Hildesheim

Nach umstrittenem Spendenaufruf: kroatischer Pfarrer gibt Amt ab

Das Bistum in Hildesheim Foto: imago

Nach einem Spendenaufruf für eine umstrittene Vereinigung gibt der Pfarrer der katholischen kroatischen Mission in Göttingen sein Amt ab. Der Schritt geschieht auf eigenen Wunsch des Priesters, wie ein Sprecher des Bistums Hildesheim am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. Geplant sei, dass der Geistliche bis Mitte 2021 im Amt bleibe und anschließend nach Kroatien zurückkehre.

Der Pfarrer hatte Mitte September auf seiner Facebook-Seite einen Spendenaufruf der »Gesellschaft zur Erforschung des Dreifach-Lagers Jasenovac« veröffentlicht. Die Vereinigung unter Führung des kroatischen Publizisten Igor Vukic vertritt die von Historikern als unbelegt und geschichtsverfälschend eingestufte These, dass das Konzentrationslager Jasenovac zwischen 1941 und 1945 kein Vernichtungslager gewesen sei. Der Spenden-Aufruf, der weiterhin online ist, war durch einen Tweet des hr-Journalisten Danijel Majic einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden.

Das Bistum Hildesheim hatte sich von dem Post distanziert und in dieser Woche ein klärendes Gespräch mit dem Priester geführt. Darin habe er sich eigenen Worten nach von Faschismus, Nationalismus und Kommunismus distanziert und zugleich erklärt, die Anschuldigungen gegen seine Person als nicht gerechtfertigt zu empfinden, so das Bistum. Er wolle aber keine Konflikte schüren und sehe daher in einer Rückkehr in seine Heimatdiözese die beste Lösung.

Der Seelsorger ist nicht beim Bistum Hildesheim beschäftigt, sondern gehört einer kroatischen Diözese an. Das Bistum habe bereits Kontakt zur Delegatur der Kroatenseelsorge in Frankfurt am Main aufgenommen, um einen Nachfolger zu finden.

Das KZ Jasenovac galt als das größte Vernichtungslager auf dem Balkan während des Zweiten Weltkriegs. Es wurde 1941 vom damaligen Ustascha-Regime, dem NS-Marionetten-Staat in Kroatien, errichtet. Nach kroatischen Angaben wurden unter dem Regime in Jasenovac zwischen 30.000 und 40.000 Personen getötet. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Serben, Juden und Roma, aber auch um kroatische Antifaschisten. J

üdische und serbische Historiker sprechen von bis zu 600.000 Opfern. Dagegen behauptet Vukic mit seiner Vereinigung, dass das Lager erst unter den Kommunisten zum Vernichtungslager wurde und während des faschistischen Ustascha-Regimes nur zur Internierung genutzt wurde. kna

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