Meinung

Nazis muss man Nazis nennen

Foto: dpa

Gleich zweimal binnen kurzer Zeit fiel die Thüringer Justiz mit denkwürdigen Urteilen auf. Jüngst untersagte das Verfassungsgericht in Weimar auf Antrag des NPD-Landesverbandes dem Ministerpräsidenten des Freistaats, Bodo Ramelow, öffentlich zur Ablehnung von NPD-Anträgen in Kommunalparlamenten aufzufordern sowie die Fremdenfeindlichkeit und den Rassismus der NPD als nationalsozialistisch zu bezeichnen. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht in Gera einen Fackelmarsch des Thügida-Bündnisses am 20. April genehmigt.

In beiden Fällen hat die Justiz ohne Not wichtiges demokratisches Engagement erschwert, wenn nicht untersagt. Dass zu »Führers Geburtstag«, wie es in solchen Kreisen heißt, in einer Stadt wie Jena Rechtsextreme aufmarschieren dürfen, begünstigt die Glorifizierung Hitlers und des Nationalsozialismus.

fackelmarsch Mit einem Fackelmarsch begann einst Hitlers Machtübernahme, und bis zu Hitlers Untergang begleiteten Fackelmärsche alljährlich seinen Geburtstag. Die Thügida als rechtsextremistische Weiterentwicklung der Pegida-Bewegung hatte zu ihrer Demonstration symbolisch 88 Fackeln angekündigt. 88 steht bei Nazis für den achten Buchstaben: HH, »Heil Hitler«. Nicht nur Symbole, auch Untaten gehören zu Hitlers Geburtstag: Am 20. April 2000 verübten drei Rechtsextremisten einen Brandanschlag auf die Synagoge der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen.

Während in Karlsruhe die Frage verhandelt wird, ob die NPD verboten werden soll, verdonnert das Thüringer Verfassungsgericht den Ministerpräsidenten eines Bundeslandes zu einer Neutralitätspflicht und dazu, Chancengleichheit zu gewähren. Dabei gehört Thüringen zu den Antragstellern im NPD-Verbotsprozess. Folglich ist der Ministerpräsident des Freistaates zur Auseinandersetzung mit der NPD verpflichtet. Das Engagement Bodo Ramelows gegen den Ungeist der NPD ist beeindruckend, und es ist die richtige Begleitung des laufenden NPD-Verbotsverfahrens.

Chancengleichheit für die NPD? Und die Erlaubnis, dass die Nazis den 20. April ganz öffentlich als ihren Feiertag begehen? Mein Onkel Rudolf Murr wurde am 20. April 1941 im KZ Neuengamme ermordet. Anlässlich von Hitlers Geburtstag wurden in den Konzentrationslagern oft eine zusätzliche Anzahl von Juden umgebracht. Die Zeiten sind nicht vergleichbar. Aber den Weg Richtung Mord sind Thüringer NSU-Extremisten längst gegangen.

Der Autor ist Vorsitzender der Thüringischen Landesgemeinde.

Debatte

Nach Rede zu Iran-Krieg: Spahn kritisiert Bundespräsidenten

Bundespräsident Steinmeier hatte den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als völkerrechtswidrig bezeichnet. Der Unionsfraktionschef hält das für anmaßend

 24.03.2026

Krieg

Iran lässt wenige Schiffe durch Straße von Hormus

Die iranischen Behörden lassen nur wenige Schiffe durch die für den Energiehandel wichtige Wasserstraße. Viele Reedereien meiden die Route angesichts von Angriffen und fehlender Versicherungen

 24.03.2026

Berlin

Urteil gegen mutmaßliche Hamas-Mitglieder erwartet

Die Terrororganisation Hamas soll in Europa Waffenlager haben, um Anschläge verüben zu können. Vom Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder erhoffte man sich auch weitere Erkenntnisse. Ist das gelungen?

 24.03.2026

Interview

»Geschichten, die Kindern guttun«

Die Jiddisch-Professorin Miriam Udel über Kinderliteratur, Ethik und Menschlichkeit

 24.03.2026

Meinung

Wie lange müssen wir noch so leben?

Seit Beginn des Iran-Kriegs werden jüdische Einrichtungen noch häufiger Ziel von Terrorattacken. Das Absurde ist: Dieser Zustand ist für Jüdinnen und Juden längst zur Norm geworden

von Laura Cazés  24.03.2026

Erinnerungskultur

Felix Klein verteidigt Wolfram Weimer gegen Buchenwald-Verbände

Zwei Angehörigen-Verbände wollen verhindern, dass der Kulturstaatsminister eine Rede in der Gedenkstätte Buchenwald hält. Mit ihrer Kritik würden sie sich selbst schaden, sagt der Antisemitismusbeauftrage

 24.03.2026

Kommentar

Bedingt lernfähig

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übt harte Kritik am Vorgehen der USA gegen den Iran. Über den Terror der Mullahs verliert er dagegen kein Wort – wieder einmal

von Ralf Balke  24.03.2026

Teheran

Bericht: Neuer Generalsekretär in Irans Sicherheitsrat

Nach der Tötung von Ali Laridschani ist im Iran ein neuer Generalsekretär für den mächtigen Nationalen Sicherheitsrat benannt worden. Das Amt bekleidet nun ein bisher eher Unbekannter

 24.03.2026

Nahost

Libanon weist iranischen Botschafter aus

Die Lage zwischen der Hisbollah und Israel spitzt sich immer weiter zu. Die Regierung in Beirut trifft nun weitere Maßnahmen, um den iranischen Einfluss einzudämmen

 24.03.2026