Einspruch

Nichts ist normal in der Ukraine

1990 studierte ich im damals sowjetischen, heute ukrainisch-patriotischen Dnepropetrowsk. Ein Kommilitone sagte: »Wenn hier etwas losgeht, seid ihr als Erste dran.« Er meinte die Juden, und er meinte es gut.

Nun ist »was los« in der Ukraine, und es wird Zeit, sich an die Prophezeiung zu erinnern. Ist die ukrainische Revolution gut oder schlecht für Juden? Wie jede Bürgerbewegung, der es um eine Emanzipation, Freiheit und Gleichheit der Menschen geht, ist sie gut. Wo es jedoch um einen eindeutig nationalistischen Charakter der Bewegung geht, ist sie gefährlich.

Nichts ist normal in diesem Krieg um die Ukraine. Parallelen sind möglich, aber nicht zwingend. »Danzig 1939 = Donezk 2014«, meint eine Gruppe polnischer Intellektueller und impliziert: Putin ist gleich Hitler. Doch was, wenn dieser »Putler« eine enge Beziehung zur jüdischen Gemeinschaft Russlands pflegt und seine Propaganda den Krieg gegen die ukrainische »Junta« als antifaschistischen Kampf inszeniert? Was, wenn Dnepropetrowsk, die Millionenmetropole, heute das Zentrum der nationalistischen Bewegung ist? Was, wenn in einer Region mit ausgeprägtem Antisemitismus der Gouverneur, Igor Kolomoyski, ein praktizierender Jude ist und die nicht wenigen traditionellen Juden willkommen sind?

paradox Die Welt ist paradox. Denn in den Wäldern um Dnepropetrowsk werden heute – von jenem Igor Kolomoyski und seinen Leuten bezahlt – die ukrainischen Nationalisten, nennen wir sie beim Namen: Faschisten des Rechten Sektors, ausgebildet. Geht das? Können jüdische Politiker und Businessleute Faschisten finanzieren, die gegen einen angeblichen Hitler und seine getarnten Truppen kämpfen sollen? Ja, das geht. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Doch auch heute gilt leider eine Konstante der jüdischen Geschichte: Es ist nur gut, solange es gut geht. Kippt in dem fragilen Gebilde Ukraine etwas weg, kommen die Kräfte an die Macht, die wissen, wer »als Erster dran ist«.

Der Autor ist Historiker und Referent beim Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk.

Berlin

Zentralrat der Juden: »Das Mullah-Regime muss jetzt fallen«

Es braucht ein Ende der Zurückhaltung gegenüber Teheran und ein klares politisches Signal aus Deutschland, fordert Zentralratspräsident Josef Schuster

 09.01.2026

Fernsehen

Jüdische Journalisten kritisieren Verpixelung von »Bring them Home!«-Kette

Der Verband JJJ fordert: Die »unpolitische, rein humanitäre Forderung« auf der Plakette eines Kochs muss sichtbar sein

 09.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter: »Ich sehe nicht ein, mich verschrecken zu lassen«

Noch in der Tatnacht habe seine Familie ihn darin bestärkt, seine Arbeit fortzusetzen, so Andreas Büttner. »Sie haben mir gesagt, ich müsse weitermachen. Eigentlich sogar noch lauter werden«, sagt der dem »Tagesspiegel« im Interview

 09.01.2026

Brandenburg

Potsdam soll jüdische Kita bekommen

Zum jüdischen Leben gehören auch jüdische Schulen und Kitas. Eine Kindertagesstätte wird derzeit in Potsdam geplant

 09.01.2026

Jerusalem

US-Botschafter: Israel entscheidet selbst über weiteres Vorgehen gegen Iran

»Lassen Sie uns hoffen, dass dies das Jahr ist, in dem das iranische Volk sagt: ›Es reicht‹«, sagt Mike Huckabee

 09.01.2026

New York

Proteste gegen israelische Immobilienmesse an Jeschiwa

Israelfeindliche Demonstranten fordern eine »Intifada-Revolution« und rufen: »Siedler, geht nach Hause, Palästina gehört uns allein«

 09.01.2026

Kommentar

Ich gebe die Hoffnung für Brandenburg nicht auf

Nach dem Koalitionsbruch muss die Politik die Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen

von Alex Stolze  09.01.2026

Berlin/Kloster Seeon

Zentralrat der Juden fordert schärferes Strafrecht gegen Hass

Seit dem jüngsten Krieg im Nahen Osten ist Antisemitismus vielerorts explodiert. Zentralratspräsident Schuster sieht den deutschen Rechtsstaat dagegen schlecht aufgestellt

 09.01.2026

Teheran

Iran kappt Internet während landesweiter Proteste gegen das Regime

In zahlreichen Städten, darunter auch in der Hauptstadt, gingen erneut große Menschenmengen auf die Straße

 09.01.2026