dass »U-Boote in der ganzen Welt Teil der Abschreckung gegen unkonventionelle Kriegsführung sind. Sie helfen sicherzustellen, dass ein Feind nicht in die Versuchung kommt, einen unkonventionellen Präventivschlag zu führen.«

Militärexperten schreiben die Erkenntnis, dass Israels U-Boot-Flotte der strategischen Verteidigung dienen könnte, vor allem dem heutigen Verteidigungsminister Ehud Barak zu. Der drängte Anfang der 90er-Jahre als Generalstabchef auf die Neuanschaffung deutscher Schiffe. Bis dahin betrachteten Israels Militärs U-Boote höchstens als Mittel, Spezialeinheiten an fernen Küsten abzusetzen oder feindliche Seestreitkräfte zu observieren.

Doch Barak erkannte frühzeitig, dass der Vorsatz des ehemaligen Premiers Me- nachem Begin, keinen Nachbarstaat eine Atombombe entwickeln zu lassen, vielleicht nicht durchgehalten werden könnte. Für diesen Fall brauchte Israel U-Boote mit nuklearen Fähigkeiten. Seit dem Kauf der ersten Schiffe war allen Beteiligten klar, dass diese atomar bestückt werden sollten. Die Informationen, die der Spiegel als Neuigkeiten verkauft, sind also nicht nur in der Fachwelt, sondern auch in der israelischen Öffentlichkeit seit Jahrzehnten bekannt.

Bedrohung Anders als in Deutschland sieht die Mehrheit der Israelis kein Problem darin, dass ihr Staat mit mindestens 200 Atomsprengköpfen, wie es in internationalen Quellen heißt, ausgerüstet ist. Angesichts der täglichen Hasstiraden iranischer Führer, die Israel mit Vernichtung drohen, dem Aufruhr bei den arabischen Nachbarn und der Bedrohung durch Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah, die Zehntausende Raketen in ihrem Arsenal horten, betrachten Israels Bürger Atomwaffen als wichtigsten Garanten ihres Überlebens.

Da Israel – im Gegensatz zu Iran – den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben hat, bestehe – so Jerusalems Lesart – auch kein Bruch internationalen Rechts. Im Gegensatz zu Teheran lüge man hier die Welt nicht an. Wenn aber der Besitz dieser Waffen aus israelischer Sicht legitim ist, kann die Bestückung eigener U-Boote mit Atomsprengköpfen nur Recht sein. Weshalb das in Deutschland Aufruhr auslöst, kann in Jerusalem kaum jemand nachvollziehen.

Im Gegenteil: Die Deutschen sollten stolz darauf sein, die Existenz des Staates Israel auf Jahre gesichert zu haben, sagte Verteidigungsminister Barak. Unter seiner Ägide wird Israel die Zahl seiner U-Boote von drei auf sechs verdoppeln. Das, so Experten, sei notwendig, um Israels Verteidigungsbereitschaft auch langfristig aufrechtzuerhalten. Ein U-Boot wird dann wahrscheinlich der Ausbildung dienen, ein anderes überholt, während die restlichen an Israels Seegrenze patrouillieren, an weit entfernten Küsten Aufklärung betreiben oder geheime Einsätze ausführen.

Operationen in der Nähe des Iran stellen Jerusalem vor große logistische Aufgaben. Da Eilat am Roten Meer keinen U-Boot-Hafen besitzt, bleibt für Israel nur die Route durchs Mittelmeer und dann um Afrika herum oder die Fahrt durch den ägyptischen Suezkanal. Da die Militärs ihre Geheimwaffe aber nur ungern zur Schau stellen, bevorzugen sie angeblich die wochenlange Route ums Kap der Guten Hoffnung. Erst die Lieferung weiterer U-Boote aus Deutschland wird es Israel deswegen ermöglichen, ständig vor der Küste Irans präsent zu sein.

Jerusalem/Tel Aviv

Sa’ar greift Seibert an: »Bessenheit mit Juden, die in Judäa und Samaria leben«

Auslöser des Streits zwischen dem israelischen Außenminister und dem deutschen Botschafter in Israel ist ein Beitrag Seiberts auf der Plattform X

 23.03.2026

Krieg

Das sagt der Iran zum Trump-Ultimatum

Der US-Präsident hatte das Regime in Teheran aufgefordert, die Blockade der Straße von Hormus innerhalb von 48 Stunden zu beenden

 22.03.2026

Kommentar

Friedrich Merz und Johann Wadephul riskieren Deutschlands Glaubwürdigkeit

Wer zu Südafrikas Genozid-Vorwurf gegen Israel schweigt, zieht sich aus der Verantwortung

von Stephan-Andreas Casdorff  22.03.2026

Studie

Solidarität mit Israel nur zeitweise in deutschen Medien

Das Berliner Tikvah Instituts bescheinigt den deutschen Medien eine einseitige Nahost-Berichterstattung. Israel wird demnach häufig als alleiniger Aggressor des Nahost-Konflikts dargestellt

von Elisa Makowski  22.03.2026

Krieg gegen Iran

Sechs tote bei Helikopterabsturz in Katar

Die Streitkräfte in Katar bemühen sich, den Golfstaat trotz täglicher iranischer Angriffe zu beschützen. Jetzt stürzt ein Hubschrauber ab. Anzeichen für einen Abschuss gibt es zunächst nicht.

 22.03.2026

Nahost

Führen die USA und Israel noch denselben Kampf?

Donald Trump und Benjamin Netanjahu sind gemeinsam in den Krieg gegen den Iran gezogen. Doch was die Regierungen kommunizieren, ist teilweise sehr unterschiedlich

von Sara Lemel, Cindy Riechau, Anna Ringle  22.03.2026

Krieg

Trump setzt Iran Ultimatum

Sollte das Regime nicht innerhalb von 48 Stunden die Blockade der Straße von Hormus aufgeben, würden die USA Irans Kraftwerke angreifen

 22.03.2026

Nach Antizionismus-Beschluss

Linken-Spitze will gegen Antisemitismus vorgehen

Die Linke kommt wegen interner Debatten über Antisemitismus nicht zur Ruhe. Nun reagiert die Parteiführung mit einem Antrag

 21.03.2026

Nahost

Israels Armee-Chef Zamir: Irans Raketen könnten Berlin treffen

Israels Militärchef warnt: Nach dem iranischen Angriff auf Diego Garcia sieht er auch europäische Hauptstädte wie Berlin im Radius iranischer Raketen. Der Krieg habe etwa die Halbzeit erreicht

 21.03.2026