Meinung

Nein, ihr seid nicht mutig

Na, jetzt klopft ihr euch auf die Schulter, nach eurer billigen Neun-Minuten-Provokation. Ihr habt uns lächerlich gemacht, indem ihr euch im Film unseren Stern an die Brust geheftet und das Seil um den Hals gelegt habt. Ihr wusstet, dass wir nervös aufheulen werden, aber eure kalten Anwälte haben euch zugenickt und gesagt, dass das als Kunstfreiheit durchgeht.

Euer Plan ist aufgegangen, unsere Alten haben aufgeheult, da habt ihr angefangen zu lächeln.

Vorfahren Wir wenigen sind die, die getroffen wurden. Wir sind wieder mal als das behandelt worden, was wir sind: als Fremde. Unser Leid, unsere Erinnerung ist eben nicht eure. Wir können nicht so mit unseren Erinnerungen spielen. Es sind unsere Vorfahren, es ist unser Leid, es bleibt unsere Demütigung.

Kalt seid ihr und niemals mitfühlend. Eins waren wir nie für euch: Menschen wie ihr.

Wir haben uns angepasst, uns verleugnet, aber ihr spürt uns auf, eure Kälte spürt uns auf, macht uns immer wieder ängstlich und beschämt. Eure rohe Brutalität, euer Lachen, euer kaltes Hervorzerren unserer Leiden lässt uns in unsere Löcher verkriechen.

Kalt seid ihr und niemals mitfühlend. Manchmal winselt ihr auch, weil ihr auch noch das Gefühl habt, ihr seid übervorteilt worden, wegen des Geldes, das ihr uns mal gezahlt habt, schreit, jetzt ist es aber genug, dann haltet ihr uns immer wieder vor, wir wären nicht besser als ihr, wir würden mit anderen machen, was ihr mit uns gemacht habt. Eins waren wir nie für euch: Menschen wie ihr.

STERN Was mutig gewesen wäre: Ihr hättet euch als die verkleidet, die ihr die ganze Zeit darstellt, deren Gehabe ihr ohnehin kopiert. Ihr wärt Nachbar, Zugführer und letztlich Mann in der Uniform gewesen, der uns Gesichtslose mit dem Stern an der Brust bis zur Gaskammer führt – und wie ihr damit weiterlebt.

Aber so war es nur pure, verlogene Heuchelei, die euch ein paar Taler bringt.

Der Autor ist Sänger der Band »Pankow« und wuchs als Kind jüdischer Kommunisten in der DDR auf.

Das hebräische Alphabet übersetzt in Magnetbuchstaben.

Glosse

Der Rest der Welt

Urlaub in Italien oder Warum ich überall Hebräisch höre

von Nicole Dreyfus  17.05.2026

Kulturkolumne

Meine halbierte Bibliothek

Ein Umzug steht an. Warum Uwe Johnson bleibt und Günter Grass rausfliegt

von Maria Ossowski  17.05.2026

Wien

14 Aktivisten bei Anti-Israel-Demo festgenommen

Vor Beginn des ESC-Finales gab es mehrere Demonstrationen gegen Israels Teilnahme

 17.05.2026

Meinung

Ein Mutmacher in trüben Zeiten

Die Abstimmung für Noam Bettan beim Eurovision Song Contest zeigt, dass sich die Bürger nicht so einfach von israelfeindlicher Propaganda beeinflussen lassen

von Daniel Killy  17.05.2026

Eurovision Song Contest

Als die Zuschauer abstimmten, rutschte Noam Bettan deutlich nach oben

Das Zuschauervoting mit einer Abstimmung für Israels Ansehen zu verwechseln, wäre ein Fehler. Aber es sagt etwas über ESC-Fans

von Martin Krauss  17.05.2026

Aufgegabelt

Mocktail: Tel Aviv Spritz

Rezepte und Leckeres

 17.05.2026

Wien

Israel holt zweiten Platz beim Eurovision Song Contest

Bulgarien konnte den Gesangswettbewerb für sich entscheiden. Noam Bettan holte trotz des Boykotts mehrerer Länder den zweiten Platz

 17.05.2026

Stuttgart

Startschuss für die Jewrovision

Der jüdische Jugend-Musikwettbewerb hat begonnen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt treten heute 13 Teams aus ganz Deutschland auf

von Joshua Schultheis  15.05.2026 Aktualisiert

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026