Europawahl

Nazis in Straßburg

»Goldene Morgenröte«-Sympathisanten marschieren ungestört durch Athen. Foto: dpa

Eigentlich war Udo Voigt politisch tot: Den Vorsitz der NPD verlor er 2011 an Holger Apfel, als Spitzenkandidat der NPD beim Berliner Abgeordnetenhaus blieb er im selben Jahr erfolglos.

Doch am Sonntag erlebte Voigt, erst vor zwei Wochen wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt, seine politische Wiederauferstehung: Der frühere Bundes- wehrsoldat zieht als einziger Vertreter der NPD in das Europaparlament ein. Die rechtsextreme Partei, gegen die ein Verbotsverfahren läuft, erhielt zwar nur 1,0 Prozent der Stimmen, aber das reichte für den historischen Erfolg.

Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erklärte, er fühle sich in der Forderung nach einem NPD-Verbot bestätigt. »Ich hoffe, es war die letzte Europawahl, bei der die NPD antreten konnte.«

Das Bundesverfassungsgericht hatte jede Wahlhürde untersagt. Eine Sperrklausel sei nicht notwendig, weil das Europarlament nicht die Bedeutung des Bundestages habe, »wo die Bildung einer stabilen Mehrheit für die Wahl einer handlungsfähigen Regierung und deren fortlaufende Unterstützung nötig ist«.

populisten Auch mit den alten Drei- oder Fünfprozenthürden wäre die Alternative für Deutschland (AfD) ohne Probleme ins Europaparlament eingezogen. 7,0 Prozent erhielt die AfD, deren rechtspopulistischer Charakter im Laufe des Wahlkampfes immer deutlicher wurde.

Es waren nicht nur Ausfälle Einzelner, wie der Marco Trautens, des Essener AfD-Spitzenkandidaten für die zeitgleich abgehaltene NRW-Kommunalwahl, der die Proteste gegen die AfD mit den Pogromen der Nazis gegen Juden gleichgesetzt hatte. In den Essener Stadtrat wird Trauten nun einziehen. Mit zunehmender Hetze gegen Zuwanderer, Sprüchen wie: Deutschland sei nicht das Sozialamt Europas, die so ähnlich auch bei der NPD zu lesen waren, gelang es der AfD, im Vergleich zur Bundestagswahl mehr als zwei Prozentpunkte zuzulegen. Die Partei der angeblich nüchternen Wirtschaftsexperten hatte Erfolg mit markigen Sprüchen aus der rechten Ecke.

nachbarn Verglichen mit anderen europäischen Staaten sind die Erfolge, die so unterschiedliche Parteien wie NPD und AfD einfahren konnten, gering: Der rechtsradikale Front National gewann in Frankreich mit 25 Prozent und ließ Konservative (21 Prozent) und Sozialisten (14 Prozent) weit hinter sich. Bei der Europawahl 2009 war der Front National auf 6,3 Prozent gekommen.

Die rechtspopulistische UKIP in Großbritannien schlug mit 27 Prozent Labour (25,5 Prozent) und Tories (24 Prozent), in Dänemark wurde die Dänische Volkspartei mit über 26 Prozent stärkste Partei, die FPÖ erhielt in Österreich über 20 Prozent der Stimmen. Die offen antisemitische Partei Jobbik kam in Ungarn auf fast 15 Prozent, und in Griechenland erhielt die »Goldene Morgenröte«, deren Führungsspitze wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung derzeit in Untersuchungshaft sitzt, neun Prozent. Das macht die Nazipartei zur drittstärksten Kraft Griechenlands.

Ein Fünftel der Abgeordneten des Europaparlaments wird von Vertretern rechtsradikaler oder rechtspopulistischer Parteien gestellt. »Was wir schon zuvor befürchtet hatten, ist eingetreten«, sagt Dieter Graumann. »Die rechtsextremen Parteien haben bei der Europawahl geradezu schockierend gut abgeschnitten.« Der Zentralratspräsident beklagt: »Die rechten Abgeordneten kommen von ganz Europa nun in das Europaparlament, um ihren europafeindlichen und extremistischen Kurs umzusetzen. Jetzt sind die demokratischen Parteien gefordert, diesem Ungeist Einhalt zu gebieten und die europäischen Werte zu verteidigen und aufrechtzuerhalten.«

