US-Präsident Donald Trump hat offenbar einen möglichen Militärschlag gegen den Iran kurzfristig ausgesetzt. Nach einem Bericht der »New York Times« soll Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Trump persönlich gebeten haben, einen Angriff der USA vorerst nicht anzuordnen. Demnach telefonierten die beiden Regierungschefs miteinander. Das Weiße Haus bestätigte das Gespräch, äußerte sich jedoch nicht zu dessen Inhalt.
Die Lage im Nahen Osten bleibt derweil angespannt: Auch im Iran wird weiterhin mit einem Eingreifen der USA gerechnet, schreiben amerikanische Medien.
US-Präsident Donald Trump schließt militärische Schritte gegen die Islamische Republik ausdrücklich nicht aus. Das Weiße Haus warnte Teheran erneut vor schweren Konsequenzen, sollte die Gewalt gegen Demonstranten andauern. Regierungssprecherin Karoline Leavitt erklärte, Washington habe dem iranischen Regime unmissverständlich klargemacht, dass weiteres Töten nicht hingenommen werde.
USS »Abraham Lincoln« auf dem Weg
»Der Präsident und sein Team haben dem iranischen Regime mitgeteilt, dass es gravierende Konsequenzen geben wird, falls die Tötungen weitergehen«, sagte Leavitt. Zugleich verwies sie auf Signale aus Teheran, wonach Hinrichtungen gestoppt worden seien. »Der Präsident geht derzeit davon aus, dass 800 geplante Hinrichtungen ausgesetzt wurden«, so die Sprecherin. »Alle Optionen bleiben für den Präsidenten auf dem Tisch.«
Parallel zu diesen Warnungen verstärken die USA ihre militärische Präsenz im Nahen Osten. Nach Angaben aus Regierungskreisen wird eine US-Flugzeugträgerkampfgruppe in die Region verlegt. Dabei handelt es sich um die USS »Abraham Lincoln«, die zuletzt im Südchinesischen Meer unterwegs war. Experten gehen davon aus, dass der Verband mehrere Tage benötigen würde, um den Persischen Golf zu erreichen.
Der Träger kann mit Dutzenden Kampfjets und Hubschraubern bestückt werden, darunter Maschinen der Typen F/A-18 und F-35. Begleitet wird er von mehreren Zerstörern, die mit Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk ausgerüstet sind. Diese können Ziele in großer Entfernung treffen.
Guterres ruft zu Zurückhaltung auf
Gleichzeitig bemühen sich mehrere arabische Staaten um Deeskalation. Nach Informationen aus dem Golfraum fanden in den vergangenen 72 Stunden intensive diplomatische Gespräche statt, an denen unter anderem Katar, Saudi-Arabien und Oman beteiligt waren. Ziel sei es gewesen, eine militärische Konfrontation zwischen Washington und Teheran zu verhindern.
Auch auf internationaler Ebene wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen befasste sich mit der Lage im Iran, nachdem die USA eine Sitzung beantragt hatten. UN-Generalsekretär António Guterres rief zu größtmöglicher Zurückhaltung auf und warnte vor den Folgen einer militärischen Zuspitzung.
»Diese externe Dimension erhöht die Instabilität einer ohnehin explosiven Situation«, erklärte eine ranghohe UN-Vertreterin. Alle Anstrengungen müssten darauf gerichtet sein, eine weitere Verschlechterung zu verhindern. Guterres betonte, die Probleme rund um das iranische Atomprogramm und die anhaltenden Proteste ließen sich nur »durch Diplomatie und Dialog« lösen.
»Lügen, Faktenverdrehungen und Desinformation«
Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, stellte sich hingegen klar auf die Seite der Demonstranten. Die Menschen im Iran forderten ihre Freiheit »wie nie zuvor in der brutalen Geschichte der Islamischen Republik«, sagte er. Die Vereinigten Staaten stünden »an der Seite des mutigen iranischen Volkes«.
Teheran wies diese Darstellung scharf zurück. Irans stellvertretender UN-Botschafter Gholamhossein Darzi warf Washington vor, gezielt Unruhen im Land zu schüren. Die USA verbreiteten »Lügen, Faktenverdrehungen und bewusste Desinformation«, um ihre eigene Rolle bei der Eskalation zu verschleiern.
Unterdessen bleibt das Ausmaß der Gewalt erschütternd. Nach Angaben einer US-basierten Menschenrechtsorganisation wurden seit Beginn des harten Vorgehens gegen die Proteste mindestens 2400 Demonstranten getötet. Zudem hält ein staatlich verhängter Kommunikations-Blackout bereits seit einer Woche an. im