Meinung

Nein, ihr seid nicht mutig

Na, jetzt klopft ihr euch auf die Schulter, nach eurer billigen Neun-Minuten-Provokation. Ihr habt uns lächerlich gemacht, indem ihr euch im Film unseren Stern an die Brust geheftet und das Seil um den Hals gelegt habt. Ihr wusstet, dass wir nervös aufheulen werden, aber eure kalten Anwälte haben euch zugenickt und gesagt, dass das als Kunstfreiheit durchgeht.

Euer Plan ist aufgegangen, unsere Alten haben aufgeheult, da habt ihr angefangen zu lächeln.

Vorfahren Wir wenigen sind die, die getroffen wurden. Wir sind wieder mal als das behandelt worden, was wir sind: als Fremde. Unser Leid, unsere Erinnerung ist eben nicht eure. Wir können nicht so mit unseren Erinnerungen spielen. Es sind unsere Vorfahren, es ist unser Leid, es bleibt unsere Demütigung.

Kalt seid ihr und niemals mitfühlend. Eins waren wir nie für euch: Menschen wie ihr.

Wir haben uns angepasst, uns verleugnet, aber ihr spürt uns auf, eure Kälte spürt uns auf, macht uns immer wieder ängstlich und beschämt. Eure rohe Brutalität, euer Lachen, euer kaltes Hervorzerren unserer Leiden lässt uns in unsere Löcher verkriechen.

Kalt seid ihr und niemals mitfühlend. Manchmal winselt ihr auch, weil ihr auch noch das Gefühl habt, ihr seid übervorteilt worden, wegen des Geldes, das ihr uns mal gezahlt habt, schreit, jetzt ist es aber genug, dann haltet ihr uns immer wieder vor, wir wären nicht besser als ihr, wir würden mit anderen machen, was ihr mit uns gemacht habt. Eins waren wir nie für euch: Menschen wie ihr.

STERN Was mutig gewesen wäre: Ihr hättet euch als die verkleidet, die ihr die ganze Zeit darstellt, deren Gehabe ihr ohnehin kopiert. Ihr wärt Nachbar, Zugführer und letztlich Mann in der Uniform gewesen, der uns Gesichtslose mit dem Stern an der Brust bis zur Gaskammer führt – und wie ihr damit weiterlebt.

Aber so war es nur pure, verlogene Heuchelei, die euch ein paar Taler bringt.

Der Autor ist Sänger der Band »Pankow« und wuchs als Kind jüdischer Kommunisten in der DDR auf.

Thriller

Israelische Serie »Unconditional« startet auf Apple TV

Orna reist mit ihrer 23-jährigen Tochter Gali nach Moskau. Kurz vor einem Flug wird Gali festgenommen. Damit beginnt Ornas Kampf für Gerechtigkeit

 16.04.2026

New York

Mehrere Juden auf neuer »Time«-Liste der einflussreichsten Menschen

Zwei jüdische Regierungschefs, drei Unternehmer und neun Künstler genießen nach Ansicht der Magazin-Autoren einen hohen Einfluss

von Imanuel Marcus  16.04.2026

London/Los Angeles

Unerwarteter Ticket-Boom: Royal Ballet bedankt sich bei Timothée Chalamet

Nach kritischen Bemerkungen des Hollywood-Stars steigen Reichweite und Ticketverkäufe in der Oper- und Ballett-Welt deutlich

 15.04.2026

London

Boy George unterstützt Israel online und erntet dafür Hass-Kommentare

»Es ist gerade sehr trendy, Israel zu hassen. Aber ich habe immer gesagt: ›Mode ist für die Zerbrechlichen, Stil für die Mutigen‹«, schreibt das Multitalent. Die Antworten lassen nicht lange auf sich warten

 14.04.2026

Essay

Schoa-Erinnerung ohne Juden

Gunda Trepp über ihren verstorbenen Ehemann Leo Trepp, die Vereinnahmung der Schoa und Wege jüdischen Erinnerns

von Gunda Trepp  14.04.2026

Hollywood

Scarlett Johansson: Rollen für Frauen heute besser

Wenn sie auf ihre Zwanziger zurückblickt, spricht die jüdische Schauspielerin von einer harten Zeit. Frauen hätten viel weniger interessante Rollenangebote bekommen als heute. Was ihr Ausweg war

 14.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Berlin

Auschwitz-Überlebende fordern Konzertverbote für Kanye West

Kanye Wests geplante Shows in Polen und Italien sorgen für Empörung. Holocaust-Überlebende fordern von Regierungen und Veranstaltern ein klares Signal - wie zuletzt aus Großbritannien

 11.04.2026

Essay

Zwischen Räumen

Wenn der Maler Navot Miller im Flugzeug sitzt, ist er in einer Welt, die ihn für eine kurze Zeit vor der Schwere der Realität schützt. Gedanken von unterwegs

von Navot Miller  10.04.2026