Antisemitismus-Klausel

Offener Brief gegen offenen Brief

Die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses erhielten einen offenen Brief der DIG Berlin-Brandenburg. Foto: picture alliance/dpa

In der Auseinandersetzung um die Antisemitismusklausel des Berliner Kultursenators Joe Chialo (CDU) hat sich nun die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg (DIG) zu Wort gemeldet.

In einem offenen Brief an die Mitglieder des Abgeordnetenhauses wandte sich der DIG-Vorsitzende Jochen Feilcke gegen einen zuvor von Tausenden Künstlern unterschriebenen, weiteren offenen Brief, in dem eine Rücknahme der Maßnahme in dieser Form gefordert wurde. Feilcke bat die Abgeordneten, die Kritik an der Antidiskriminierungsrichtlinie für den Kulturbereich zurückzuweisen.

»Unter dem Eindruck des auch in Berlin seit dem 7. Oktober 2023 erkennbar gewordenen, massiven Antisemitismus setzt der Kultursenator nun die seit langem vorliegende Antidiskriminierungsrichtlinie um«, schrieb Feilcke. »Wir appellieren an Sie, ihn dabei zu unterstützen und die Angriffe auf dieses Vorhaben zurückzuweisen.«

Das Gegenteil von Kultur

Die Richtlinie wende sich generell gegen Diskriminierungen jeder Art. »Dass sie nun massiv in die Diskussion gerät, zeigt, dass es den Kritikern eigentlich um den Antisemitismus, insbesondere den Israel-bezogenen Antisemitismus, geht, dem sie in der Kultur auch künftig Raum, Bühne und Geld geben möchten«, so Feilcke.

»Sie berufen sich dabei auf die Meinungs- oder Kulturfreiheit. Antisemitismus ist allerdings keine Meinung, Antisemitismus ist das Gegenteil von Kultur, er ist kulturlos, ja menschenverachtend«, heißt es in dem Schreiben des Berliner DIG-Vorsitzenden.

Für Judenhass und Israel-bezogenen Antisemitismus dürfe es keine öffentlichen Mittel geben, betonte Feilcke. »Schon das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt: Antisemitische Konzepte sind mit der Menschenwürde nicht vereinbar und verstoßen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Antisemitismus verstößt somit gegen den verfassungsrechtlichen Kern unserer Rechtsordnung. Ihn zum Ausschluss von Förderungen zu machen, ist damit gerechtfertigt, geboten und notwendig.«

»Aufweichung und Beliebigkeit«

Der Satz, dass Berlin dem Antisemitismus aktiv entgegentreten müsse, dürfe kein Lippenbekenntnis bleiben. Alle Parteien hätten dies vor der letzten Wahl versprochen. Die Entscheidung von Senator Joe Chialo (CDU), sich an die Antisemitismusdefinition der IHRA zu halten, sei sachgerecht.

Diese Definition sei umfassend und grundsätzlich. Sie stelle klar, dass »Kritik an Israel, die mit der in anderen Ländern vergleichbar ist, nicht als antisemitisch betrachtet werden« dürfe. Nicht ohne Grund folge ihm auch die Bundesregierung.

»Jede andere Definition bedeutet eine Aufweichung und Beliebigkeit und würde von Antisemiten genutzt werden, um doch, zum Schaden des Ansehens der Stadt, ihr Gift zu verbreiten. Wir bitten Sie, klare Kante pro Menschenwürde zu zeigen!«, heißt es in dem offenen Brief der DIG.

In dem zuvor publizierten offenen Brief von Kulturschaffenden war gefordert worden, die Jerusalemer Erklärung müsse anstatt der IHRA-Definition des Antisemitismus als Grundlage bei der Kulturförderung dienen. ja

Berlin

Unbekannte zerstören Gedenktafel an jüdischem Friedhof

Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt ermittelt

 10.02.2026

Berlin

Ordner, der Lahav Shapira bedrängte, muss Geld zahlen

Israelfeindliche Aktivisten besetzen 2023 einen Hörsaal. Die Stimmung ist aufgeheizt. Dem Studenten Lahav Shaipra wird der Einlass verwehrt. Nun muss ein Ordner deswegen eine Geldauflage zahlen

 10.02.2026

Göttingen

Durchsuchungen wegen mutmaßlichen Nazi-Shops

CDs, Sticker, Kleidung - die mindestens sechs Verdächtigen sollen die rechtsextreme Szene ausgestattet haben. Was die Beamten bei Durchsuchungen noch fanden

 10.02.2026

Boston

US-Gericht stoppt Verfahren gegen türkische Doktorandin

Ein Meinungsbeitrag zum Gaza-Krieg reichte aus: 2025 kam die türkische Doktorandin Rümeysa Öztürk in US-Abschiebehaft. Der Fall löste landesweite Empörung aus – nun ist eine Entscheidung gefallen

 10.02.2026

Faktencheck

Gefälschte Wegweiser entlarven angebliche Epstein-Aufnahme

Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist 2019 zu Tode gekommen - doch ein Bild soll ihn angeblich in jüngster Zeit in Israel zeigen. Ein genauer Blick zeigt, wieso das nicht stimmen kann

 10.02.2026

Interview

»Was mit den Juden passierte, war vielen gleichgültig«

Sara Elasari-Gruß überlebte den Anschlag auf das jüdische Altenheim in München 1970. Im Interview spricht die Ärztin darüber, wie sie sich retten konnte und wie sie den Vorfall verarbeitet hat

von Michael Thaidigsmann  10.02.2026

Warschau

Polen: Einstellung zu Juden verschlechtert sich

Fast ein Drittel aller Polen hat eine ablehnende Haltung gegenüber Juden

 10.02.2026

Nahost

Westjordanland: Washington und London fordern Kurswechsel von Israel

Großbritannien besteht auf einer Rücknahme der vom israelischen Sicherheitskabinett beschlossenen Maßnahmen. Aus dem Weißen Haus heißt es, Stabilität sei entscheidend

 10.02.2026

Jerusalem/Washington D.C.

Netanjahu reist zu Trump: Iran-Gespräche und militärische Optionen im Mittelpunkt

Die Themenpalette soll weit über einen diplomatischen Austausch hinausgehen und als strategische Weichenstellung für den Umgang mit dem Iran dienen

 10.02.2026