Diplomatie

Nahost-Gespräche in Berlin

US-Außenminister John Kerry hat nach einem Gespräch mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in Berlin »vorsichtigen Optimismus« für die Beendigung der Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis zum Ausdruck gebracht. Bei einem darauf folgenden Treffen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte Kerry am Donnerstag, er sei verhalten ermutigt, dass in den folgenden Tagen einiges auf den Tisch kommen könne, das hoffentlich positive Auswirkungen auf eine Entschärfung der Situation haben werde. Darüber wolle er auch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprechen.

Zuvor hatte der US-Außenminister Israelis und Palästinenser zu einem Ende der Gewalt aufgerufen. Netanjahu seinerseits bezichtigte Abbas erneut der Lüge. »Es ist keine Frage, dass diese Welle der Gewalt direkt angetrieben wird von Hetze – Hetze der Hamas, Hetze der islamistischen Bewegung in Israel und Hetze – es tut mir leid, das sagen zu müssen, von Präsident Abbas und der palästinensischen Autonomiebehörde«, sagte Netanjahu.

Angesichts der verbalen Auseinandersetzungen um den Tempelberg rief auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) Israelis und Palästinenser am Donnerstag zur Zurückhaltung auf. Es müsse alles für eine Entschärfung der Situation getan werden.

Distanzierung Zuvor hatte sich die amerikanische Regierung von den umstrittenen Äußerungen Netanjahus über die Schoa distanziert. Netanjahu hatte am Dienstag in einer Rede beim World Zionist Congress in Jerusalem gesagt, der ehemalige palästinensische Großmufti von Jerusalem, Haj Amin Al-Husseini, habe Adolf Hitler zum Holocaust angestiftet. Der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, sagte in einer Reaktion, Netanjahus Aussagen entspreche »nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen«.

Auch die Bundesregierung widersprach Netanjahu am Mittwoch indirekt und bekannte sich erneut und explizit zur deutschen Verantwortung für die Schoa. »Wir wissen um die ureigene deutsche Verantwortung an diesem Menschheitsverbrechen«, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er sehe keinen Grund, »dass wir unser Geschichtsbild in irgendeiner Weise ändern«.

Bei einer Pressekonferenz nach seinem Zusammentreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwochabend in Berlin wiederholte Netanjahu seinen Vorwurf, der frühere palästinensische Großmufti, der 1941 in Berlin mit Hitler und anderen führenden Nazis zusammengetroffen war, sei mitschuld am Holcaust.

Ferner betonte der israelische Regierungschef: »Israel will Frieden, ich will Frieden«. Bei Angela Merkel bedankte er sich für ihre »unermüdliche Unterstützung«.

Terror Netanjahu kritisierte, dass sich die Palästinenser nicht nur Verhandlungen verweigerten, sondern auch einer klaren Verurteilung von terroristischen Gewalttaten. Mit Blick auf die Attentate in den vergangenen Wochen sagte Merkel, sie wünsche sich, dass »alle Seiten zur Deeskalation der Lage« betragen. Israel habe aber die Verpflichtung, seine eigenen Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Allerdings sollte bei den Sicherheitsmaßnahmen »auch immer das Gebot der Verhältnismäßigkeit eine Rolle spielen«.

Im 50. Jahr nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel wisse Deutschland um die einzigartige Verbindung beider Länder. Die Sicherheit Israels sei Teil der Staatsraison, betonte Merkel, die weiterhin auf eine Zweistaatenlösung im Nahostkonflikt setzt.

Um ein Ende der Gewalt bemüht sich derweil auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Er bat die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates zu einer Dringlichkeitssitzung. ja

Leipzig

Extremismusverdacht gegen sächsische Beamtin und BSW-Mitarbeiterin

Die Landesdirektion will die Vorwürfe im Fall ihrer hochrangigen Mitarbeiterin prüfen. »Gegebenenfalls werden weitere Schritte eingeleitet«, sagt ein Sprecher

 23.01.2026

Stuttgart

Holocaust-Überlebende kritisiert ARD-Spitze

Eva Umlauf bezeichnet den Umgang mit dem Film »Führer und Verführer« als »Skandal und Schande«. Programmdirektorin Christine Strobl reagiert

 23.01.2026 Aktualisiert

Saarland

Religiöses Bündnis will Gottesbezug in Saar-Verfassung

Beteiligt ist auch die Synagogengemeinde Saar

 23.01.2026

Teheran

Aktivisten verifizieren 5000 Tote bei Irans Massenprotesten

Aktivisten arbeiten weiter daran, die zahlreichen Angaben zu Todesopfern der Proteste zu überprüfen. Derweil dementiert das Regime Statements von US-Präsdident Trump, wonach Irans Justiz Hinrichtungen von Demonstranten stoppte

 23.01.2026

Justiz

Ehemaliger Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin verurteilt

Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte den Angeklagten wegen eines sexuellen Übergriffs und sexueller Nötigung zu 10 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung

 23.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die ebenso umstrittene wie vielfach kritisierte ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an

von Jana Ballweber  23.01.2026 Aktualisiert

Vetschau/Spreewald

Sellner-Vortrag in Brandenburg trotz Ärger in AfD

Ein Autohaus an der Autobahn mit Medienauflauf: Der österreichische Rechtsextremist hält einen Vortrag über Remigration. Nach Knatsch in der AfD ist die Landtagsabgeordnete Kotré nur Gast statt Gastgeberin

von Marc-Oliver von Riegen  23.01.2026

Davos/Washington D.C.

Trump: Marine-Armada nähert sich dem Iran

»Wir haben viele Schiffe, die in diese Richtung fahren, nur für den Fall«, sagt der Präsident

 23.01.2026

Davos

Kushner präsentiert 25-Milliarden-Dollar-Plan für Gaza

Laut dem Sondergesandten und Schwiegersohn des US-Präsidenten soll der Küstenstreifen bis 2035 ein Wirtschaftszentrum werden

 23.01.2026