Meinung

NSU-Untersuchung muss unabhängig sein

Der Bundestag hat einen Untersuchungsausschuss eingerichtet. Er soll die Versäumnisse nach den Morden der Zwickauer Terrorzelle ermitteln. Genügt das? Reicht es, wenn für eine bessere Sicherheitsarchitektur gesorgt wird? Nein, es müssen auch Antworten für unser gesamtes Land gefunden werden.

Wie konnten neun Kleinunternehmer, alle Einwanderer, und eine Polizistin systematisch und mit der gleichen Tatwaffe getötet werden, ohne dass auch nur ansatzweise ein Verdacht auf rechtsradikale Täter fiel? Schlimmer noch: Polizei und Verfassungsschutz haben sich bei den Tatverdächtigen ohne irgendwelche Beweise auf Ausländerkriminalität konzentriert. Die Opferfamilien und ihr Umfeld wurden verdächtigt.

Ein Blick ins Ausland könnte Deutschland helfen: Nachdem 1993 in London der dunkelhäutige Student Stephen Lawrence von einer Jugendgang weißer Hautfarbe erstochen wurde und die Ermittlungen bestenfalls schleppend verliefen, wurde 1997 eine hochrangige unabhängige Untersuchungskommission eingesetzt. Die hielt zwei Jahre später der Gesellschaft den Spiegel vor: Polizei und Gesellschaft hatten versagt! Von den 70 Vorschlägen, was dringend zu ändern sei, wurden fast alle befolgt.

Wahljahr Bei dem nun eingerichteten Untersuchungsausschuss des Bundestags besteht die Gefahr, dass er zu stark für parteipolitische Auseinandersetzungen und Schuldzuweisungen genutzt wird, zumal die Ergebnisse wahrscheinlich im Wahljahr 2013 diskutiert werden. Eine unabhängige Kommission hätte ein anderes Kaliber.

Allerdings müsste sichergestellt sein, dass alle Dienststellen, also auch die Polizei und der Verfassungsschutz, dazu verdonnert werden, ihr zuzuarbeiten. Großes Augenmerk ist auf den gesellschaftlichen Alltag zu richten, den rechten, den es überall in Deutschland gibt. Hat nicht gerade im Osten rechtsextreme Politik eine große Resonanz?

Es muss darum gehen, die Zivilgesellschaft bei ihrem Kampf gegen den Rassismus zu stärken. Das ist auch für die Opfer wichtig. Denen muss signalisiert werden, dass es hier nicht allein um Fehler von Behörden geht, sondern um unsere Gesellschaft, die sich noch längst nicht von ihrer Arroganz gegenüber eingewanderten Mitmenschen befreit hat.

Eine solche unabhängige Kommission kann vom Bundespräsidenten oder der Bundesregierung einberufen werden. Wenn sie mit dieser Autorität ausgestattet ist, kann sie auch effektiv arbeiten. Und helfen, dass so etwas nie wieder passiert.

Die Autorin ist Ombudsfrau für die Hinterbliebenen der Opfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds.

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026

Wahlkampf der AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Magdeburg

Wie sich die AfD auf eine mögliche Regierung vorbereitet

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte der rechtsextremistischen AfD erstmals den Weg in eine Landesregierung öffnen. Mit Schulungen, einem Personalpool und Hilfe aus Österreich bereitet sie sich seit langem darauf vor

von Jörg Ratzsch  21.08.2026

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Berlin

Diskriminierung wegen falscher Hummus-Aussprache?

Im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ein arabisches Restaurant einen israelischen Gast wegen der vermeintlich falschen Aussprache des Kichererbsengerichts nicht bedient haben. Das Lokal widerspricht dem Vorwurf

 20.08.2026