Interview

»Null Toleranz bei Hassparolen«

Bundesjustizminister Heiko Maas Foto: Frank Nürnberger

Herr Maas, Sie haben sich jüngst mit Vertretern von Facebook getroffen, um über den Umgang des Konzerns mit Hass-Posts zu sprechen. Sind Sie mit dem Gesprächsergebnis zufrieden?
Facebook hat sich klar zu seiner Verantwortung bekannt und ist bereit, seinen Teil zur Lösung dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe beizutragen. Das ist ein wichtiges Signal. Im Ergebnis sind wir uns einig: Hassbotschaften, die gegen Strafgesetze verstoßen, müssen schneller und umfassender aus dem Netz verschwinden. Wir werden jetzt sehr zügig eine Taskforce einsetzen, zu der wir neben Facebook auch andere Plattformanbieter sowie zivilgesellschaftliche Organisationen einladen, die als Internet-Beschwerdestellen bereits umfassende Erfahrungen bei der Bekämpfung von Hass und Hetze im Internet haben. Es wird vor allem darum gehen, das Beschwerdemanagement zu verbessern.

Die Rede ist immer recht allgemein von Hassbotschaften. Geht es auch konkret um Judenhass, wie er sich in sozialen Netzwerken sehr oft artikuliert?
Wenn Jüdinnen und Juden mit unerträglichen Hassparolen im Netz angegriffen werden, dann dürfen wir nicht tatenlos zusehen, die Justiz nicht und die Betreiber sozialer Netzwerke auch nicht. »Juden ins Gas« zum Beispiel ist eine Parole, die Facebook ohne Zögern von seinen Seiten nehmen muss. Bei Antisemitismus muss auch auf Facebook null Toleranz gelten.

Der Zentralrat der Juden fordert, dass die Strafverfolgungsbehörden bei Antisemitismus in sozialen Netzwerken aktiv werden. Ist da künftig mehr zu erwarten, als wir es bislang gewohnt sind?
Wenn die Grenzen zur Straftat überschritten sind, muss die Justiz wegen Volksverhetzung, Beleidigung oder des Aufrufs zur Begehung von Straftaten ermitteln und diejenigen bestrafen, die solche Kommentare verfassen. Den Tätern muss klar sein: Was offline verboten ist, ist auch online nicht erlaubt und wird bestraft.

Sie wollen Ihre Initiative über Facebook hinaus auch auf YouTube und Twitter erweitern. Wie sehen Sie da das Problem des Antisemitismus?
Das Problem betrifft leider alle Netzwerke und ist nicht auf Facebook beschränkt. Daher wollen wir ja auch mit allen in den Dialog eintreten. Und Verbesserungen erreichen.

Es gibt auch Kritik, dass Ihr Engagement eine Beschränkung der Redefreiheit im Internet bedeuten könnte. Was ist Ihre Antwort darauf?
Die Meinungsfreiheit schützt auch abstoßende, geschmacklose und hässliche Äußerungen. Die Grenze ist aber dort erreicht, wo es um Angriffe auf die Menschenwürde geht. Für verbale Erniedrigungen, Aufstachelung zum Hass, Ächtungen oder Gewaltaufrufe darf in Sozialen Netzwerken genauso wenig Platz sein wie auf der Straße. Das Recht auf Meinungsfreiheit darf keine Ausrede für eigene Tatenlosigkeit sein.

Mit dem Bundesjustizminister sprach Martin Krauß.

Berlin

Karin Prien warnt vor AfD: »Meine Mutter hätte Angst«

Die CDU-Politikerin mit jüdischem Familienhintergrund sprach auch von Warnungen ihrer Mutter hinsichtlich des zivilisatorischen Schutzes

 14.09.2026

Berlin/Magdeburg

Operationsplan Deutschland: Reservistenverband will Geheimplan vor AfD schützen

Bislang befindet sich der Plan bei sämtlichen 16 Landesregierungen. Die rechtsextremistische AfD in Sachsen-Anhalt soll ihn nicht bekommen

 14.09.2026

Medien

Studie wirft »New York Times« einseitige Gaza-Berichterstattung vor

Israel als »einziger Aggressor« und Palästinenser als »passive Opfer«: Diese Sichtweise ließ die Zeitung erkennen, so der Autor der Studie

 14.09.2026

Berlin

Volker Beck fordert von SPD und Grünen klare Absage an Bündnis mit der Linken

Beck begründet seine Forderung vor allem mit dem Umgang der Berliner Linken mit Antisemitismus und Israelhass

 14.09.2026

Tel Aviv

Omer Shem Tov: 505 Tage Gefangenschaft, Hunger und Einsamkeit

»Wegen der Angst konnte ich nicht atmen«, sagt die frühere Geisel über die 50 Tage, in denen er in völliger Dunkelheit leben musste

 14.09.2026

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl 2026

Interview

»Unsere Brandmauer zu allen Antisemiten steht«

Steffen Krach, Berliner Spitzenkandidat der SPD, spricht über Israel-Hass bei der Linken, die »Fördergeldaffäre« der CDU und Vorwürfe, die SPD sei in Teilen von Islamisten unterwandert

von Detlef David Kauschke  14.09.2026

Künstliche Intelligenz

Dario Amodei: »Es gibt echte Gefahren«

»Ich glaube, die Branche hat die Menschen zu lange darüber belogen, dass diese Technologie Risiken birgt«, sagt der jüdische Anthropic-Chef

 14.09.2026

New York

Israel erwartet heftige Proteste bei Netanjahus UN-Besuch

Israels UNO-Botschafter Danny Danon kritisiert Bürgermeister Zohran Mamdani scharf: Statt für einen geordneten Ablauf in der Stadt zu sorgen, trage er zur Eskalation bei

 14.09.2026

Gaza/Jerusalem

IDF übt scharfe Kritik an »Naza« und weist Vorwurf zum angeblich genehmigtem Angriff auf 500 Zivilisten zurück

»Die IDF haben niemals einen Angriff geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem erwartet wurde, dass 500 Zivilisten oder auch nur annähernd so viele getötet werden«, heißt es von der Armee

 14.09.2026