Ursachen Politische Beobachter sehen zwei Wurzeln des Phänomens: Rechtsradikalismus gab es immer in Europa, nur sehr lange konnten seine Anhänger nicht offen zu ihrer Überzeugung stehen. Aber spätestens seit Sonntag ist klar, dass er dabei ist, salonfähig zu werden. Die zweite Wurzel ist: Die Euphorie über die europäische Einigung ist längst verflogen. Dass sie dem kriegerischsten Kontinent der Welt Frieden brachte, gilt ebenso als Selbstverständlichkeit wie die Reisefreiheit.

Immer mehr Bürger, und nicht nur die Wähler am rechten Rand, erleben die EU als ein bürokratisches Monster, das die Größe von Horrorbildern auf Zigarettenpackungen festlegt und den Einsatz von Olivenkännchen im Außenbereich von Gaststätten festschreibt, aber bei der Bekämpfung der Armut in Südeuropa versagt. Befeuert wird die Krise durch nationale Politiker, die bei Problemen auf Brüssel zeigen, aber die Milliarden aus den EU-Strukturfonds häufig für Prestigeprojekte missbrauchen – und deren Finanzierung als ihre Leistung darstellen.

Militär

Bundeswehr und IDF wollen enger zusammenarbeiten

Bei einem Besuch in Israel vereinbaren Vertreter der Bundeswehr eine engere Kooperation mit Israels Armee. Deutschland will dabei auch etwas über die Integration von Frauen ins Militär lernen

 20.02.2026

Stuttgart

Merz schließt AfD als Option kategorisch aus

In Teilen der CDU liebäugeln manche damit, ob nicht doch auch die AfD ein Partner werden könnte. Der Parteichef zieht eine deutliche rote Linie

 20.02.2026

Berlin

Auswärtiges Amt: Deutsche sollen Iran verlassen

Die Bundesregierung warnt Deutsche im Iran erneut vor einer möglichen Eskalation. Noch gebe es Ausreisemöglichkeiten zu Lande und mit Flugzeugen

 20.02.2026

Düsseldorf

Jetzt auch Wirbel um Jobs bei AfD-Abgeordneten in NRW

Minijobs für eine 85-Jährige und die Frau eines Lokalpolitikers: Jetzt geraten auch AfD-Abgeordnete in NRW in die Vetternwirtschafts-Debatte

 20.02.2026

»Mit eigener Stimme«

Braunschweig zeigt Ausstellung zum 75. Jubiläum des Zentralrates der Juden

1950 in Frankfurt gegründet, steht die jüdische Dachorganisation seit mehr als 75 Jahren für jüdisches Leben in Deutschland. Das Städtische Museum widmet ihm nun eine bundesweit einzigartige Schau

 20.02.2026

London

Starmer verweigert US-Zugriff auf britische Stützpunkte für möglichen Iran-Angriff

Die Nutzung des strategisch wichtigen Stützpunkts Diego Garcia ist Teil der US-Pläne für einen möglichen Angriff. Dieser darf jedoch nur mit Zustimmung der britischen Regierung genutzt werden

 20.02.2026

Kampala

50 Jahre nach Operation in Entebbe: Uganda baut Statue für Joni Netanjahu

Der ungandische Verteidungsminister Muhoozi Kainerugaba kündigt das Vorhaben an. Der Bruder des heutigen Ministerpräsidenten Netanjahu fiel bei der »Operation Thunderbolt« 1976 in Entebbe

von Imanuel Marcus  20.02.2026

Andrews-Luftwaffenbasis

Zehn Tage bis zwei Wochen: Trump setzt Iran Frist

»Sie müssen ein Abkommen schließen. Wenn das nicht passiert, werden schlimme Dinge geschehen«, sagt der amerikanische Präsident

 20.02.2026

Washington D.C./Gaza

Trotz Milliardenzusage: Zweifel an Trumps Gaza-Friedensplan

Der US-Präsident hat Milliardenhilfen seines umstrittenen Friedensrats für Gaza angekündigt. Doch die Frage der Entwaffnung der Hamas bleibt ungelöst. Und die Terroristen haben eigene Forderungen

 20.02.2026